Leitl: "Die ÖVP wird sicher keine One-Man-Show"

30. September 2008, 16:54
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Wirtschaftsbund-Chef Christoph Leitl, seit jeher Großkoalitionär, sagt, es sei "Sache des Josef Pröll", ob bei Koalitionsgesprächen Wolfgang Schüssel am Tisch sitzen darf - Ein STANDARD-Interview

STANDARD: Zufrieden mit der raschen schwarzen Hofübergabe - oder gab's dabei langwierige Erbschaftsstreiteren?

Leitl: Ich bin zufrieden. Es gab eine kurze, intensive Diskussion im Vorstand. Aber Wilhelm Molterer hat selbst erkannt, dass jetzt die richtige Zeit für einen Wechsel ist. Eine quälende Debatte hätte uns in dieser Situation auch nicht gutgetan.

STANDARD: Josef Pröll hat nun freie Hand bei Koalitionsverhandlungen. Welche Erwartungen haben Sie da als überzeugter Großkoalitionär?

Leitl: Dass jeder seine Präferenzen hat, ist klar. Aber auch in der Wirtschaft ist es so, dass man sich - bevor man sich auf ein G'schäft einlässt - die Angebote studiert. Daher wird Pröll mit einem Verhandlungsteam alle Varianten überlegen und dann dem Vorstand seine Empfehlung abgeben.

STANDARD: Aber die ÖVP_erwägt immer noch, mit FPÖ und BZÖ einen Staat zu machen?

Leitl: Ich sage nichts, was Pröll in seiner Handlungsfähigkeit einschränkt - und verlasse mich darauf, dass er alle Aspekte berücksichtigt.

STANDARD: Apropos Verhandlungsteam: Soll das Duo _Molterer/Schüssel bei Koalitionsgesprächen mit am Tisch sitzen?

Leitl: Das zu entscheiden, ist Sache des Josef Pröll.

STANDARD: In Ihrer Partei ist jetzt auch der Posten des Generalsekretärs vakant ...

Leitl: Besetzungsvorschläge stehen mir nicht zu, aber wir haben exzellente Leute, die bisher im Parlament und in den Interessenvertretungen gearbeitet haben. Darauf bin ich besonders stolz: Dass die ÖVP mit Josef Pröll sicher keine One-Man-Show wird.

STANDARD: Warum ist Wolfgang Schüssel nicht gleich mit Molterer gegangen?

Leitl: Schüssel hat im Vorstand ja schon seinen Rücktritt angeboten.

STANDARD: Tatsächlich? Warum ist sein Angebot nicht gleich angenommen worden?

Leitl: Schüssel hat gesagt, er wolle nicht im Wege stehen und hat seine Funktion als Klubobmann zur Verfügung gestellt. Daher warte er nun auf Vorschläge des neuen Obmannes. Aber das wurde dann nicht weiter diskutiert, sondern ist nur zur Kenntnis genommen worden.

STANDARD: Was möchte der Wirtschaftsbund vom neuen Chef?

Leitl: Eine Steuerreform 2010, die Stärkung des Wirtschaftsstandortes bei der internationalen Finanzkrise, die auf uns zukommt ...

STANDARD: Doch was kann ein Obmann der Finanzkrise entgegensetzen, wenn er auf der Oppositionsbank sitzt?

Leitl: Das ist bei der Abwägung zwischen Regierung und Opposition sicher mit zu berücksichtigen. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD-Printausgabe, 1. Oktober 2008)

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    foto: standard/hendrich

    Wirtschaftsbündler Leitl ist zufrieden mit dem neuen Chef: "Eine quälende Debatte hätte uns nicht gutgetan."

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