US-Behörden schnappen sich Hackerlegende Kevin Mitnick

1. Oktober 2008, 14:14
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Der ehemals meist gesuchte Hacker der USA nach Kolumbien-Reise am Flughafen festgehalten - Mittlerweile wieder frei und alles in Ordnung

Kevin Mitnick, seines Zeichens der ehemals meistgesuchte Hacker der USA und nun als IT-Securityexperte unterwegs, kam wieder einmal in unliebsamen Kontakt mit den US-Behörden. Zum ersten Mal seit seiner Entlassung vor acht Jahren wurde Mitnick nach einer Geschäftsreise nach Kolumbien kurzfristig in Gewahrsam genommen.

Keine ausreichende Erklärung

Nach seiner Landung am Flughafen von Atlanta, kommend aus Bogota, wurde Mitnick mehr als vier Stunden bei den US-Behörden festgehalten. Die Erklärungen waren eher löchrig und wenig ausreichend. Der offizielle Grund soll ein Paket gewesen sein, dass Mitnick von Bogota aus aufgegeben hatte, und an dessen Außenseite sich Kokainspuren fanden. Dies wurde zum Anlass genommen, die gesamten IT-Endgeräte Mitnicks bis zur letzten Schraube zu untersuchen.

Computer auseinander geschraubt

Die US-Behörden nahmen Mitnicks Handys, Laptops und Festplatten auseinander, so ein Bericht von CNet. Auch das Paket wurde genauer untersucht und die darin enthaltenen Elektrogeräte auseinander geschraubt. Dabei wurden auch einige Festplatten zerstört.

Das Problem der Demonstration

Mitnick spricht auf zahlreichen Sicherheitskonferenzen und zeigt Löcher in Systemen auf beziehungsweise warnt vor den Gefahren des so genannten "Social Engineerings". Bei seinen Demos weist der Hacker auch oft darauf hin, dass einige Vorgehensweisen in manchen Ländern verboten sind und er sie daher nicht zeigen kann. Die US-Behörden haben am Flughafen technisches Equipment beschlagnahmt beziehungsweise untersucht, das zu Einbrüchen in Netzwerken verwendet werden kann.

Erinnerungen an früher

Die ersten US-Medienberichte aus den USA zeigen vor allem eines, und dies war immer schon Mitnicks Hauptproblem - die Ahnungslosigkeit der Behörden. So wurde das technische Equipment nicht erkannt beziehungsweise auch die Funktionsweise falsch gedeutet. Dies ließ beim ehemaligen Hacker Erinnerungen an seine Haft aufkommen. Jahrelang saß Mitnick ohne Prozess in Einzelhaft.

Auch Spaß muss sein

Bei der Passkontrolle der Einwanderungsbehörde am Flughafen Atlanta bekam Mitnick schon die ersten Anzeichen für Probleme zu spüren. CNet schreibt dazu: "Bei der Passkontrolle wurde der Beamte stutzig und blickte auf seinen Monitor und begann zu tippen. "Kevin", so der Beamte mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, "Rate mal. Da warten einige Leute unten auf dich, die ein Wörtchen mit dir zu reden haben, aber keine Sorge. Alles wird ok." Zur gleichen Zeit wurde Mitnicks Freundin in Bogota von Beamten aufgesucht. Diese befragten sie zu dem Paket und leiteten ihre Ermittlungen ein.

Gerätekollektion

Die Einwanderungsbehörde untersuchte sämtliche Geräte Mitnicks und dies waren nicht wenige: so unter anderem ein MacBook Pro, ein Dell XPS M1210-Laptop, ein Asus 900, drei oder vier Festplatten, zahlreiche USB-Sticks, einige Bluetooth-Dongles, drei iPhones und vier Nokia-Handys mit verschiedenen Sim-Karten für unterschiedliche Länder. Auf die Frage, ob er nun verhaftet sei, meinten die Beamten, "Nein, er werde nur festgehalten". Mitnick durfte seinen Anwalt und seine Familie anrufen, danach hieß es abwarten.

Sehr nervös

Gegenüber CNet meinte Mitnick, dass er "sehr nervös" gewesen sei, da er "nicht wusste was hier passieren würde". "Sie hielten mich für vier Stunden fest, haben alles untersucht und völlig grundlos gleich höchste Alarmbereitschaft gegeben. Ich reise viel und komme auch in Länder mit wesentlich strengeren Richtlinien, aber dort hatte ich noch nie Probleme. Dann habe ich auch noch erkannt, dass meine Geräte an waren und ich wollte ihnen nicht mein Passwort geben. So musste ich alles schnell abschalten."

Unerreichbar

Gleichzeitig begannen außerhalb die Gespräche zwischen den Behörden und Mitnicks Anwalt beziehungsweise seinen mitreisenden Experten. Erst nach Stunden konnten die Einwanderungsbehörden erreicht und Mitnicks Geschichte bestätigt werden. Nach weiteren Befragungen und einer Entschuldigung wurde Mitnick schlussendlich freigelassen. Mitnick verschlüsselt seine Notebooks und die Daten seiner Kunden so dass hier keinerlei Gefahren oder Bedrohungen durch die Behörden zu erwarten waren. Auch das Aufräumen der Endgeräte und das Speichern auf externen Quellen während der Reisen erwiesen sich als sinnvoll. "Ich habe keine negativen Gefühle gegen die Behörden, aber ich war echt ängstlich, wegen der Umstände und der Entwicklungen in Bogota. Gewisserweise bin ich jetzt glücklich, auf der anderen Seite verletzt."(red)

  • Artikelbild
    foto: monty brinton - john wiley & sons
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