Über 70 Prozent für EU-Beitritt

30. September 2008, 17:26
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Spaltung des nationalistischen Lagers zeigt Wirkung

Belgrad - Die EU-Begeisterung der Serben nimmt zu. Erstmals würden bei einem Referendum mehr als 70 Prozent der Bürger des Balkanlandes für einen EU-Beitritt Serbiens stimmen, ergab eine vorige Woche durchgeführte Umfrage der Belgrader Meinungsforschungsagentur Strategic Marketing. Nach Angaben ihres Leiters Srdjan Bogosavljevic nahm die Zustimmung vor allem unter Anhängern der nationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) zu. 50 Prozent der SRS-Anhänger - gegenüber rund 20 Prozent bei früheren Umfragen - seien für einen EU-Beitritt Serbiens.

Einer der Gründe für die sprunghafte Veränderung sei die jüngst erfolgte Spaltung des nationalistischen Lagers in Serbien, sagte Bogosavljevic. Der frühere amtierende Parteichef Tomislav Nikolic ist auf einen europafreundlichen Kurs eingeschwenkt, weswegen er von SRS-Chef Vojislav Seselj abserviert wurde. Jeweils ein Drittel der bisherigen SRS-Anhänger unterstützt Nikolic und Seselj, um das restliche Drittel führen die beiden einen unbarmherzigen Kampf.

Nikolic hatte für 21. Oktober die Gründung einer neuen rechtsgerichteten Partei, der Serbischen Fortschrittlichen Partei (SNS), angekündigt. Die SRS war vor dem Zerfall von rund 33 Prozent der Bürger Serbiens unterstützt worden und war mit 78 Abgeordneten die größte Parlamentsfraktion. 19 Abgeordnete haben sich inzwischen auf die Seite Nikolic' geschlagen.

Anfang Juli wurde der EU-Beitritt Serbiens noch von 67 Prozent der Bürger unterstützt. Die Meinungsforscher hatten eigentlich einen leichten Rückgang erwartet, nachdem die Europäische Union vor zwei Wochen Belgrad nicht die erhofften Handelserleichterungen gewährt hatte. Der größte Widerstand dagegen war von den Niederlanden gekommen. Sie fordern die Festnahme und Auslieferung der beiden noch flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher, dem einstigen Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, und dem ehemaligen Chef der kroatischen Serben, Goran Hadzic. (APA)

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