Börsen stoppen Tiefflug

30. September 2008, 11:56
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Nach dem Nein des US-Repräsentantenhauses zum Rettungspaket sind auch heute Dienstag in Asien die Aktienkurse auf Talfahrt gegangen, Europas Börsen arbeiten sich nach Anfangsverlusten ins Plus vor

Die Leitbörsen in Europa haben am Dienstag im frühen Handel nach den historischen Rekordverlusten an den US-Börsen erneut deutlich verloren. Die europäischen Aktienmärkte drehten aber im Verlauf überwiegend ins Plus. Nach dem Ausverkauf zum Wochenstart konnten sich die Börsen leicht erholen. Finanzwerte standen zunächst europaweit unter Druck, reduzierten jedoch im Verlauf ihre Verluste.

An der Wall Street brach der Dow Jones am Vorabend massiv um sieben Prozent oder 777 Einheiten auf 10.365,45 Punkte ein und verlor damit so stark wie noch nie seiner Geschichte. Die Verkaufswelle wurde von dem Scheitern des US-Bankenrettungspakets im Repräsentantenhaus ausgelöst. (zu den Marktberichten).

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Tokio/Washington/Rio de Janeiro - Nach dem Nein des US-Repräsentantenhauses zum Rettungspaket für den Finanzsektor und den historischen Vortagesverlusten an der Wall Street sind auch am Dienstag in Asien die Aktienkurse auf Talfahrt gegangen. Der Nikkei-Index in Tokio fiel am Dienstag um fast fünf Prozent. In Hongkong ging es gleich zu Handelsbeginn um 5,6 Prozent nach unten, auch die Börsenkurse in Südkorea und anderen asiatischen Staaten sowie Australien und Neuseeland rutschten ab.

Der 225 führende Werte umfassende Nikkei notierte zur Handelsmitte einen heftigen Abschlag von 544,54 Punkten oder 4,64 Prozent bei 11 199,07 Punkten. Der breit gefasste TOPIX gab bis dahin um 51,30 Punkte oder 4,55 Prozent auf 1076,57 Punkte nach.

Angesichts der dramatischen Entwicklung pumpt die japanische Zentralbank frisches Geld in den Finanzmarkt. Es seien zwei Billionen Yen (13 Milliarden Euro) bereitgestellt worden, teilte die Bank von Japan mit. Damit sollten die Auswirkungen der Finanzkrise gemildert werden. Hintergrund ist, dass Japans Banken zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Dollar unter Verkaufsdruck

Der Dollar geriet in Folge des Scheiterns des US-Rettungspakets in Fernost unter starken Verkaufsdruck. Er kostete in Tokio am Dienstag 103,53 Yen und damit so wenig wie zuletzt im Mai, bevor er sich wieder auf 103,91 Yen erholte. Der Euro lag fester verlor aber auch gut 0,5 Prozent auf 1,4365 Dollar. Zum Yen tendierte der Euro bei 150,37-47 Yen nach 152,33-37 Yen am späten Vortag.

Das US-Repräsentantenhaus hatte am Montag das geplante Rettungspaket der Regierung für die Finanzbranche des Landes überraschend abgelehnt und die Kurse an den Börsen damit auf Rekord-Talfahrt geschickt. Der New Yorker US-Leitindex Dow Jones erlitt am Montag den höchsten Tagesverlust der Geschichte: minus 777 Punkte.

Beim Absturz der Aktienkurse in den USA wurden etwa 1,2 Billionen Dollar (834 Milliarden Euro) Börsenwert vernichtet, wie sich aus dem Dow-Jones-Wilshire-5000-Index, dem größten Messwert für Börsenbewegungen in den USA, ergibt. Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für den US-Finanzsektor.

Für das Nein zum Rettungspaket gab es herbe u.a. Kritik aus Europa und Brasilien: EU-Handelskommissar Peter Mandelson verurteilte die Ablehnung der milliardenschweren Hilfen als verantwortungslos: "Die Abgeordneten sind von allen guten Geistern verlassen und ich hoffe, dass wir in Europa keine Politiker und Parlamentarier erleben, die eine solche Verantwortungslosigkeit an den Tag legen", sagte er dem britischen Sender BBC und forderte zugleich eine breitere internationale Reaktion auf die Finanzkrise.

Kursverluste in Südamerika

Der brasilianische Präsident Luiz Inacio da Silva forderte die USA und andere reiche Länder auf, Verantwortung für die internationale Finanzkrise zu übernehmen und Schaden in den Entwicklungsländern abzuwenden. Diese dürften nicht zu "Opfern des Casinos werden, das von der US-Wirtschaft errichtet wurde", sagte Silva. Auch in Südamerika war es zu Kursverlusten gekommen.

Trotz Krise und Panik befindet sich die US-Wirtschaft nach den Worten eines führenden Mitglieds der US-Notenbank in einem robusten Zustand. Es herrsche zwar das Gefühl vor, dass der Himmel einstürze, sagte der Präsident der Notenbank von Kansas, Thomas Hoenig, am Montag bei einem Wirtschaftsforum in der Stadt Gering. Die größte Volkswirtschaft werde aber gestärkt aus der gegenwärtigen Kreditkrise hervorgehen. Als oberstes langfristiges Ziel für die Fed nannte er, den Wert des Dollar stabil und die Inflation im Zaum zu halten. Die derzeitige Teuerungsrate von 5,5 Prozent sei zu hoch und werde einen langfristigen Einfluss auf die Wirtschaft haben, betonte er. Die Notenbank stehe bei der Entscheidung, wann die Zinsen erhöht werden müssten, vor "einem sehr heiklen, schwierigen chirurgischen Eingriff". Er machte keine Andeutung, wann er den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung für gekommen hält. US-Präsident George W. Bush will sich in Sachen Finanzkrise am Dienstag erneut an die Öffentlichkeit wenden. (APA)

 

 

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