Thomas Pöck und der Paternoster

30. September 2008, 17:23
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Nach dem Wechsel zu den Islanders hat der Österreicher seine Chancen auf Einsätze ge­mehrt. Auf seine Zeit bei den Rangers blickt er mehr oder weniger happy zurück

New York - Dienstag, 23. März 2004. Madison Square Garden. Ein Schuss, eine Sirene. Thomas Pöcks erstes NHL-Tor. In seinem ersten NHL-Spiel. Zu Mittag lungerte er noch auf dem Campus der University of Massachusetts-Amherst herum, für die er in der College League spielte. Da kam der Anruf. Stunden später war er in New York, er unterschrieb einen Zweijahresvertrag, stand (lief) 14:25 Minuten auf dem Eis. Und 17.900 Fans sahen zu, wie er in der 54. Minute zum 2:5-Endstand gegen die Pittsburgh Penguins traf.
Es hat sich nicht schlecht angelassen für Pöck, den sie "Pock" schreiben und nennen. 23 Jahre war er alt, als sich sein Traum von der NHL erfüllte. Die Rangers, quasi das Real Madrid im Eishockey, rannten dem Erfolg hinterher, hatten keine Chance aufs Playoff. Pöck traf in seiner fünften Partie ein weiteres Mal, es war jenes Match, in dem Mark Messier das letzte seiner 694 NHL-Goals fixierte.

An diese Spiele mit Rangers-Legende Messier denkt Pöck nicht mehr allzu oft. Eher denkt er daran, dass ihm die Rangers, mit Ausnahme der Saison 2006/07, in der er 44-mal spielte, kein Fixleiberl gaben. Dass er wie im Paternoster von der NHL zum Farm Team (Hartford) in die AHL und wieder zurückwechselte. Ein ewiges Hin und Her, Rauf und Runter. "Es hat nicht so geklappt" , sagt er, "aber es gab viele schöne Erfahrungen, das nimmt mir keiner mehr weg."

Auch heuer spielte Pöck in der Vorbereitung dreimal stark, auch heuer landete er wieder in Hartford, ohne dass er sich die Entscheidung der Trainer und Manager erklären konnte. Die Hoffnung, mit den Rangers zum NHL-Europa-Auftakt am Wochenende nach Prag zu reisen, wurde schon enttäuscht, als sich am letzten Tag der Transferzeit die Islanders meldeten und in Pöcks Vertrag mit den Rangers einstiegen. Die Konditionen sind also dieselben wie im vergangenen Jahr, und Pöck kassiert knapp 700.000 US-Dollar, egal ob er für die Islanders oder für deren neues Farm Team in Bridgeport, Connecticut, spielt. Pöck geht davon aus, dass seine NHL-Chance gestiegen ist. "Sonst hätten mich die Islanders nicht verpflichtet."
Heimstätte der New York Islanders, die in den 80ern viermal en suite den Stanley Cup holten, ist das Nassau Veterans Memorial Coliseum. Von Manhattan fährt man schon ein Zeiterl hinaus nach Long Island, vom JFK ist's noch eine halbe Autostunde bis zur Halle. Pöck kennt das Coliseum, die Rangers und die Islanders pflegen in derselben Division zu spielen, auch heuer. Gut möglich, dass es der Verteidiger mit ehemaligen Kollegen zu tun bekommt. Daran denkt er noch nicht. "Ich muss mich zunächst im Trainingscamp beweisen."

Vanek, die einzige Bank

Den Paternoster gibt es nicht nur in New York, sondern überall in der NHL. Das stellte zuletzt Pöcks Kärntner Landsmann Michael Grabner (22) fest, der von den Vancouver Canucks zum Farmteam Manitoba geschickt wurde. Der Wiener Andreas Nödl (21) hält sich noch im Angriff der Philadelphia Flyers. Österreichs einzige NHL-Bank ist Buffalo-Star Thomas Vanek. Pöck wird bald wissen, wohin die Reise geht. Derzeit steht nur das Datum des NHL-Auftakts der Islanders fest: Freitag, 10. Oktober 2008. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.10. 2008)

 

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    Thomas Pöck (26) kann vorerst weiter in New York seine Runden drehen, auf dem Eis und in Manhattan. Der Verteidiger will bei den Islanders Fuß fassen und NHL-Einsätze sammeln.

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