Obama und McCain bei Details zur Forschung uneins

30. September 2008, 13:42
posten

Präsidentschafts- Kandidaten für mehr Geld für Forschung und bessere Bildung - Unterschiedliche Ziele bei Klima, Atomkraft und Stammzellforschung

Wien - Auch wenn Wissenschaft und Forschung im derzeitigen US-Präsidentschaftswahlkampf eine untergeordnete Rolle spielt, so liegt das Thema den zwei Spitzenkandidaten der Republikaner und Demokraten, John McCain und Barack Obama, nach eigenen Aussagen am Herzen. Um Amerikas führende Rolle in diesem Bereich zu sichern, fallen in beiden Lagern bekannte Schlagwörter wie Budgeterhöhungen, etwa für Grundlagenforschung und führende US-Forschungsagenturen wie die National Institutes of Health (NIH), sowie verbesserte Bildung. Die Unterschiede treten bei Reizthemen wie Atomkraft, Klimawandel und Stammzellforschung zutage.

Der Sieger der Präsidentschaftswahl wird laut der Fachzeitschrift "Nature" immerhin "die einflussreichste Forschungsagenda der Welt" mitgestalten. Daher stellte das britische Fachblatt auch im Rahmen seines "US-Wahlspezials" die Forschungsschwerpunkte der beiden Kandidaten gegenüber. Position bezogen die zwei Spitzenkandidaten auch nach Aufruf durch die Initiative "Science Debate 2008".

Bei der Energiegewinnung setzten beide Lager auf die Atomkraft, wie aus der "Nature"-Gegenüberstellung hervorgeht. Doch während für Obama zunächst zu überlegen ist, wie nuklearer Abfall sicher und auch langfristig gelagert werden kann, steht für McCain der Ausbau der Energiegewinnung - 45 neue Atomkraftwerke bis 2030 - im Vordergrund, um dem steigenden Energieverbrauch sowie dem Ausstoß von Treibhausgasen zu begegnen.

Maßnahmen gegen Klimawandel

Offensiver als der amtierende US-Präsidenten George W. Bush würden beide US-Präsidentschaftsanwärter an Maßnahmen gegen den Klimawandel herangehen. McCain hat sich bis 2050 eine Reduktion der CO2-Emissionen von 60 Prozent unter das Niveau von 1990 zum Ziel gesetzt. Obama will den Ausstoß um 80 Prozent reduzieren. Der demokratische Kandidat strebt zudem auch den Ausbau der staatlichen Förderung zur Erforschung und Entwicklung von "sauberer Energie" um 150 Mrd. Dollar (104,5 Mrd. Euro) über die nächsten zehn Jahre an.

Beide sprechen sich für den Emissionshandel mit einem festgelegten nationalen Gesamtausstoß und Emissionsrechten aus. Obama ist dabei für die Auktionierung aller Emissionsrechte, der Erlös solle in "saubere" Energien investiert werden. McCain, der sich im Gegensatz zum Demokraten auch für eine "aggressivere" Ölgewinnung auf offener See ausspricht, wäre für eine einfache Vergabe der Rechte.

Gentechnik und Stammzellforschung

Gentechnik und Stammzellforschung wird von beiden Kandidaten unterstützt. Sie verwiesen auf deren Potenziale, unterstreichen aber in diesem Zusammenhang gleichzeitig die Bedeutung ethischer, rechtlicher und sozialer Aspekte. Obama will das von Präsident Bush eingeführte Verbot der staatlichen Finanzierung von embryonalen Stammzellenlinien aus dem Jahr 2001 aufheben und entsprechende Forschung unter ethischen Gesichtspunkten und mit "rigoroser Aufsicht" sicherstellen. Seiner Meinung nach sollten auch die bei der In-Vitro-Fertilisation zusätzlich anfallenden Embryos für die Stammzellforschung genutzt werden.

Vergleichsweise zurückhaltender stellt sich die Position von McCain dar. Auch er unterstützt die staatliche Finanzierung von embryonaler Stammzellforschung. Gleichzeitig lehnt er es ab, "moralische Werte und ethische Prinzipien dem wissenschaftlichen Fortschritt willens aufzugeben", so McCain gegenüber "Science Debate 2008". Die Fachzeitschrift "Nature" verweist zugleich darauf, dass McCain's Kandidatin für den Vize-Posten, Sarah Palin, in diesem Punkt nicht übereinstimmt. Die Abtreibungsgegnerin sprach sich schon mehrfach gegen die Unterstützung von Forschung an humanen embryonalen Stammzellen aus.

Obama wie auch McCain wollen auch bei der Weltraumforschung hoch hinaus: Der Demokrat spricht u.a. von der Entwicklung eines "robusten und ausgeglichenen zivilem Weltraumprogramms", für den Republikaner gilt die Eroberung des Alls als eine "Top-Priorität" für das Land.

Bildung

Die Bildung der US-Bürger, vor allem in den Naturwissenschaften, Technologie und Mathematik, ist beiden Kandidaten ein Anliegen. McCain verweist im Rahmen von "Science Debate 2008" auf die Bedeutung von ausreichend qualifizierten Arbeitskräften und kritisiert etwa die geringen Absolventenzahlen in Mathematik und Naturwissenschaften. Obama will ein Stipendien-Programm initiieren, mit dem die Ausbildungskosten für jene gezahlt werden, die sich zu Lehrtätigkeit an Problemschulen verpflichten.

Gerade beim Thema Wissenschaft und Forschung gelten häufig weniger die Kandidaten selbst, sondern vielmehr ihre Berater als entscheidend. Während McCain eher auf "unternehmerische und politische Führungskräfte" hört, so hat Obama laut "Nature" auch eine "ausgewählte Gruppe von wissenschaftlichen Beratern" unter Leitung des Medizin-Nobelpreisträgers und ehemaligen Direktors der NIH, Harold Varmus, um sich geschart. Das sei wenig verwunderlich: Akademiker sind laut einer nationalen Studie aus dem Vorjahr eher Linkswähler. (APA)

 

Links
Science Debate 2008
Nature-Special: US Election 2008

Zum Thema
US-Wahlen - auf derStandard.at/Politik

Share if you care.