Praktika sind finanzielle Belastung

1. Oktober 2008, 13:08
200 Postings

Studie zu "Generation Praktikum" zeigt: prekäre Arbeitsverhältnisse für JungakademikerInnen und Studierende sind die Regel

Vierzig Stunden in der Woche arbeiten und keinen Cent dafür bekommen - für Praktikanten ist dieses Szenario keine Seltenheit. Über 50 Prozent der Studierenden absolvieren in Österreich Praktika. An die 30 Prozent davon tun dies unentgeltlich. Vor allem in der Medien-, Kunst- und Kulturbranche muss man sich oft damit abfinden, keine Gegenleistung zu erhalten. Doch viele Studierende sind bereit für einen attraktiven Lebenslauf unter unangemessenen Bedingungen zu arbeiten. Andere wiederum müssen auf die Praktikumszeugnisse von hochrangigen Unternehmen verzichten, da ihre finanzielle Situation es nicht erlaubt, für zwei Monate unentgeltlich zu arbeiten.

Finanzielle Belastung durch Praktika

Wie die Situation für JungakademikerInnen in Wien tatsächlich aussieht, zeigt eine Studie von NeuBasis - einer Unterorganisation des Bundes sozialistischer AkademikerInnenn (BSA). 195 Fachhochschul- und UniversitätsabsolventInnen wurden im August und September über ihre Erfahrungen mit Praktika und derzeitige Situation am Arbeitsmarkt befragt.

Die Ergebnisse bestätigen das, was schon längere Zeit von vielen Seiten beklagt und diskutiert wird. 49 Prozent der Befragten empfinden die finanzielle Belastung durch Praktika als eher groß und sehr groß. 70 Prozent wünschen sich eine gesetzliche Regelung, die einen Minimallohn für Praktikanten vorschreibt. Weitere Unterstützungsmaßnahmen, die von den Studierenden gutgeheißen werden, sind kollektivvertragliche Regelungen oder staatliche Förderungen für Praktika.

Prekäre Arbeitsverhältnisse Normalfall

Ihre eigene Situation am Arbeitsmarkt schätzen die JungakademikerInnen zum überwiegenden Teil positiv ein. 41 Prozent blicken ihren zukünftigen Karrierechancen aber eher sorgenvoll entgegen. Grund dafür sind sicherlich auch die prekären Arbeitsverhältnisse. 62 Prozent der Befragten geben in der Studie an, dass sie von prekären Arbeitsverhältnissen und unzureichender Absicherung ziemlich bis sehr betroffen sind.

Die Studie zeigt auch, wie verschiedene Lösungsansätze bewertet wurden. Demnach treten über 80 Prozent der Befragten dafür ein, dass Unternehmen mittels Förderungsmodellen dazu ermutigt werden sollen, den Jungakademikerinnen nach ihrer Probezeit eine Fixanstellung zu geben. Außerdem glaubt die Mehrheit der JungakademikerInnen, dass eine verpflichtende Einführung von Kollektivverträgen und eine Wohnförderung helfen würde.

Kettenpraktika und "trainee hopping"

"Das alles sind Vorschläge um Kettenpraktika oder das sogenannte "trainee hopping" in Zukunft zu verhindern", sagt BSA-Präsidentin Maria Berger. Sie selbst habe während ihrer Zeit als Mitglied des europäischen Parlaments nur zu oft Bewerbungen von Studierenden bekommen, die über mehrere Jahre hinweg immer wieder nur als Praktikanten eingesetzt wurden: "oft bei sieben verschiedenen Arbeitgebern." (edt/derStandard.at, 1.10.2008)

  • Bei einem renommierten Unternehmen unentgeltlich arbeiten. Viele Studierende nehmen das in Kauf, um ihren Lebenslauf attraktiver zu machen.
    foto: standard/newald

    Bei einem renommierten Unternehmen unentgeltlich arbeiten. Viele Studierende nehmen das in Kauf, um ihren Lebenslauf attraktiver zu machen.

Share if you care.