Drei Seiten der jazzigen Spiellust

30. September 2008, 17:14
posten

Das ambitionierte"Profile" - Jazzfestival

Dornbirn - Die Live-Musik boomt, dem Umbruch im CD-Markt zum Trotz. Auch im Jazzbereich wurde in Österreich zuletzt das Veranstalternetz engmaschiger geknüpft - so weit, dass man mit einem Konzept zur vertiefenden Betrachtung angenehm herausstechen kann. Selbiges passiert seit 2004 beim zweitägigen "Profile" -Jazzfestival im Spielboden Dornbirn: Je einem internationalen und einem heimischen Musiker wird die Gelegenheit gegeben, sich in drei Projekten zu präsentieren.

2008 konnte Kurator Peter Füssl dem Gitarristen Elliott Sharp und dem Bassisten Peter Herbert dafür je 7500 Euro (inklusive Spesen) zur Verfügung stellen. Nicht viel Geld, gewiss, aber genug, wenn alle mitspielen. Im Falle Sharps spielte Sharp selbst nicht wirklich mit. Er begnügte sich damit, zwei Projekte aus seiner aktuell tourenden, nach wie vor hinreißend Blues und Noise amalgamierenden Band Terraplane auszukoppeln. Und so seine frei improvisierten Energien im Trio Bootstrappers über aufgeklärte Funk- und Rock-Pattern sowie im Projekt Solo Tectonics - als dilettierender Sopransaxofonist - über Samples und Computer-Grooves zu legen. Für einen an sich substanzvollen Musiker, der kürzlich ein Thelonious-Monk-Projekt veröffentlicht hat, war das doch etwas wenig.

Ein echtes Porträt hatte hingegen Peter Herbert auf die Beine gestellt; er präsentierte tatsächlich drei Gesichter: Herbert, der Komponist, der sich mit dem Koehne-Quartett als expressiver Geschichtenerzähler gab. Herbert, den Sideman, der auch in Gefilden klassischer arabischer Musik firm ist, vernahm man im Dialog mit dem libanesischen Oud-Meister Marcel Khalife.

Und schließlich Peter Herbert, der Bandleader, der Spiellust und kluge Dramaturgie zu verbinden weiß - er stellte sich anlässlich der Premiere seiner Band Scruffy Herbert vor: Hier prunkte der Bassist auch als Solist, der farbenreiche Saiten- und perkussive Corpusklänge organisch zu logischen Gedankeneinheiten verschmolz: das finale Highlight eines spannenden Festivals. (Andreas Felber, DER STANDARD/Printausgabe, 01.10.2008)

Share if you care.