Dinosaurier mit "Klimaanlage" bestätigt wissenschaftliche Hypothesen

30. September 2008, 12:41
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Zehn Meter lang, schwer wie ein Elefant und doch mit deutlichen Vogelmerkmalen: Aerosteon riocoloradensis illustriert die Evolution von Vögeln und ihren Verwandten

Buenos Aires/Mendoza - Der Vogelflug ist eine komplexe evolutionäre Errungenschaft, die einer Reihe ganz unterschiedlicher Voraussetzungen bedarf: Von einem vergrößerten Brustbein mit vorspringendem Kiel, an dem die Flugmuskulatur ansetzen kann, über Luftsäcke und hohle, leichte Knochen bis hin zur Feder, einer hochgradig komplizierten Entwicklung für sich. Forscher vertreten schon länger die Hypothese, dass sich einige dieser Merkmale aus ursprünglich ganz anderen Gründen als der Unterstützung der Flugfähigkeit entwickelt haben, gleichsam als Nebeneffekt aber eine Präadaption dafür schufen. Ein aktueller Fossilienfund unterstützt diese Hypothese.

Vögel gehören, wie beispielsweise auch der Tyrannosaurus oder der Velociraptor, zur Gruppe der Coelurosaurier - bei zahlreichen Angehörigen dieser Gruppe wurden in den vergangenen Jahren Beweise für ein Federkleid gefunden, das der Thermoregulierung gedient haben dürfte. Immer wieder fand man auch Hinweise auf ein System aus Luftsäcken und -schläuchen, das die Atmung wesentlich effektiver gestaltete und ebenfalls den Wärmehaushalt der schweißdrüsenlosen Tiere regulieren half. Anders als bei Säugetieren ist die Lunge bei Vögeln starr und die Luft wird durch "Blasebälge" - eben die Luftsäcke - im Hals-, Brust- und Bauchbereich hindurchgeblasen. Diese Luftsäcke erstrecken sich zum Teil auch bis in die Knochen von Vögeln, die teilweise hohl sind; gleiches galt für andere Coelurosaurier.

Bei einem nun in der argentinischen Provinz Mendoza gefundenen Dinosaurier seien besonders deutliche Anzeichen von solchen "luftigen" Knochen gefunden worden, berichtet Paul Sereno, Paläontologe der Universität von Chicago, im Online-Fachjournal "PLoS ONE". Zugleich zeigt das Fossil, dass vogelähnliche Körpermerkmale nicht auf kleine, leichte Arten beschränkt waren: Das mit dem Namen Aerosteon riocoloradensis versehene Tier, das vor etwa 85 Millionen Jahen lebte, war immerhin zehn Meter lang und in etwa so schwer wie ein Elefant; außerdem war es von einem dichten Federkleid bedeckt. Oscar Alcober von der National-Universität in der Provinz San Juan betonte: "Trotz seines riesigen Körpers und des fehlenden Brustbeins oder eines vogelähnlichen Brustkastens hatte dieser Fleischfresser schon Lungen, die fast genauso wie bei heutigen Vögeln funktionierten." (APA/red)

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