"Danke für Alles, Willi!" Pröll übernimmt die ÖVP von Molterer

30. September 2008, 10:22
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    Josef Pröll wird neuer Parteichef der ÖVP. Wilhelm Molterer will sich "genau überlegen", was er in Zukunft macht.

Neo-Parteichef in Richtung SPÖ: "Es gibt keine Festlegung auf Koalition oder Opposition" - Faymann gibt sich zurückhaltend, aber positiv - Mit Video

Vor der ÖVP-Parteizentrale, dort wo man Sonntagnacht noch die Überreste des schwarzen Festzelts bestaunen konnte, war am Montag die Lichtenfelsgasse schon wieder blitzsauber geputzt. Ab 17 Uhr wurde dann auch im Inneren des Gebäudes aufgeräumt. Nach dem desaströsen Wahlergebnis - die Volkspartei fuhr ein Minus von 8,7_Prozent ein und stürzte damit auf 25,6 Prozent ab - tagte der Parteivorstand.

Nach der schlimmsten Schlappe in der Parteigeschichte war ÖVP-Chef Wilhelm Molterer bereits am Nachmittag mit den Granden der VP-Teilorganisationen sowie den Landesparteiobleuten zusammengetroffen, um die Stimmung zu sondieren. Dem Vernehmen nach sei dem gescheiterten Spitzenkandidaten da bereits - und zwar sogar vom Bauernbund - signalisiert worden, dass die Partei vom Führungssystem Molterer/Schüssel genug habe.

Freie Hand für Pröll

Zwei Stunden lang dauerte danach die schwarze Krisensitzung in der Wiener Innenstadt. In den Vorzimmern und auf der Straße schickten Minister- und Parteisekretäre hektisch eine SMS nach der anderen ab. Molterer habe schon bald nach Beginn der schwarzen Zusammenkunft alles hingeschmissen, lautete unter den Wartenden das Gerücht.

In der Zentrale bahnte sich kurz vor 19 Uhr der Parteichef mit Landwirtschaftsminister Josef Pröll an seiner Seite einen Weg zwischen die vielen Kameras. Genau an jenem Ort, wo er vor nicht einmal drei Monaten mit einem kühnen „Es reicht!" den Sozialdemokraten die Koalition aufgekündigt hatte, trat Molterer mit gefasster Miene vor die Presse. Penibel, wie man ihn auch in seiner Rolle als Finanzminister kennt, gab Molterer dann seine Amtsübergabe mit den Worten bekannt: "Ich habe dem Bundesparteivorstand vorgeschlagen, dass im Sinne des Paragrafen 39, Ziffer 4 des ÖVP-Statutes, Sepp Pröll ab heute als geschäftsführender Bundesparteiobmann die Führungsverantwortung übernimmt."

Der Wechsel solle "möglichst rasch" auf einem Sonderparteitag vollzogen werden. Nach "intensiver Diskussion mit mir selbst" habe er, Molterer, seinen Rückzug von der Parteispitze beschlossen. Vorerst bleibe er selbst noch "Finanzminister der Republik, in den nächsten Tagen werde ich genau überlegen, wie meine Zukunft aussehen wird".

Herzlicher Handshake

Dann wandte sich Molterer, bis dahin sehr ernst, lächelnd seinem Nachfolger zu. "Josef Pröll", erklärte er, "hat freie Hand bei der weiteren Vorgangsweise und bei seinen Entscheidungen." Ein herzlicher Handshake für die Fotografen, ein "Alles erdenklich Gute" für Pröll - und schon trat Molterer einen halben Schritt zurück, um dem neuen Obmann still und betont zurückhaltend zu lauschen.

Pröll, mit leicht gerötetem Gesicht und sichtlich stolz über seine Beförderung, dankte seinem Vorgänger. Auch dafür, dass es ihn ohne Molterer in der Politik gar nicht gäbe - eine Anspielung darauf, dass der ehemalige Landwirtschaftsminister ihn einst zu sich geholt hat. Das neue Amt nehme er „mit großer Demut" an.

Dann stellte der frischgebackene ÖVP-Chef klar, was seine Machtübernahme für die anstehende Regierungsbildung bedeute: "Es gibt keine Festlegung auf Opposition oder Koalition oder auf welche Koalitionsform auch immer." Der Ball liege nun bei Werner Faymann, erklärte Pröll, selbst bis vor kurzem noch Regierungskoordinator, aber Äußerungen von Sozialdemokraten am Wahlabend seien nicht gerade vertrauensbildend gewesen.

Keinerlei Angaben machte der Neo-Obmann auch über den weiteren Verbleib anderer gewichtiger ÖVPler wie Klubchef Wolfgang Schüssel oder Generalsekretär Hannes Missethon, der für die müde Wahlkampagne verantwortlich zeichnet.

Nur so viel verriet Pröll: Auch hier habe ihm der Vorstand freie Hand gegeben. In der Sitzung sei Schüssels Rolle in der veränderten Konstellation jedenfalls kein Thema gewesen. Ob er sich den Ex-Kanzler weiterhin als Klubobmann wünschen würde? Hier wich Pröll aus.

In der Nacht nahm man bei der SPÖ wegen des Molterer-Abgangs eines mit Genugtuung zur Kenntnis: Der "Kassasturz", zu dem Molterer für Dienstag alle Parteichefs ins Finanzressort vorgeladen hatte, weil die Beschlüsse der letzten Nationalratssitzung milliardenschwere Kosten verursacht hätten, wurde abgesagt. Doch nicht alle Genossen sind über den neuen Konkurrenten für SPÖ-Chef Faymann glücklich. "Der Bart wäre uns lieber als der Bauer", scherzte einer.

Faymann zu Personalrochade zurückhaltend

SPÖ-Chef Werner Faymann hat die neue Situation bei der ÖVP zurückhaltend kommentiert. Er sagte, die ÖVP suche sich selbst aus, wen sie als Obmann wähle. Er habe aber immer schon gesagt, dass er mit Pröll gut zusammenarbeiten könne. Sollte er den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten, werde er sich jedenfalls aufrichtig um eine gute Zusammenarbeit und Vertrauensbildung bemühen. Er habe mit Josef Pröll immer eine gute Zusammenarbeit erlebt und sehe keinen Grund, warum es schlechter werden sollte. (DER STANDARD-Printausgabe, 30. September 2008/APA)

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Agamemnon
30.09.2008 16:50
Schuessel ging damals in Oposition und hat die naechsten Wahlen gewonnen!!

das war kein zufall!!!

MichaelDeNiro
30.09.2008 16:48
Respekt Herr Molterer!!

die einzig ehrenhafte und richtige Entscheidung nach so einem ergebnis.

The Heckler
30.09.2008 16:31
"intensiver Diskussion mit mir selbst"

lol
kann ich mir sehr gut vorstellen

M Ivan Undso 
02.10.2008 20:24
;-)

mit wem denn sonst, nach 3,5 minuten pfarrer molterer schläft jeder andere mensch einfach ein.

Pol e Mike
30.09.2008 16:11
Die ÖVP ist dumm genug nochmal einem roten Parvenü den Steigbügel zu halten,

und dann bei jeder Gelegenheit mit freien Mehrheiten (rot-blau) im Parlament überstimmt zu werden.

Wenn sie so dumm ist, dann vedient sie daß Ihre Wähler weglaufen.

Der Faynachtsmann soll die Wahlgeschenkssuppe jetzt alleine auslöffeln, vielleicht hilft ihm ja Onkel Hans!

M Ivan Undso 
02.10.2008 20:43
kein fussball... politik..

abgerechnet wird nicht nach toren sondern nach leistung, naja und die zeigt ein faynachtsmann eben, nicht so wie der verpennte willi, der dollfuswolfi, der partyjörg oder hc rache

Waldgaenger 
01.10.2008 06:40

Ja jetzt wo die ÖVP vielfach geohrfeigt wurde, jetzt treten die an, die am meisten versagt haben, Gusenbauer wurde gestürzt weil er sich mit der ÖVP arrangierte, jetzt wo das ganze Geld für eine Steuerreform weg ist weil das Geld vor der Wahl im Parlament mit Blau , Grün und Orange vergeben wurde, jetzt biedern sich die Herrschaften dort an.
Wenn es nicht um Österreich auch ginge wäre das ein lustiges Theater. Ich frage mich ja warum Pröll und Leitl nicht überhaupt gleich zur Spö in jungen Jahren gegangen sind.

Annie K. 
30.09.2008 16:35

Steigebügelhalter waren bisher alle möglichen Parteien für die ÖVP, nicht umgekehrt

fred h
30.09.2008 16:00
ein vollhammer löst den vorherigen ab

so wird das nix.

Franz Brandtwein
30.09.2008 15:15

Molterer weg (und mit ihm auch so Typen wie Missethon), damit hat die Wahl wenigstens irgendwas gebracht.

Dimple
30.09.2008 14:35
Was ich nicht verstehe

Die ÖVP ist böse, furchtbar, gehasst - für bzw. von der SPÖ und auch von der Mehrzahl der Poster.

Die ÖVP verliert in einer großen Koalition sicher wieder Wähler (auch die SPÖ, aber weniger).

Gleichzeitig soll die ÖVP so schnell wie möglich als Juniorpartner den Weg für einen SPÖ-Kanzler bereiten und als Stimmvieh die Mehrheiten für eine SPÖ-Politik erzeugen.

Und dann wundern sich die p.t. Poster, daß die ÖVP diesen Selbstmord auf Raten eher skeptisch gegenübersteht???

lg
Dimple

M Ivan Undso 
02.10.2008 20:28
wie wär es mal mit "job erledigen"?

nachdem ja nicht nur bauern und unternehmer zum volk gehören sollte die övp von ihrem neoliberalen kurs abweichen und auch zur zweiten hälfte ihres programms stehen, christlich-SOZIAL.

Bitte Bitte
30.09.2008 15:57

Der Selbstmord der ÖVP heißt Schüssel.

Dimple
30.09.2008 16:29
Die Selbstmorde der ÖVP hatten viele Namen, aber einen gemeinsamen Nenner

Juniorpartner in der großen Koalition (Mock, Riegler, Busek, Schüssel waren die Namen)

lg
Dimple

M Ivan Undso 
02.10.2008 20:34
na, kanzler schüssel war aber auch nur mässig erfolgreich..

aber lustig, die konstruktiven koalitionspartner westenthaler, haider, haupt, riess-passer, haubner und wer war noch der vergewaltigende skistar?? ortlieb?? usw....
immer für einen lacher gut.

christians graue zelle
30.09.2008 16:54
Tauss vergessen

lauter idioten mit der ausnahme busek...

Waldgaenger 
01.10.2008 06:41

Dass Sie Busek ausklammern wundert mich am allermeisten, wenn schon naja, näher möchte ich mich aus presserechtlichen Gründen da nicht mehr einlassen

Dimple
30.09.2008 20:25
Taus war eine andere Geschichte - und die kenne ich nur mehr aus Erzählungen

Taus wollte nicht Obmann werden aber 1975 ist Karl Schleinzer knapp vor den Wahlen tötlich verunglückt. Da haben eben (Zitat Erhard Busek) die beiden Knackwürscht mit Brillen (Taus als Obmann, Busek als Generalsekretär) die Partei übernommen.

Und Taus war zwar schwächer als Kreisky, aber wäre heute sicherlich der Maßstab.

lg
Dimple

eMetiB
30.09.2008 15:47
vielen dank!

einer der besten kommentare seit langem. es gibt anscheinend in diesem forum doch noch leute mit hirn, die nicht nur versuchen eine trollige hetze zu machen.
wirklich danke!

Helmut-S
30.09.2008 15:21
Der Job der ÖVP...

...war auch in den 90ern nie was anderes als den Kreisky-Kurs fortzuführen und parlamentarisches Stimmvieh für rote Geldgeschenke zu spielen.

Wenn es dann Geldprobleme oder Budgetknappheiten gab, wurde es natürlich den Schwarzen überlassen das zu erklären, womit man in der Bevölkerung wunderbar das Doppelimage "Rot-Geldgeschenke, Schwarz-Sparmeister" konstruieren konnte.

Wenn Pröll sich wieder für dieses Spiel hergibt, ist der ÖVP nicht mehr zu helfen.

super cat
01.10.2008 05:17

Das Sparmeister-Image versucht die ÖVP selbst zu kolportieren, siehe korrigiertes Budgetdefizit von Grasser das nun berichtigt wurde.

N. N.
30.09.2008 15:18

Noch dazu, wo Faymann am 24.9. soviel Geld verbrannt hat, dass der ÖVP praktisch kein Gestaltungsspielraum bleibt. Strategisch nicht unklug - von schwarzen Geberlaunen ist Faymann nicht mehr abhängig.
Umso fataler werden aber die Konsequenzen sein: Die ÖVP wird mitbieten müssen, um auch die eigene Klientel zufriedenzustellen, das Thema Budgetsanierung ist mittelfristig erledigt und Haider wird die ÖVP vor sich hertreiben. Auf der anderen Seite Strache, der den Weichspülern Faymann und Pröll mühelos die rechten Stimmen abjagen kann. Wenn sich die Grünen an dieser Regierung mitbeteiligen, sind sie mitangepatzt und werden weiter verlieren. Den grünen Funktionären ist das leider zuzutrauen, Realismus war nie ihre Stärke.

Ohne Moltera gehts a und viel besser!
30.09.2008 14:16
Die trauen sich den Schüssel nicht raus werfen!

Weil es eine planlose Partei ist!
So wie Ihr Willi war!
Alles bis zum Schluss anstehen lassen, bis wir es nicht mehr auf Grade bringen!
Der Missethon und der Norbert Walter sind die wenigstens schon weg?
Die haben was auf geführt!
Alles Kindergartenreif!

Gusti Rentner
30.09.2008 14:16
Ad Willi:


Wenigstens stark im Abgang !

Respekt hiefür.

rough_rider
30.09.2008 14:04
na geh

ich fand reverend molterer so herzig irgendwie und konnt zu herrlich bei seiner faden stimme wegmützen :-(

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