Wifo: Teuerung in Österreich großteils importiert

30. September 2008, 13:47
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Der allgemeine Preisanstieg in Österreich wurde in den vergangenen Jahren überwiegend von internationalen Faktoren verursacht

Wien - Der allgemeine Preisanstieg in Österreich wurde in den vergangenen Jahren überwiegend von internationalen Faktoren verursacht. Es gebe auch eine Österreich-spezifische Komponente der Inflation, die jedoch im untersuchten Zeitraum 2002 bis August 2008 insgesamt inflationsdämpfend gewirkt habe, geht aus einer aktuellen Untersuchung des Wifo hervor. Lediglich in den ersten Monaten des Jahres 2005 und den letzten Monaten des Jahres 2007 habe die landesspezifische Komponente den Preisauftrieb beschleunigt.

Nach Produktgruppen betrachtet verlief der Preisauftrieb in Österreich sehr heterogen. Eine ausgeprägte länderspezifische Inflationskomponente wiesen in Österreich Ende 2007 und Anfang 2008 zehn Gütergruppen aus den Bereichen Nahrungsmittel, Wohnen, Energie, Gesundheit und Verkehr auf. Mit Ausnahme der Pharmaprodukte und Kraftstoffe ging dieser besondere Österreich-Effekt jedoch im Laufe des Jahres 2008 wieder zurück.

Brot und Getreideerzeugnisse waren 2007 in Österreich innerhalb des Euro-Raumes am zweitteuersten, und die Preise stiegen 2007 und 2008 überdurchschnittlich (Inflationsrate 1. Halbjahr 2008 etwa 10 Prozent). Die nationale Komponente betrug im Jänner 2008 +1,6 Prozentpunkte und verringerte sich bis August auf +0,8 Prozentpunkte.

Der länderspezifische Inflationsbeitrag für Milch, Käse und Eier betrug im Jahr 2007 +4,4 Prozentpunkte und machte damit mehr als die Hälfte des überdurchschnittlichen Preisanstiegs in dieser Produktgruppe aus. Im Laufe des Jahres 2008 nahm er schrittweise ab.

Auch die Preise von Ölen und Fetten stiegen 2007 vor allem auf Grund der Österreich-Komponente, nachdem diese in der Periode 2002 bis 2006 inflationsdämpfend gewirkt hatte. Im 1. Halbjahr 2008 verringerte sie sich wieder deutlich.

Ebenso verteuerten sich Mineralwasser, Limonade und Saft 2006 und 2007 überwiegend aufgrund der inländischen Komponente. Da der heimische Inflationsbeitrag im Laufe des Jahres 2008 sank, liegt die Inflationsrate seit Juni 2008 unter dem geschätzten Inflationstrend des Euro-Raumes.

Inländische Komponente

Seit Anfang 2005 trägt die inländische Komponente zunehmend zum Preisauftrieb der Erzeugnisse für die Wohnungsinstandhaltung bei. Im Durchschnitt der Jahre 2006 und 2007 waren gut 40 Prozent der Inflation darauf zurückzuführen. Im Laufe des Jahres 2008 verringerte sich diese Komponente, und die Inflationsrate ging zurück.

Wasserversorgung und sonstige Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Wohnung verteuerten sich seit dem IV. Quartal 2004 in Österreich deutlich stärker als im Durchschnitt des Euro-Raumes. Seit Mitte 2007 liegt der Preisanstieg aber unter dem "underlying inflation trend" des Euro-Raums.

Der Strompreis erhöhte sich in den Jahren 2002 bis 2006 meist unterdurchschnittlich. 2007 wurde die heimische Komponente vom Inflationsdämpfer zum Inflationstreiber, die Inflationsrate lag um knapp 4 Prozentpunkte über dem Inflationstrend des Euro-Raumes. 2008 ließ der Preisauftrieb deutlich nach, und die Inflationsrate liegt nun deutlich unter dem geschätzten Inflationstrend im Euro-Raum.

Bewirkte die heimische Komponente in den Jahren 2005 und 2006, dass der Gaspreis in Österreich im Vergleich zum Euro-Raum weit unterdurchschnittlich anzog, so wirkt sie seit Anfang 2007 inflationserhöhend. Im Jahresdurchschnitt 2007 gingen zwei Drittel des Preisauftriebs auf die heimische Inflationskomponente zurück. Im 1. Halbjahr 2008 waren die Verbraucherpreise in dieser Produktgruppe in Österreich geringfügig niedriger als vor einem Jahr, während sie im Durchschnitt des Euro-Raumes markant stiegen.

Für pharmazeutische Erzeugnisse ergab sich seit April 2005 eine ausgeprägte länderspezifische Komponente, auf die beinahe der gesamte Preisauftrieb zurückzuführen ist. Sie überstieg die internationale Komponente im Jahr 2007 um 3 und in der ersten Jahreshälfte 2008 um 2,4 Prozentpunkte.

In der Gruppe der Kraft- und Schmierstoffe entsprachen die Preissteigerungen bis Mitte 2007 der "underlying inflation" des Euro-Raumes. Im Jahresdurchschnitt 2007 betrug die österreichspezifische Komponente -0,5 Prozentpunkte. Im IV. Quartal 2007 änderte sich dieses Bild markant: Im Dezember 2007 betrug die länderspezifische Komponente +8,1 Prozentpunkte und stieg bis zum Juni 2008 auf +12,6 Prozentpunkte - den höchsten Wert im Untersuchungszeitraum. Durch den Wegfall des Basiseffekts der Mineralölsteuererhöhung vom Juli 2007 verringerte sich die österreichspezifische Komponente im Juli 2008 auf +5,9 Prozentpunkte. Bereinigt um die Wirkung der Mineralölsteuererhöhung (+5 bis +6 Prozentpunkte) war der Auftrieb der Kraftstoffpreise in Österreich seit Dezember 2007 um 3 bis 6 Prozentpunkte höher als der "underlying inflation trend" des Euro-Raumes. Die länderspezifische Komponente hat sich damit gegenüber der Periode 2002 bis 2007 markant erhöht. (APA)

 

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