ÖVP bei Frauen unter 30 vorne

1. Oktober 2008, 16:29
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Bisher konnte bei den Jungen vor allem die SPÖ punkten - SP-Frauengeschäftsführerin Stadlbauer fürchtet sich vor einem "Zurück ins Biedermeier" und einem Rückzug von Frauen aus dem Arbeitsmarkt

Neben den Umwälzungen durch das Wahlergebnis, die sich an den nackten Prozentzahlen ablesen lassen, haben sich auch bei bestimmten WählerInnengruppen unerwartete Schwenks und Bewegungen ergeben. So hat etwa die ÖVP laut einer Wahltagsbefragung des Instituts SORA in der Gruppe der jungen Wählerinnen unter 30 den Platz Eins errungen. Eine Trendwende, lag doch bisher bei den jungen Frauen die SPÖ vorne. 32 Prozent der befragten Frauen unter 30 haben diesmal der Volkspartei ihre Stimme gegeben, danach folgt gleich die FPÖ. Auch wenn es sich "nur" um eine Wahltagsbefragung handelt, die Zahlen sind überraschend.

Potenzial lag brach

Konnte die SPÖ in diesem Bereich nicht überzeugen? "Ich habe keine wirklich gute Erklärung dafür", gibt Eva Zeglovits vom Analyseinstitut SORA gegenüber dieStandard.at zu. "Scheinbar hat die SPÖ da ganz stark Potenzial brach liegen gelassen". Dabei war diesmal mit Laura Rudas eine junge Frau sogar auf Platz Vier der roten Bundesliste - und im Wahlkampf sehr präsent. "Eine prominent präsentierte Person aus der betreffenden Wählergruppe hilft, aber das alleine ist es eben nicht", so Zeglovits.

Bettina Stadlbauer, Bundesfrauengeschäftsführerin der SPÖ, kann ihr Entsetzen über die Entwicklung nur schwer verbergen. Hat die Sozialdemokratie es nicht geschafft, junge Frauen ausreichend von sich zu überzeugen? "Offensichtlich ist das so, sonst würde das Ergebnis ja nicht so aussehen", meint Stadlbauer im Gespräch mit dieStandard.at. Woran das lag, darüber kann auch sie nur spekulieren. "Wir haben bei dieser Wahl stark auf die Vereinbarkeitsfrage gesetzt, aber bei jungen Frauen ist das scheinbar nicht mehr Top-Thema". Der Einstieg ins Berufsleben, die "gläserne Decke" und die Berufschancen hätten der Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie offenbar den Rang abgelaufen, vermutet Stadlbauer. Es könnte aber auch sein, so die Bundesfrauengeschäftsführerin, dass sich die Kinderfrage vielen jungen Frauen heute erst später stellt und so für viele aus der Gruppe der Unter-30-Jährigen (noch) keine bedeutende Rolle spielt.

"Ein enormer Backlash"

Eine weitere mögliche Erklärung liegt der SP-Frauengeschäftsführerin hörbar im Magen. "Ich mag mir das gar nicht vorstellen, aber es könnt sich hier auch ein enormer Backlash ankündigen", meint sie - ein Rückzug von Frauen aus der Berufstätigkeit. "Zurück ins Biedermeier, sozusagen". Der Druck der Mehrfachbelastung durch Job und Familie werde jungen Frauen oft nicht abgenommen, weder durch den Partner noch durch die Wirtschaft. "Und die Politik tut zwar etwas, aber offenbar zu wenig". Eine mögliche Reaktion könnte also sein, "dass junge Frauen quasi darauf pfeifen und sagen: Der Druck wird mir zu groß, ich kann das Alles nicht mehr".

Was die SPÖ in Zukunft gegen diesen Trend unternehmen kann? "Wir müssen mehr auf das Thema Frauenförderung und nicht mehr so stark auf Vereinbarkeit setzen", glaubt Stadlbauer. "Und weiter darauf achten, Familienpolitik und Frauenpolitik strikt zu trennen". (Anita Zielina, dieStandard.at, 1.10.2008)

 

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SORA

  • Bettina Stadlbauer: "Ich mag mir das gar nicht vorstellen, aber es könnt sich hier ein enormer Backlash ankündigen".

    Bettina Stadlbauer: "Ich mag mir das gar nicht vorstellen, aber es könnt sich hier ein enormer Backlash ankündigen".

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