Hedgefonds ins Mark getroffen

30. September 2008, 16:18
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Massiver Vertrauensverlust bei Anlegern - Besonders Fonds in asiatischen Schwellenländern betroffen

Hongkong - Die massive Vertrauenskrise der Anleger weltweit trifft in zunehmendem Maße auch die Hedgefonds. Viele Manager dieser hoch spekulativen Fonds stellen sich zum Quartalsende auf den Abfluss von Milliardensummen ein und horten ungewöhnlich hohe Barmittel, wie Branchenkenner am Dienstag sagten. Einige müssten zusätzlich auch Vermögenswerte unter Wert verkaufen, um die Gelder an die Investoren auszahlen zu können.

Gründe für das Misstrauen sind die massiven Verluste vieler Fonds und der generelle Trend in der Finanzkrise zu sicheren Anlageformen. Die Folge: Immer mehr Hedgefonds verschwinden komplett vom Markt. "Ein Großteil der Fonds wird am Ende der Krise nicht mehr da sein", sagte ein Investmentbanker.

"Wir rechnen mit erheblichen Auszahlungsforderungen unserer Investoren bei der nächsten Gelegenheit", erklärte der in der Schweiz ansässige Hedgefonds-Manager Absolute Capital, der im ersten Halbjahr rote Zahlen schrieb. Anleger können üblicherweise am Ende eines Monats oder Quartals Gelder von Hedgefonds abziehen. Um dadurch nicht noch weiter unter Druck zu geraten und liquide zu sein, reduzieren viele Manager derzeit ihre hohen Kreditbestände. Einige Fonds hielten mittlerweile bis zu 70 Prozent ihres Anlagevermögens in Cash, sagte ein Banker in Hongkong. Wie viel der insgesamt 1,9 Billionen Dollar, die in Hedgefonds angelegt sind, voraussichtlich Ende September abgezogen würden, könne derzeit nicht abgeschätzt werden.

Größere Risiken in Schwellenländern

Besonders hart getroffen werden die Hedgefonds in asiatischen Schwellenländern, da hier die Risiken noch ungleich größer sind. "Europäische und japanische Investoren ziehen in schwierigen Zeiten ihr Geld immer als Erstes aus der Peripherie ab", sagte Jim Walker vom Wirtschaftsberater Asianomics. Hedgefonds-Indizes für Asien ohne Japan haben in den acht Monaten bis Ende August nach Daten des Branchendienstes HFR mehr als 20 Prozent an Wert eingebüßt. In einigen asiatischen Ländern verbuchten Fonds im September nochmals Verluste von bis zu 15 Prozent und damit deutlich mehr als in Europa oder den USA.

Hedgefonds verfolgen eine sehr riskante Anlagestrategie. Sie setzen hohe Kredite ein, um die Rendite zu steigern. Viele Banken schrecken derzeit aber davor zurück, den Fonds Geld zu geben. Nach HFR-Angaben mussten daher im ersten Halbjahr 350 Fonds ihre Pforten schließen - das sind 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. (APA/Reuters)

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