Zwischen Alpenglühen und Halle

30. September 2008, 17:34
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Vom Indoor-Schwungtraining und von Europa­cup-Slaloms, die keine Berge mehr brauchen

Patscherkofel - Der Präsident hatte geladen. Schließlich ist es keine vier Wochen hin zu den ersten Ski-Weltcuprennen, die traditionell auf dem Rettenbachferner ob Sölden aufgeführt werden. Damen und Herren geben jeweils einen Riesenslalom (25. und 26. Oktober). Peter Schröcksnadel, Präsident des österreichischen Skiverbandes (ÖSV), nennt praktischerweise einen Berg sein eigen, genauer gesagt besitzt er die schneesportspezifische Infrastruktur, also lud er seine Sportdirektoren und Cheftrainer und andere Schneesportfreunde am Fuße des Patscherkofels in die Gondel und bei der Bergstation wieder aus. Praktischerweise hat Schröcksnadel dort ein Restaurant und das Restaurant große Fenster, und als er seine Gedanken urweit vorauswarf, davon sprach, dass die alpine Ski-WM 2013 in Schladming die beste der Geschichte werden wird, malte die untergehende Sonne die gegenüberliegenden Gipfel rot an. Schön anzusehen. "Zehn Millionen Euro habe ich in den Berg investiert" , sagte Schröcksnadel.

Später, als es vorbei war mit dem Alpenglühen, die Sonne schon schlief, plauderte man mit Hans Pum, dem Alpindirektor im ÖSV, übers Wesentliche, also übers Skifahren. Und als die Rede auf die intensive Vorbereitung der Rennfahrerinnen und Rennfahrer kam, sagte Pum: "Sehr wichtig ist das Training in der Halle." Also fuhren sie nicht nur nach Neuseeland oder Südamerika oder auf die heimischen Gletscher, sondern auch in die Lüneburger Heide. Dort haben die Söldener Bergbahnen vor zwei Jahren eine moderne Skihalle hingestellt, auf dass sich Leute aus Hamburg und Umgebung Gusto auf Tirols echte Berge holen.

Tirol in der Heide

Im Snow Dome Bispingen gibt es einen Sechsersessellift, einen Schlepplift, Après-Ski-Hütten in Tiroler Alpen-Architektur aus echtem österreichischen Altholz, natürlich auch die Ötztaler Stube, zwei Pistenraupen, 13 Schneekanonen. Also alles wie in echt. Nur dass auf der 300 Meter langen Piste (37 m Höhendifferenz), die ein Gefälle zwischen neun und 20 Prozent aufweist, an 365 Tagen im Jahr 30 bis 40 Zentimeter Schnee liegen. Für die Rennsportler wird die Strecke mit dem Sprühbalken präpariert. Wie in echt. Pum: "Um am Schwung zu arbeiten, ist das ideal. Die Bedingungen sind immer gleich." Einzig der echt schnelle Schwung geht halt nicht. Vor allem für Nachwuchsläufer seien die Hallen, von denen in Europa immer mehr entstehen, wichtig. "Die können ja nicht nach Übersee fliegen, und viele Gletscherskigebiete werden im Sommer richtigerweise zugesperrt, um die Gletscher zu schonen." Heuer im November gibt es im Europacup Hallen-Slaloms in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich.
Pum: "Ich bin überzeugt, dass wir auch in Österreich bald eine Skihalle haben werden." (Benno Zelsacher - DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.10. 2008)

 

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