Notenbank-Chef Nowotny: "Haben Sache im Griff"

30. September 2008, 13:04
75 Postings

Banker und ihre Funktionäre versuchen, die Sparer zu beruhigen. Die Bankinstitute horten aber ihre Liquidität

Wien - Österreichs Bankmanager sind ob der Entwicklungen auf denMärkten enerviert und setzen auf Beruhigung. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, sieht keine unmittelbare Gefahr für das europäische Finanzsystem, ein Rettungspaket à la USA hält er trotz Übernahmen und Staatsgarantien für europäische Banken für nicht notwendig. "Ich glaube, wir haben diese Sache im Griff" , besänftigte er am Dienstag im ORF-Mittagsjournal.

Was er zugestand: Es gebe "ein großes Maß an Unsicherheit" auf den Finanzmärkten, zu Zusammenbrüchen systemrelevanter Banken dürfe es nicht kommen, weswegen die Europäische Zentralbank "massive Liquiditätshilfen" für die Banken bereitstelle.

Auf Besänftigungstour unterwegs ist auch der für Banken und Versicherer zuständige Spartenobmann der Wirtschaftskammer, RZB-Chef Walter Rothensteiner. Die österreichische Bankbranche sei "immer noch wesentlich besser dran als viele andere", sagte er zum STANDARD, das "konservativeGeschäftsmodell, also dass die österreichischen Institute reale Bankgeschäfte machen, hat sich bewährt".

Rothensteiner beruhigt

Zwar gebe es aufgrund der IFRS-Bilanzierungsregeln Abwertungen, "aber das operative Geschäft ist in Ordnung. Ich sehe keinen Grund für Panik", meinte Rothensteiner, im Brotberuf Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Zentralbank, RZB. Auch die großen österreichischen Banken, die in Osteuropa stark engagiert sind, machten "viele Geschäfte, sie haben inzwischen auch jede Mange Einzelkunden, die brav Spareinlagen bringen".

Was freilich auch Rothensteiner einräumt, ist "die Liquiditätsfrage", wie er das Problem umschreibt, das darin besteht, dass die Banken einander aus Misstrauen keinGeld mehr borgen. Laut einem Wiener Banker klappe "der bisher in Sekundenschnelle funktionierende Ausgleich zwischen Liquiditätsgeber und -nehmer derzeit nicht. Die unvorstellbare Pleite der Lehman Brothers war für die Banken das Signal dafür, dass man überhaupt niemandem mehr trauen darf" , erklärt er.

Rothensteiner sieht es entspannter: Es sei zwar "kurzfristig jede Menge Liquidität vorhanden, aber alle Banken horten sie und schauen, dass sie selbst einen Polster haben, wenn sie das Geld brauchen". Die Nationalbanken seien aber mit ausreichend Geld versorgt, "ein Problem sehe ich da nicht", lautet die Analyse des Bankenfunktionärs.

Auch für die RZB selbst sieht der Bankchef "nichts Beunruhigendes", man habe zwar, wie verlautbart, Lehman-Engagements und müsse daher wertberichtigen, "aber wir werden mit Sicherheit ein ordentliches Ergebnis abliefern". (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2008)

Share if you care.