Wer Pröll den Rücken freihalten soll

1. Oktober 2008, 17:30
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Noch ist unbekannt, ob Schüssel und Molterer ihre Mandate überhaupt annehmen - Für freie Jobs werden jedenfalls Kandidaten gesucht, die nicht von der Ära Schüssel geprägt worden sind

Wien - Über den Abgang des alten Klubobmanns wird zwar munter weitergerätselt, fest steht aber: Nach seiner Machtübernahme ist ÖVP-Chef Josef Pröll dringend auf der Suche nach einem neuen Klubobmann, der die schwarzen Parlamentarier anstelle von Wolfgang Schüssel dirigiert. Und der ihm den Rücken freihält, wie das Wilhelm Molterer 2003 bis 2007 für Schüssel getan hat (dieser umgekehrt viel weniger für Molterer).

Immer wieder genannt wird für den wichtigen Job Karlheinz Kopf. Gegen den Wirtschaftsbund-Generalsekretär spricht aber, dass ihm vor allem ÖAAB-Abgeordnete Abgehobenheit und mangelnden Teamgeist nachsagen. Der ÖAAB hat aber dem Vernehmen nach keinen eigenen Kandidaten - und in der bündischen Machtbalance auch keinen Anspruch, weil der ÖAAB-Mann Michael Spindelegger Zweiter Nationalratspräsident bleiben möchte.

Die zweite gehandelte Kandidatin, Innenministerin Maria Fekter, hat ihre mögliche Versetzung ins Hohe Haus bereits als "Kaffeesudleserei" abgetan. Josef Pröll wird außerdem nachgesagt, dass er an Fekter ihre "Kampfkräftigkeit" schätze - weil sie eine "gute Performance geliefert" habe, würde der neue ÖVP-Obmann sie bei einer Regierungsbeteiligung gern als Ministerin behalten.
Mit wem Pröll noch gut kann, ist Wissenschaftsminister Johannes Hahn, auch er sollte dann im schwarzen Kabinett bleiben.

Dem Vernehmen nach sind dafür Pröll und Außenministerin Ursula Plassnik einander spinnefeind - gemunkelt wird, dass Plassnik wieder in die Diplomatie zurückkehren könnte.

Wie Plassnik will angeblich auch Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky nach dem Ausscheiden aus der Regierung das Land verlassen. Sie reize ein Posten bei der Weltgesundheitsorganisation, und zwar in deren Regionalbüro für Europa in Kopenhagen.

Pröll selbst wollte sich am Mittwoch, beim Zusammentreffen mit Bundespräsident Heinz Fischer, erneut nicht festlegen, ob er seine Partei in die Opposition oder in eine Koalition führt. Nur zu den Problemen von Dreierbündnissen waren ihm ein paar skeptische Worte zu entlocken. Bei FPÖ und BZÖ gab Pröll zu bedenken, dass die Parteichefs ja nicht einmal in Ruhe einen Kaffee miteinander trinken könnten. Rot-Schwarz-Grün erteilte er eine Absage.

Als beinahe fix gilt, dass Pröll bei Regierungsgesprächen Ex-Kanzler Schüssel nicht mit am Tisch sitzen haben will. Ein Schwarzer: "Das wäre sowohl für die Roten als auch für die Blauen und Orangen eine Provokation."

Den vakanten Posten als Klubchef könnte Pröll bei der konstituierenden Nationalratssitzung zunächst auch selbst übernehmen. Sollte sich die ÖVP fürs Regieren entscheiden, kann dann immer noch ein neuer Klubobmann gewählt werden.

Für das neu zu besetzende Generalsekretariat - Hannes Missethon, der für den schlechten Wahlkampf verantwortlich zeichnet, gilt als Ablösekandidat - hat ein potenzieller Nachfolger bereits abgewunken: ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon erklärte am Mittwoch, es sei zwar ehrenvoll, für diesen Posten genannt zu werden, für ihn sei diese Funktion aber kein Thema. Selbst im ÖAAB wird argumentiert, dass den Job jemand bekommen soll, der nicht schon in der Ära Schüssel aktiv war. (cs, go, hei, nw/DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2008)

  • Josef Prölls erster Vier-Augen-Termin bei Bundespräsident Heinz
Fischer: Nach 50 Minuten kam der neue ÖVP-Chef wieder heraus und
äußerte sich skeptisch über alle Koalitionsformen, die nicht aus den
Farben Rot und Schwarz gebildet werden. Andere Optionen lässt er sich
noch offen, am Zug ist die SPÖ.
    foto: standard/cremer

    Josef Prölls erster Vier-Augen-Termin bei Bundespräsident Heinz Fischer: Nach 50 Minuten kam der neue ÖVP-Chef wieder heraus und äußerte sich skeptisch über alle Koalitionsformen, die nicht aus den Farben Rot und Schwarz gebildet werden. Andere Optionen lässt er sich noch offen, am Zug ist die SPÖ.

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