Hoffnung auf US-Rettungspaket sorgt für Kurs-Erholung

30. September 2008, 18:42
3 Postings

Die Börsianer hoffen weltweit weiterhin darauf, dass die US-Politik doch noch ein Rettungspaket zustande bringt. Die Kurse am Dienstag wieder nach oben

Die Hoffnung auf das Bankenrettungspaket der US-Regierung im Volumen von 700 Milliarden Dollar lassen sich die Börsianer auch nach dem zweiten Scheitern nicht nehmen: Nach dem tiefen Fall des Dow Jones um 700 Punkte in der Nacht auf Dienstag hat die Wall Street zwölf Stunden später wieder fester tendiert. Bis 17 Uhr (MESZ) stieg der Dow Jones am Dienstag um 2,19 Prozent auf 10.592,28 Zähler. Der S&P-500 legte um 2,69 Prozent auf 1136,18 Zähler zu und die Technologiebörse Nasdaq um 2,18 Prozent auf 2026,96.

Anlass zur Hoffnung: Ein verbesserter Plan soll rasch kommen und die dringend nötige Hilfe für die in Not geratenen Banken bringen. Angeblich wird im Weißen Haus bereits an einem weiteren Gesetzentwurf gearbeitet. Präsident George W. Bush kündigte weitere Initiativen an, führende Republikaner und Demokraten im Kongress signalisierten ihre Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen.

Wie dem Rettungspaket ist auch den Finanzwerten die Aufmerksamkeit der Börsianer sicher: Citigroup erholten sich um 7,83 Prozent auf 19,13 Dollar, Merrill Lynch um 4,95 Prozent auf 23,09 Dollar und Bank of America um 6,21 Prozent auf 32,13 Dollar.

Dass es außer der Finanzkrise noch etwas anderes gibt, bewiesen die Aktien von Pfizer. Der US-Pharmakonzern will sich laut Zeitungsbericht aus der Entwicklung von Herzmedikamenten zurückziehen. Pfizer-Papiere befestigten sich um 1,7 Prozent auf 17,96 Dollar.

Frankfurt im Plus

Der Dax in Frankfurt hat am späten Dienstagnachmittag ins Plus gedreht und zeitweise 0,1 Prozent höher bei 5811 Punkten notiert. Am Morgen hatte der Leitindex noch mehr als zwei Prozent auf 5658 Punkte verloren, den tiefsten Stand seit August 2006. Händler wiesen zur Begründung der Erholung auf Kursgewinne an der Wall Street hin.

Auch die Wiener Börse hatte die Vormittagsverluste wieder aufgeholt: Es zeigten einige der zuvor heftig abgestraften Aktien deutliche Erholungstendenzen. So verbuchte Voestalpine knapp vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe ein Kursplus von 7,3 Prozent auf 21,57. Gesucht waren auch Verbund, die 6,7 Prozent auf 43,33 zulegten.

Die Banken gehörten jedoch weiterhin zu den Verlierern. So verloren RI 4,5 Prozent und Erste Bank 1,6 Prozent. Größter Verlierer war SBO mit einem Minus von 9,3 Prozent. Der ATX stellte sich um 17 Uhr auf 2791,07 Punkte (plus 1,26 Prozent).

Ölpreis steigt

Eine rasante Aufholjagd hat nach seinem Hänger der Ölpreis hingelegt. Mit zeitweise 100,02 Dollar kostete das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI am Nachmittag 3,8 Prozent mehr als am Vorabend. Ein US-Rettungspaket würde die Konjunkturängste, die zuvor den Preis bis auf 93,36 Dollar gedrückt hatten, wieder etwas lindern, sagten Händler. Das Fass Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um bis zu vier Prozent auf 97,80 Dollar. Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) gab um 3,81 Dollar (2,66 Euro) auf 94,09 Dollar nach. Die Opec berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten fordern immer mehr Politiker und Experten von der Europäischen Zentralbank eine baldige Zinssenkung. Die Notenbank hat bisher aber keine Signale gegeben, auf der Sitzung an diesem Donnerstag eine geldpolitische Wende zu vollziehen. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass der Leitzins für die 15 Euro-Länder am Donnerstag unverändert bei 4,25 Prozent bleibt.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet könnte aber eine Senkung für die nächsten Monate in Aussicht stellen. (Reuters, APA, red, DER STANDARD, Printausgabe)

Share if you care.