Rapid und unbezahlbare Abenteuer

29. September 2008, 20:27
471 Postings

Rapid hat ein Problem. Das eigene Stadion ist zu klein geworden. Rudolf Edlinger will sich mit den Gegebenheiten trotzdem abfinden

Wien - Franco Foda, dieser Schelm, sagte am Sonntag ungefähr eine Stunde nach der ersten Hochrechnung: "Rapid hat total glücklich gewonnen." Der Trainer von Sturm Graz hielt kurz inne, blickte prüfend in die Runde und in ratlose Gesichter, war erst erleichtert, als einer reagierte: "Guter Witz." Foda registrierte das mit Wohlwollen. "Es gibt eben doch Leute, die sich im Fußball auskennen."

Rapid ist also wieder auf Kurs und Tabellenzweiter, das 2:1 gegen Sturm war rechtschaffen erspielt. Die beiden Ausrutscher gegen Ried (1:1, 0:1) hat es vermutlich gar nicht gegeben. Echt blöd ist natürlich die Tatsache, dass das Hanappi-Stadion zu klein geworden ist (Fassungsvermögen 17.500). Auch vor dieser Partie musste die blaue Fahne gehisst werden. In der laufenden Saison war die Hütte nur einmal nicht ganz voll (16.400 gegen Kapfenberg). Präsident Rudolf Edlinger fühlt sich nicht gerade wohl, "wenn momentan pro Partie rund 10.000 Fans keine Karten bekommen". Das schreit förmlich nach Lösungen, Edlinger bleibt ruhig, weil er keine anzubieten hat: "Da kann man nichts machen. Wer sollte ein neues Stadion oder einen Ausbau zahlen? Rapid kann das sicher nicht. Natürlich gibt es Visionen, aber keine Abenteuer. Wir leben im kleinen Österreich, da ist es nicht einfach, Investoren und Sponsoren aufzutreiben."

Theoretisch könnten in St. Hanappi die West- und die Osttribüne aufgestockt werden (wären rund 5000 zusätzliche Plätze), allerdings würden dagegen die Anrainer (eigentlich ein Anrainer) protestieren. Ganz abgesehen von der (noch) nicht vorhandenen Finanzierung. Edlinger: "Man soll das auch nicht groß diskutieren, wir brauchen kein zweites Rothneusiedl, das es vermutlich nie geben wird. Fest steht, dass Rapid in Hütteldorf bleiben muss. Wir lassen uns und die Tradition nicht transferieren." Der Präsident träumt selten vom berühmten arabischen Scheich, der das Geld abgeschafft hat. "Sollte einer auftauchen, darf er sponsern, aber den Verein nicht übernehmen. Die Marke Rapid lässt sich nicht kaufen."

Das negative Vereinskapital dieser Marke beträgt immer noch vier Millionen Euro. Vor einigen Tagen konnte Orange als dritter großer Sponsor (neben OMV und Wien- Energie) gewonnen werden, der Mobilfunkbetreiber hat sich für drei Jahre gebunden. Dafür gehört ihm quasi die Brust von Steffen Hofmann. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart, es handelt sich aber um eine Million Euro pro Saison. Das laufende Budget beträgt 13 Millionen, es sollten am Ende 400.000 Euro übrigbleiben. Trotz des Scheiterns im Europacup. Edlinger: "Unsere Perspektive ist es, um den Meistertitel mitzuspielen. Und das tun wir. Wir gewinnen so häufig, dass die Prämien fast zu teuer werden. Das ist als Scherz zu verstehen."

Die richtigen Leute

Man werde deshalb (ganz ernsthaft) auch nicht in neue Spieler investieren. "Der Kader ist gut. Es kommt immer wer nach. Wäre Ümit Korkmarz nicht weggegangen, hätten die Leute Christopher Drazan nie kennengelernt." Es sei, so Edlinger, gelungen, "wichtige Positionen mit richtigen Leuten zu besetzen. Im Management, im Nachwuchs, auf Betreuerebene."

Rapid wurstelt also brav weiter. Auf hohem Niveau, national betrachtet. Am Sonntag wird in Salzburg gekickt. Stürmer Stefan Maierhofer: "Ich verspreche, dass wir diesmal nicht 7:0 gewinnen." Edlinger: "Das ist realistisch." (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe 30. September 2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Hanappi erfüllt seit geraumer Zeit seinen Zweck, es ist ausverkauft.

Share if you care.