Obmannwechsel: Wie wär's mit Vorwahlen?

30. September 2008 19:29

Internen Abstimmungen sind mühsam und hinterlassen oft schmerzhafte Wunden, aber sie zwingen die Funktionäre zu offenen Richtungsdebatten

Der Wechsel von Parteiobleuten läuft in Österreich stets nach demselben Muster ab: Ein Parteichef gerät ins Straucheln und beruft eine Krisensitzung des Vorstandes ein, der hinter geschlossenen Türen einen neuen geschäftsführenden Obmann kürt. Dann wird ein Sonderparteitag einberufen, wo der neue Chef als einziger Kandidat Ostblock-artige Mehrheiten einfährt. So war es beim Wechsel von Schüssel zu Molterer, von Gusenbauer zu Faymann und nun von Molterer zu Pröll. Auch Strache und Haider mussten sich keinem internen Wettbewerb stellen.

Das System ist schnell, effizient und verhindert lästige Debatten. Bloß mit Demokratie hat es nichts zu tun. Andere Länder sind da schon viel weiter. In den britischen Parteien haben Kampfabstimmungen eine lange Tradition, und in den USA ermitteln die Parteien seit Jahrzehnten ihre Präsidentschaftskandidaten in einem komplexen, inzwischen viel zu langen Vorwahlprozess. So weit muss man hierzulande nicht gehen. Aber es könnte den heimischen Parteigranden doch auffallen, dass auch in Ländern wie Frankreich, Italien oder Israel Primaries üblich geworden sind.

Solche internen Abstimmungen sind mühsam und hinterlassen oft schmerzhafte Wunden. Aber sie zwingen die Funktionäre zu offenen Richtungsdebatten, testen die Attraktivität der Kandidaten und geben der Basis ein echtes Mitspracherecht. Das bremst den Mitgliederschwund und erhöht letztlich auch die Wahlchancen einer Partei.

Vielleicht wäre der ÖVP mit Vorwahlen das unglückliche Molterer-Intermezzo erspart geblieben. Josef Pröll hätte sich jedenfalls eine solche Prüfung verdient. (Eric Frey/ DER STANDARD-Printausgabe, 1. Oktober 2008)

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LadyDoolittle
01.10.2008 18:29
Proll aus dem Bauernbund

Die geschützte Menschenrasse auf der roten Liste - genannt "Bauer" - braucht sich also auch in den nächsten 5 Jahren keine Sorgen um entsprechende Subventionen machen.

EU-Subventionen, nationale Subventionen, zinsenfreie Kredite und nicht rückzahlbare Zuschüsse für landwirtschaftliche Investitionen (größerer Traktor als der Nachbar, automatische Klimaanlage, besserer Sound mit mehr Watt etc.), Düngemittelzuschuss, Zuschüsse bei Muttertierhaltung und dann Schlachtzuschüsse, Exportzuschüsse auf lebende Tiere und andere Produkte (Getreide usw.)

Der Beruf des z. B. Schusters war einmal ein sehr angesehener. Diese Berufsgruppe ließ man, wie viele andere, ganz einfach aussterben.

Jetzt bitte nicht: Aber die schwere Arbeit ....

gwfak
01.10.2008 19:03
Das permantente Bauern-Bashing..

.. einer Vielzahl von Standard Postern hängt mir schon lange zum Hals heraus. Hier wird zur Abwechslung sogar wieder der "Rassebegriff" artikuliert.

Dante Alighieri
01.10.2008 21:18

Was heißt denn Bauern-Bashing? Die Bauern, die vielleicht 5-10% der EU-Bevölkerung stellen, bekommen 50% des EU-Budgets. Diese enorme Ungerechtigkeit wird man ja wohl noch kritisieren dürfen.

Threonin
01.10.2008 16:11

Das mit Haider ist ein Irrtum. Er ist durch eine Kampfabstimmung zum Obmann der FPÖ geworden.

sumertime
01.10.2008 13:41
altes sprichwort von der urli oma

nur die dümmsten kälber wählen ihre schlächter selber

daher wird es unter den mitgliedern keine vorwahlen geben

die funktionäre wollen unter sich bleiben

namecaps1
01.10.2008 10:44
In Österreich gibts rund 140.600...

landwirtschaftliche Betriebe (ca. 1/3 davon als Nebenerwerbsbetriebe geführt) mit 161.500 Vollzeitarbeitskräften.
Und doch gibts in der Vaupeh rund 300.000 Bauernbündler.

Die Frage ist nur, *wer* da in angeblich so demokratischer Vorwahl was entscheiden würde.

Dante Alighieri
01.10.2008 14:05

Naja, wenn 25% der Wähler so dumm sind eine Partei zu wählen die von 2% der Bevölkerung dominiert wird (und 2% der Bevölkerung enorme finanzielle Vorteile verschafft) dann kann man das nicht der ÖVP anlasten -- da sind die Wähler schon noch selbst schuld.

verleih nix
01.10.2008 10:23
plädoyer für den fundamentalismus

wohin solche basisdemokratischen modelle führen sieht man ganz gut bei den grünen. dort geht eine kleine gruppe von extremisten (in alle richtungen) regelmäßig zur 'vorwahl' und erfreut die breite masse der wähler mit immer unwählbareren kandidaten. mit freundlich-populistischer unterstützung der spitze und bekanntem erfolg.

wie das bei blau oder orange aussehen würde mag ich mir gar nicht vorstellen!

Dante Alighieri
01.10.2008 14:06

Manche Leute reden stets von "Fundamentalisten" und "Extremisten" bei den Grünen -- aber ich seh sie einfach nicht ^^ Helfens mir doch, nennen Sie Namen! Wo sind sie, die ach so extremen Grünen? Ich merk von ihnen nichts, beim Kuschelkurs der Grünen mit der ÖVP.

Ordnung_ohne_Herrschaft!
01.10.2008 13:09
ad "immer unwählbarere kandidaten"

ah ja.
und völlig logisch: nur weil sie _keine_ vorwahlen kennen, können uns die anderen auf ihren nrw-bundeslisten solche kapazunder präsentieren wie zb
die övp: neugebauer, fekter, bartenstein, rauch-kallat, stummvoll, missethon, amon, hahn, furhmann, aubauer;
die spö: rudas, bures, cap;
die braunen: petzner, grosz, st.adler, st.rache, rosenkranz, westenthaler, haubner, strutz, hofer, stefan, weinzinger, ...

Nestor1979
01.10.2008 10:58
Gut. Gegenvorschlag?

daBrandSatz
01.10.2008 14:58
an nestor1979

vorwahlen bei den nichtwählern

mvv nur i

verleih nix
01.10.2008 14:58

repräsentative demokratie.

oder anders gesagt: die basis soll nicht jeden schmarrn beschließen, es reicht wenn sie über das programm entscheidet und einige repräsentanten in die zuständigen gremien entsendet. wenn die dann machen was sie wollen sind sie vielleicht nicht so gut ausgewählt...

Albert Valentin
01.10.2008 09:50
KKampfabstimmung oder Putsch?

Warum wird eigentlich der Sieg Jörg Haiders über Norbert Steger in der Kampfabstimmung von Innsbruck 1986 immer als Putsch bezeichnet

Zeit Geist1
01.10.2008 13:04
weil das schlechter politischer Stil ist

jemanden durch eine Wahl abzulösen.

Das macht man eben so wie Werner Faymann. Der tritt einfach die Nachfolge von Gusi an. Ganz demokratisch, ohne Wahl.
-- So macht man das.

namecaps1
01.10.2008 10:40
Weil...

ein "Bolitiga" der so beschlagen ist wie da Haiderjörg sich einer Abstimmung am liebsten dann stellt, wenn er schon weiß wie sie ausgehen wird. Und das hat er sich davor so... gerichtet.

dagobert wien
01.10.2008 10:23

weil dadurch eine handzahme fpö mit 3% zu einem tiger von 27% wurde (1999)....

so was kann man nur als "putsch" bezeichnen, wenn eine 08-15 partei zur zweitmächtigsten wird.....

soweit zur weltsicht der roten.

i_sogs_glei...
01.10.2008 09:45
firlefanz

ich glaube, dass das nix geändert hätte. bei spö, grünen, fpö und bzö wären es 100%-ig dieselben spitzenkandidaten geblieben. MÖGLICHERWEISE wäre es in der övp schon VOR DER WAHL zu einem richtungsstreit gekommen, der das wahlergebnis, wenn überhaupt, noch verschlechtert hätte.

Nichtschweiger
 
01.10.2008 09:05
Stimm - und das sage ich hier als deklarierter ÖVP-Anhänger!

Es wurde ein "Bauernbua" gegen einen anderen "Bauernbua" ausgetauscht. Wie da die ÖVP meint sie könnte damit eine "neue" Politik signalisieren und z.B. die Wähler in den Städten zu gewinnen ist ein Rätsel das sich mir bis jetzt noch nicht erschlossen hat. Wenn ich dann noch höre, dass Pröll als Anhänger der GroKo gilt steigen selbst bei mir Gedanken an die Wahl einer anderen Partei auf - wenn ich nur wüsste welche!

Zeit Geist1
01.10.2008 13:06

Den Wechsel hat sich eben der Onkel Hans gewünscht.
Der Molti war zu dem Werne immer soooo grauslich.

Ich weiß es auch
01.10.2008 08:41
weltidee

wie soll das funktionieren , wenn man immer wieder die legislaturperoide abbricht ( aus welchen gründen auch immer ) und dann 3 monate später wahlen sind?

In den angeführten USA wird der Präsident seit über 200 jahren im gleichmäßigen 4 jahres rytmus gewählt.

da sind dem autor wieder mal akademische theorie und gelebte praxis diamteral in die quere gekommen.

Thom Stern
 
01.10.2008 08:15
Auch Strache und Haider mussten sich keinem internen Wettbewerb stellen.

Es gibt hier keinen Wettbewerb. Es gibt Kartelle und Seilschaften.

Suffy
01.10.2008 10:02

In deren Parteien gilt ja das Führerprinzip.

wenn ich etwas sage dann ist das auch so
01.10.2008 08:04

oje, ist am Ende sogar die USA demokratischer als wir in Österreich????????? :-)

Sky7
01.10.2008 01:16
Ich bin zwar grundsätzlich auch für mehr Demokratie

Aber warum sollten in einer Partei nicht die Parteigremien den Obmann besetzen.

Ich finde es viel schlimmer und demokratiefeindlicher, dass die Abgeordneten dem Klubzwang unterworfen sind.

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