Was soll schon sein im Pimperlland?

30. September 2008, 19:59
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Letztlich war es eine Pimperlwahl mit Pimperlfolgen in einem Pimperlland - Von Miguel Herz-Kestranek

Allen Analysen zum Hohn: Österreich wie es sein will, wird nicht mehr langsam, sondern sicher zu Österreich, wie es ist. Die angeblich aus Protest, Angst, Enttäuschung rechts gewählt haben, haben nun einmal rechts gewählt und nicht anders. So schaut's aus. Und dennoch: Letztlich war es eine Pimperlwahl mit Pimperlfolgen in einem Pimperlland. Die roten Flaschen haben ihren Kronekorken, die schwarzen Säcke ihre Watschen, der braune Restmüll stinkt stärker zum Himmel als bisher, die grünen Flaschen wandern aufrecht ins Altglas - was soll schon sein? Es wird ein Wein sein und ein Schnitzel und ein Proporz mit mehr Farben halt und ein Kleinhäuslerpopulismus allenthalben und Gottes Gnade. Alles, wie gehabt.

Deshalb mein Appell an politisch Korrekte und Besorgte aus Intelligenzija, Kunst und Co: Statt Provinzjammerei, statt nutzloser Gefechtslärmerei gegen faschistoide Rotzbuben und kleinformatigen Altersstarrsinn, jetzt laut und gar nicht heimlich das bisher sträflich Versäumte nachholen, den Tränenblick vom Nabel aufrichten und sich im wirklich wichtigen Wahlkampf engagieren für die Europawahlen im Juni 2009; die Ärmel aufkrempeln für Europa, Bewusstsein schaffen für Europa, sich ins Zeug werfen für ein starkes, gesundes europäisches Parlament. Wenn nämlich das nicht gelingt, dann gehts dort auch so aus, wie jetzt bei uns. Und dann gnade uns wirklich Gott! (Miguel Herz-Kestranek/DER STANDARD-Printausgabe, 1. Oktober 2008)

Miguel Herz-Kestranek, Buchautor und Schauspieler, ist Vizepräsident des Österreichischen PEN-Clubs; zuletzt erschien von ihm im Ibera-Verlag die Essay-Sammlung "Wortmeldung"

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