Neugebauer: "Da werden nicht kleinlich Erbsen gezählt"

30. September 2008, 17:03
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Fritz Neugebauer, der Obmann des ÖAAB, streut dem neuen Parteichef Josef Pröll Rosen: Er sei genau der richtige Typ, das soziale Profil zu schärfen, sagte er im STANDARD-Interview

STANDARD: Was erwartet sich der ÖAAB vom neuen ÖVP-Obmann Josef Pröll?

Neugebauer: Er wird einen neuen Schwung hineinbringen. Gleichzeitig ist Sepp Pröll einer, der über die Landwirtschaftskammer gekommen ist und der daher in der Sozialpartnerschaft gehärtet ist. Das ist für mich als Arbeitnehmervertreter ein ganz wichtiges Asset.

STANDARD:  Der ÖVP wurde zuletzt oft soziale Kälte vor geworfen. Hilft ein Bauernbündler an der Spitze, das soziale Profil zu schärfen?

Neugebauer: (lacht) Ich bin doch selbst auch Mitglied in Wiener Bauernbund! Weil ich einen guten Winzer kenne - solang der guten Wein macht, bin ich auch Mitglied des Bauernbundes. Aber im Ernst: Pröll ist ein moderner Familienmensch, er repräsentiert genau den Typ, der sagt, was läuft. Das ist eine neue Politikerpersönlichkeit, die unverbraucht ist. Und er hat schon bisher immer darauf geschaut: Wie geht es den Menschen?

STANDARD: Muss sich die ÖVP inhaltlich anders aufstellen?

Neugebauer: Das Wertegerüst werden wir nicht verändern. Das, was uns an Grundlagen der Solidarität, Subsidiarität und Personalität mitgegeben ist, wird sich nicht ändern. Da kann es keine Beliebigkeit in der Diskussion geben - und diese christlichsozialen Werte lebt Pröll ja auch: Er ist 40 Jahre jung, lebt aber vor, dass Nachhaltigkeit ein Wert der Generationenverantwortung ist, der weit über populistische Ansagen hin_ausgeht.

STANDARD: In einer bündisch strukturierten Partei kommt es auch auf das Personal um den Obmann an. Verlangt der ÖAAB da bestimmte Posten wie den des Generalsekretärs oder des Klubobmanns?

Neugebauer: Eine gewisse Ausgewogenheit ist in einer Volks-Partei natürlich eine conditio sine qua non. Aber da werden nicht kleinlich Erbsen gezählt. Bringen wir die besten Leute hin, um für das Gesamte etwas zu erreichen.

STANDARD: Wie soll es denn mit der ÖVP grundsätzlich weitergehen? Viele reden schon von einer „Regeneration in der Opposition". Was halten denn Sie für das Gescheiteste?

Neugebauer: Ich orte derzeit etwa ein Drittel, das sagt: Opposition. Ein Drittel meint: Gehen wir mit den Sozialdemokraten. Und ein weiteres Drittel sagt: Man sollte die bürgerliche Mehrheit nützen. Aber ich glaube: Jetzt sind nicht wir am Zug. Die Verantwortung wird vom Bundespräsidenten an den SPÖ-Vorsitzenden übertragen, jetzt einmal seine Perspektiven vorzustellen.
Wir werden auf dem außerordentlichen Bundesparteitag im November wohl genau zur richtigen Zeit beurteilen können, wie sich die Volkspartei verhält. Seien Sie sicher: Es wird zum Nutzen der Heimat sein. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 1. Oktober 2008)

 

  • Arbeitnehmer-Obmann Fritz Neugebauer sieht die Entscheidung über die Zukunft auf dem Parteitag.
    foto: standard/urban

    Arbeitnehmer-Obmann Fritz Neugebauer sieht die Entscheidung über die Zukunft auf dem Parteitag.

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