"Leicht wie eine Faser"

30. September 2008, 20:10
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Elisabeth Ladstätter, Forschungschefin beim Flugzeugbauteil-Herstellers FACC, im STANDARD-Interview über sauberen Luftverkehr.

STANDARD: Mit welchen Aktivitäten will FACC Umweltziele erreichen?

Ladstätter: Wir legen bei der Bauteilentwicklung Wert darauf, Gewicht zu reduzieren. Wir setzen vor allem Faserverbundwerkstoff für unsere Bauteile ein. Mit dem Werkstoff allein ist es aber nicht getan. Da fängt die Arbeit im Prinzip erst richtig an: Für die Bauteile müssen neue Designkonzepte und integralere Bauweisen entwickelt werden, die mehr Funktionen vereinen. Es geht darum, bisher aus Metall gefertigte Bauteile im Flugzeug künftig durch solche aus Faserverbund zu ersetzen.

STANDARD: Wo liegt da die größte Herausforderung?

Ladstätter: Bisher war es so, dass die Konstruktion von Metallbauteile einfach für die Faserverbundbauteile übernommen wurde. Dieses Eins-zu-eins-Übernehmen der Konstruktionspläne wollen wir aber in jedem Fall vermeiden. Denn da verschenkt man die eigentlichen Vorteile des Faserverbundwerkstoffs. "Fasergerecht konstruieren" sind die Schlagworte. Das heißt, den Werkstoff nur dort einzusetzen, wo er auch wirklich Lasten übertragen muss. Man spart so Material und Volumen und somit wiederum Gewicht. FACC will auch Materialien mit verbesserten mechanische Eigenschaften einsetzen.

STANDARD: Wann gibt es solche Bauteile am Flugzeug?

Ladstätter: Wir sind ja nicht selbst der Flugzeugbauer, sondern Zulieferer. Die Materialien selbst müssen geprüft werden, dann noch mal jedes Bauteil einzeln. Da stecken große Testprogramme dahinter, deshalb dauert es in der Regel sehr lange, bis neue Bauteile wirklich zum Einsatz kommen. Die besten Chancen hat man bei neuen Flugzeugprogrammen, wie dem A380. Die hohen Zertifizierungsaufwände machen es fast unmöglich, an bereits zugelassenen Bauteilgruppen Änderungen vorzunehmen.

STANDARD: Ist das Teilziel, den Spritverbrauch auf zwei Liter pro 100 Passagierkilometer zu drücken, realistisch?

Ladstätter: Sehr realistisch. Der A380 fliegt schon mit weniger als drei Litern, da ist man schon nah dran. Besser als die Autos sind wir also schon heute. Außerdem nutzen wir die Möglichkeiten der Bauteile noch nicht in ausreichendem Maße. Da ist noch viel drin. (Denis Dilba/DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2008)

  • Zur PersonElisabeth Ladstätter (36) wurde in Lienz in Osttirol geboren. Nach ihrem Studium der Kunststofftechnik an der Montan-Uni Leoben forschte sie unter anderem an der Polymer Competence Center GmbH in Loeben. Derzeit ist sie Forschungsleiterin bei der FACC AG.
    foto: privat

    Zur Person
    Elisabeth Ladstätter (36) wurde in Lienz in Osttirol geboren. Nach ihrem Studium der Kunststofftechnik an der Montan-Uni Leoben forschte sie unter anderem an der Polymer Competence Center GmbH in Loeben. Derzeit ist sie Forschungsleiterin bei der FACC AG.

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