Luxusopfer im Komödienfummel

29. September 2008, 17:40
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Yasmina Rezas "Ein spanisches Stück" im Wiener Volkstheater erstaufgeführt

Wien - Die beinah schon fahrlässige Flutung heimischer Bühnen mit Stücken der französischen Autorin Yasmina Reza führt immer häufiger zu Starrkrämpfen und Stockungen. Und in der Tat: Es gleicht offenbar einer Aufgabe für grazile Sonntagskinder, Rezas Parlando, das auf mittlerem Erregungslevel völlig unverbindlich köchelt, in bedeutsame Gipfelregionen hochzureißen. Man müsste halt wissen, warum man ein Stück wie Ein spanisches Stück überhaupt spielt. Das Wiener Volkstheater, das diesen reichlich lahmen Text jetzt zur Erstaufführung gebracht hat, weiß es ganz offensichtlich nicht.

Denn im Spanischen Stück bespiegelt sich das Theater so vorhersehbar wie folgenlos selbst. Blickt beflissen in die Spiegelscherben eines "Stückes im Stück" . Weshalb die Schauspieler und Schauspielerinnen, die überdreht agieren sollen wie in einem Almodóvar-Film, ein wenig über die Tücken ihrer Profession "extemporieren".

Lauter luxuriös Geschundene und Geschmerzte, die entweder die patente Betriebsnudel von anno 1986 geben (Maria Bill, verkleidet als stöckelndes Sekretärinnenmonster), oder vor der Kulisse scheußlicher Tapetenwände (Bühne: Tom Schenk) Wehklagen anstimmen über die Lauheit ihrer absehbar scheiternden Lebensentwürfe.

Das Leben soll sich wiederum in der Kunst möglichst ungeschminkt "wiedererkennen" . Deshalb gibt es auch noch ein Stück im Stück im Stück. In den faden, fahlen Umrissen dieser dramatischen Ruine wird eine Familienzerstörungsgeschichte sichtbar. Und unter modischer Zuhilfenahme eines Video-Screens darf der "junge Star" (Katharina Vötter) über uneingelöste Sehnsüchte bramarbasieren, während doch die "gespielte" Patchwork-Familie - die "spanische" also! - unter der Einwirkung von Hysterie (Heike Kretschmer), herbstlicher Lebensnostalgie (Rainer Frieb) und Spiegelkampftrinkerei (Markus Gertken) elendiglich auseinanderbricht.

Antoine Uitdehaag inszenierte die elende Scharteke als Hochamt. Der Applaus war abebbend. (Ronald Pohl, DER STANDARD/Printausgabe, 30.09.2008)

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