Opernklänge hinter dem Raster-Vorhang

1. Oktober 2008, 11:43
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Gestaltungsbeirat segnet Fassade für das Linzer Musiktheater ab, doch wichtige "Details" müssen geändert werden

Linz - Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) kann beruhigt sein. Das geplante Linzer Musiktheater wird sich nach Fertigstellung nicht als "Klotz mit Rosthülle" (Pühringer) präsentieren. Am Dienstag segnete der städtische Gestaltungsbeirat - bestehend aus vier Architekten - einen nachgereichten Entwurf des Londoner Architekten Terry Pawson für die Außenfassade des Musiktheaters ab.

Wie so vieles rund um den Opernbau artete auch die Fassaden-Diskussion zu einem handfesten Streit aus. Der ursprüngliche Entwurf von Pawson, der eine dunkle Gebäudehülle aus rostigem Stahl vorsah, wurde letztlich verworfen. Den Sanktus des Gestaltungsbeirates bekam jetzt eine Theater-Hülle, die einen Raster aus hellem Sichtbeton und darin neben der Verglasung hellen Naturstein, beispielsweise Kalkstein, vorsieht. Fenster und andere Verkleidungen sollen mit Bronze ausgestattet werden. Im Zuge des Fassaden-Streits wurde Architekt Pawson zumindest teilweise seinen Job los. Man einigte sich letztlich nämlich auch darauf, die bauliche Umsetzung der Pawson-Pläne einem "ausführenden Architekten vor Ort" zu überlassen. Gefunden werden soll dieser mittels öffentlicher Ausschreibung.

Kein natürliches Rampenlicht

Doch auch wenn nach einer mehrstündigen Beratung die helle "Außenhaut" den Beirat überzeugte, gibt es dennoch Änderungswünsche, über deren Umfang die Meinungen auseinandergehen. "Ein paar Details", die Pawson noch zu ändern habe, sieht Thomas Winkler, Sprecher des Gestaltungsbeirats, im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Planungsstadtrat Klaus Luger (SP) sagt auf Standard-Anfrage hingegen: "Naja, so klein sind die Details eigentlich gar nicht."

Konkret geht es um drei Punkte, die auf architektonisches Missfallen stießen. Geändert werden muss erstens der Dachaufbau. "Statt der jetzt vorgesehenen Aluminium-Verkleidung wollen wir, dass sich dort ebenso die geplante, helle Fassade fortsetzt", erläutert Luger. Weiters sei bis dato auf der Südseite nur ein einziges Fenster eingeplant. "Das wird problematisch, da dahinter das Theaterfoyer geplant ist. Es braucht da natürlich zusätzliche Öffnungen nach außen", so Luger. Dagegen habe sich Pawson aber bis jetzt vehement gewehrt. Luger: "Keine Ahnung warum, irgendwie scheint der Mann etwas gegen Licht zu haben."

Die dritte Detailfrage betrifft die komplette Nordfassade. "Da hat Pawson alleine fünf verschiedene Elemente vorgesehen. Das geht nicht. Dazu kommt, dass an der Nordseite ein riesiger Sockel geplant ist, der alles irrsinnig monumental wirken lässt", sieht Luger doch insgesamt beträchtlichen Nachholbedarf. Für die Änderungen brauche es aber zumindest keine neuerliche Sitzung des Gestaltungsbeirates, so Luger.

Nächster Schritt wird nach Klärung der - je nach Sichtweise - mehr oder weniger großen Probleme im Detail das Einreichen der Baugenehmigung sein. Dies werde rasch passieren, um den Baubeginn des Musiktheaters im ersten Quartal 2009 zu sichern, kündigt Landeshauptmann Pühringer an. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD/Printausgabe, 01.10.2008)

  • "Getaucht, gewaschen, sandgestrahlt und poliert" - so soll künftig der Außenauftritt des Linzer Musiktheaters sein.
    visualisierung: land oö

    "Getaucht, gewaschen, sandgestrahlt und poliert" - so soll künftig der Außenauftritt des Linzer Musiktheaters sein.

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