Die dritte Dimension der IT-Forschung

30. September 2008, 20:11
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Sicherheitslösungen und Visualisierungsideen: Zwei Ausschreibungen des Programms FIT-IT sollen Technologien fördern, die zu einem gesellschaftlichen Wandel führen könnten

Analysten sagen der IT-Sicherheitsforschung für die nächsten zehn Jahre eine dynamische Entwicklung voraus. Dabei geht es natürlich nicht nur um immer bessere Softwaresysteme zur Sicherung von PCs gegen Viren, Würmer und Trojaner. Chip- und SIM-Karten müssen genauso gesichert werden - was von österreichische Industrieunternehmen wie Austria Card bereits umgesetzt wird. Aber auch sicheres E-Government, E-Health und sichere eingebettete Systeme (Dependable Embedded Systems), die in der Industrie zum Einsatz kommen, sind gefragt und werden hierzulande von einigen Technologieunternehmen entwickelt. Mehr in die Zukunft weist "das Internet der Dinge", die Vernetzung von Informationstechnologiesystemen in Alltagsgegenständen. Aber auch hier wurden schon etwaige Sicherheitslücken dokumentiert.

Das Förderprogramm FIT-IT des Infrastrukturministeriums sucht vor diesem Hintergrund nach neuen Ideen und Technologien im gesamten Bereich "Trust in IT-Systems". Die Einreichfrist für die Ausschreibung ist der 28. November 2008 um 12 Uhr. 2,4 Millionen Euro stehen zur Verfügung, besonders gefragt sind Projekte zu Themen wie "Kryptologie", Mikrochipdesign", "Technologien für Privacy und Identity Management" sowie "Digital Rights Management".

Eine Woche später, am 3. November 2008, 12 Uhr, endet die Einreichfrist für die Ausschreibung "Visual Computing". Das Themenfeld dieser auch mit rund 2,4 Mio. Euro ausgestatteten Programmlinie ist eine Kombination mehrerer Bereiche der Informatik - vor allem der Computergrafik und Computer Vision sowie von Aspekten der Mensch-Maschine-Interaktion, der Mustererkennung, des maschinellen Lernens, von kognitiven Systemen (Cognitive Vision) und digitaler Bibliotheken.

Neue Werkzeuge

"Bereits im Frühjahr 2006 wurde das Thema als vielversprechend identifiziert. Zumindest für die nächsten zehn Jahre sehe ich große Chancen, um durch die Kombination der verschiedenen Forschungsbereiche neuartige visuelle Werkzeuge und Analyseverfahren zu entwickeln. Diese werden in weiten Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft umfassende Veränderungen auslösen", meint Markus Proske, Programm-Manager Visual Computing bei der Österreichischen Forschungsgesellschaft FFG, die FIT-IT abwickelt.

Proske scheint nicht übertrieben zu haben. Rasch wachsende Datenmengen brauchen neuer Aufbereitungsverfahren, um die Auswertung durch Experten zu ermöglichen. Für interaktive Benutzerschnittstellen sind schnelle Visualisierungen und leistungsfähige Interaktionsparadigmen erforderlich, etwa in der Medizin, Geoinformationssystemen oder anderen wissenschaftlichen Anwendungen. Aber auch für andere Anwendungen mit großen Datenmengen wie aus der Finanz- und Versicherungswelt, Sicherheit oder Kundenbeziehungs-Management (CRM, Customer Relationship Management), werden neue grafische Analysemethoden gebraucht.

Die automatisierte Medienanalyse und die Suche nach 2-D- und 3-D-Modellen und Bildinhalten benötigt neue verbesserte Erkennungs- und Vergleichsalgorithmen. Aber auch im medizinischen Umfeld oder für Schulungen wird die virtuelle Realität immer wichtiger. Dafür werden aber neue, robuste Algorithmen und Hardware benötigt.

Große Vorbilder für Visualisierungen jeder Art sind Computer-Spiel-Grafiken, die weltweit Millionen von Menschen in interaktiven Welten unterhalten. Jede Spielekonsole in den heimischen Wohnzimmern ist heute mit einem Hochleistungsgrafikprozessor ausgerüstet, die vor wenigen Jahren nur in Supercomputern zum Einsatz gekommen sind.

Durch die rasche Hardware-Entwicklung stellen sich dabei laufend neue Herausforderungen im Bereich Echtzeitvisualisierung. Durch die Erzeugung von georeferenzierten 3-D-Modellen und eine weitgehend automatisierte Einbindung bestehender Geoinformationsdaten, wie zum Beispiel in Google Maps und Navigationssystemen, ergeben sich neue Möglichkeiten im Bereich der Visualisierung, die den Weg in Richtung Ubiquitous Geographic Information ebnen. Das will heißen, dass heute jedes durchschnittliche Smartphone bereits GPS-Daten empfangen und als Navigationssystem eingesetzt werden kann.

Stromanalysen

Und jedes Navigationssystem zeigt seinem Besitzer den nächstgelegenen Bankomaten oder Pizzeria an. Zahlreiche zukünftige Anwendungen werden versprochen. Ganz wesentlich werden Algorithmen zur Verfolgung und Navigation bei bewegten Objekten sein. Diese Methoden finden auch Anwendungen in der Robotik, der Überwachung, in neuartigen Anwenderschnittstellen (User Interface) und in der Analyse von Menschenströmen, die beim Bau der Wiener U-Bahn-Station "Stadion" schon weltweit für Aufsehen gesorgt hat. (Klaus Lackner/DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2008)

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    Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton als 3-D-Hologramm: Eine Visualisierung der anderen Art, wie sie zuletzt bei einer Veranstaltung des Sportartikelherstellers Reebok zu sehen war.

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