Noch 100 Jahre Ozonlöcher

30. September 2008, 19:15
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Das Ozonloch über dem Südpol ist wieder fast so groß wie im Rekordjahr 2006 - Nach jüngsten Berechnungen könnte sich die Schutzschicht erst bis 2100 vollständig erholen

Anfang Oktober erreicht das Ozonloch jedes Jahr über dem Südpol seine maximale Ausdehnung. Derzeit erstreckt sich das Ozonloch über etwa 27 Millionen Quadratkilometer. Es ist damit größer als Nordamerika und fast so groß wie im Rekordjahr 2006. In den nächsten Tagen werde es noch weiter aufreißen, stellt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) fest.

Die Ozonschicht in 15 bis 25 Kilometern Höhe hält schädliche UV-Strahlen der Sonne von der Erde ab. Die Herstellung und Verwendung so genannter Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe und anderer Substanzen, die der Ozonschicht schaden, wurde bereits im Montrealer Protokoll von 1987 verboten.

Der Klimawandel werde die Erholung der Ozonschicht aber vermutlich hinauszögern, erklärt die WMO. Sie rechnet nun damit, dass eine endgültige Erholung erst gegen Ende des Jahrhunderts zu erwarten sei. Noch bis mindestens 2075 würden Ozonlöcher auftreten, sagt WMO-Experte Geir Braathen.

Kälte fördert Ozonabbau

Treibhausgase, die der Mensch mit Autos, Heizungen und Fabriken in die Luft pustet, bewirken in höheren Luftschichten der Stratosphäre im Gegensatz zum Erdboden eine Abkühlung - und Kälte fördert den Ozonabbau. Ab einer Lufttemperatur von minus 78 Grad Celsius beginnt sich unter dem Einfluss der Frühlingssonne die Ozonschicht aufzulösen; auf der Südhalbkugel beginnt nun der Frühling.

Die Temperaturgrenze von minus 78 Grad sorgt dafür, dass Nord- und Südpol unterschiedlich stark vom Ozonverlust betroffen sind. Über der Antarktis ist es in jedem Winter deutlich kälter als minus 78 Grad, so dass sich jedes Frühjahr Stratosphärenwolken bilden. In der arktischen Stratosphäre hingegen sprechen Forscher nur von "Ozonverlust". Dort liegen die Wintertemperaturen normalerweise nahe am kritischen Wert.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Stratosphäre über der Arktis jedoch abgekühlt. Entsprechend häufiger traten Ozonverluste auf. Die Abkühlung der Region können Forscher noch nicht erklären, Treibhausgase seien dafür nur zum Teil verantwortlich.

Riskante Frühjahrssonne

An manchen Frühlingstagen gelangt auch Europa ins Risikogebiet, ungewöhnlich viel schädliche UV-Strahlung der Sonne dringt dann auch bis nach Österreich vor. Menschen, die die vermeintlich sanften Frühlingsstrahlen genießen, erleben eine Überraschung: Nach wenigen Minuten haben sie einen Sonnenbrand. "Alle paar Jahre" müsse mit mehreren derartigen Frühlingstagen gerechnet werden, sagt der deutsche Atmosphärenphysiker Michael Höpfner.

Gravierender sind die Auswirkungen des Ozonverlustes indes auf der Südhalbkugel. In Australien besteht ab sofort und die nächsten Wochen akute Sonnenbrandgefahr. (Axel Bojanowski/DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2008)

  • Das Ozonloch während seiner bislang größten Ausdehnung Ende Dezember 2006. Trotz FCKW-Stopps wird das Phänomen noch jahrzehntelang bemerkbar bleiben.
    foto: nasa

    Das Ozonloch während seiner bislang größten Ausdehnung Ende Dezember 2006. Trotz FCKW-Stopps wird das Phänomen noch jahrzehntelang bemerkbar bleiben.

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