Warum Notenbanken Milliarden in den Markt pumpen

30. September 2008, 17:26
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Die Finanzkrise hat Europa erfasst - mehrere Banken mussten bereits aufgefangen werden. Die Notenbanken pumpen Geld in den Markt, um das System zu stützen

Frage: Woran krankt die Kreditvergabe zwischen den Banken?

Antwort: Am Interbankenmarkt werden kurzfristige Gelder zwischen Kreditinstituten gehandelt. Da die Finanzkrise das Vertrauen unter den Banken stark gestört hat - jeder hat Angst, dass er sein kurzfristig verborgtes Geld nicht wiederbekommt -, leihen die Banken einander kein Geld mehr. Zum Aufrechterhalten der alltäglichen Bankgeschäfte müssen die Notenbanken daher immer wieder massiv Geld in den Markt pumpen. In Bankenkreisen gilt die Lehman-Pleite als jenes Ereignis, das zeige, dass man niemanden mehr vertrauen könne.

Frage: Die Rettung der deutschen Hypo Real Estate hat auch den Markt für Pfandbriefe gerettet. Müssen sich Anleger sorgen?

Antwort: Pfandbriefe sind Bankanleihen, die mit Immobilien- oder Staatskrediten besichert sind, sie zählen zu den Refinanzierungsmitteln, die noch am günstigsten sind. In Deutschland war der Markt für Pfandbriefe 2007 rund 890 Mrd. Euro schwer. 94 Mrd. davon hat Hypo Real Estate (HRE) begeben. Ein Zusammenbruch hätte schlimme Folgen gehabt, Pfandbriefe hätten wohl keine Abnehmer mehr gefunden. In Österreich hat der Markt für Pfandbriefe derzeit ein Volumen von rund 20 Mrd. Euro.

Frage: Warum kollabieren immer mehr Banken?

Antwort: Die Banken sitzen auf einem giftigen Cocktail. Viele Institute kämpfen mit den Verlusten aus den mittlerweile wertlos gewordenen Hypothekenpapieren. Hinzu kommen Verluste durch die Lehman-Pleite. Bank-Aktien sind in den vergangenen Wochen massiv abgestürzt. Auch daraus entstehen Verluste. Zudem wird die Refinanzierung aus den genannten Gründen immer schwieriger. Das hat etwa die Hypo Real Estate ins Wanken gebracht: Sie vergab langfristige Kredite und finanzierte diese kurzfristig. Doch am Geldmarkt waren plötzlich keine Mittel mehr zu bekommen.

Frage: Haben alle Banken Zugriff auf das Geld, mit dem die Notenbanken die Märkte unterstützen?

Antwort: In Österreich haben jene Banken, die Spareinlagen annehmen und daher mindestreservepflichtig sind, die Möglichkeit, Gelder der Europäischen Zentralbank zu bekommen. Meist bieten aber die Großbanken um eine Zuteilung - sie verteilen das Geld innerhalb des Sektors weiter.

Frage: Werden Österreichs Banken die Krise ohne großen Schaden überstehen?

Antwort: Seriöserweise kann das derzeit niemand sagen. Bis dato wurden Abschreibungen von rund zwei Mrd. Euro veröffentlicht. Hinzu könnten rund 600 Mio. Euro aus der Lehman-Pleite kommen. Die Institute sind unterschiedlich gut gewappnet. Bei kleineren Geldhäusern kann ein Flop oder eine wackelnde Refinanzierung schwere Folgen haben, bei den Großen wie Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen stellt sich die Frage, ob das massive Osteuropa-Engagement, das satte Gewinne brachte, im Fall eines Konjunktureinbruchs geschultert werden kann. (bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2008)

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