Zwischen Messbarkeiten und Vermessenheiten

01. Oktober 2008, 18:23

Uni-Vertreter diskutierten über Wissensbilanzen

Wien - "Alles messen, was messbar ist - und messbar machen, was noch nicht messbar ist." Hans Sünkel, Rektor der TU Graz, zitierte gleich zu Beginn der vom STANDARD mitveranstalteten Diskussion große Worte von Galileo Galilei, um postwendend die Grenzen dieser Grundforderung der modernen Wissenschaft zu problematisieren: Im Hinblick auf die Vergleichbarkeit von Wissen, das an Universitäten produziert wird, habe er so seine Zweifel: "Es ist eben nicht alles messbar."

Damit war bei der von STANDARD-Autor Gerfried Sperl moderierten Debatte über die Sinnhaftigkeit von universitären Wissensbilanzen die Grundambivalenz auf den Punkt gebracht, die alle sechs Diskussionsteilnehmer im Grunde teilten - wenn auch in unterschiedlicher Explizitheit.

Die radikalste Skepsis an dem Instrument, das in Österreich den Universitäten seit 2006 verpflichtend vorgeschrieben ist, kam ausgerechnet von einem Wirtschaftswissenschafter: Franz Hörmann, Professor am Institut für Unternehmensrechnung an der WU Wien, der sich dabei auf Bilanzen der Kapitalmärkte berief: da werde gelogen, dass sich die Balken biegen.

Seine Kollegin Ursula Schneider von der Uni Graz, die vor zehn Jahren die Wissensbilanz als Bewertungsmethode und Steuerungsinstrument miterfand, äußerte sich naturgemäß nicht ganz so skeptisch. Doch auch sie sah die Gefahr des Missbrauchs und der Standardisierung: "Entscheidend ist doch die Frage, wie man die Universitäten innovativer macht."

Auf eine langjährige Erfahrung mit Wissensbilanzen verwies Martin Gerzabek, Vize-Rektor für Forschung an der Universität für Bodenkultur in Wien verweisen, wo die Erkenntnisse der Wissensbilanzen auch in den Entwicklungsplan eingeflossen sind.

Die meisten positiven Aspekte konnte Johann Popelak den Wissensbilanzen abgewinnen, der dafür zuständiger Ministerialrat im Wissenschaftsministerium. Doch auch er äußerte - diesmal mit einem Beispiel aus dem Sport - Zweifel an der vollständigen Vergleichbarkeit universitärer Leistungen. "Im Eiskunstlauf wird schließlich auch anders gemessen als im Eisschnelllauf." (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 10. 2008)

 

 

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