Geeint und dennoch geteilter Meinung

29. September 2008, 17:41
52 Postings

Die Mehrheit der europäischen Jugendlichen hält die EU für eine gute Idee - Österreicher sind skeptischer

Wien - Was denken Jugendliche im Alter zwischen 14 und 24 Jahren über das Wendejahr 1989 und die Zukunftsperspektiven eines gemeinsamen Europas? Die Studie "Jugend in Europa", die vor kurzem im Rahmen der Veranstaltungsserie "1989-2009: Aufbrüche in ein neues Europa" einem jugendlichen Publikum im Wiener Metropol präsentiert wurde, versucht Antworten auf diese Fragen zu geben.

In einer Internetumfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK Austria wurden 2500 Jugendliche aus Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien und der Slowakei nach den Chancen und Herausforderungen eines geeinten Europas befragt. Demnach sind sich die Jugendlichen zumindest darin einig, dass Freunde, Eltern, Beruf sowie Ausbildung einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben einnehmen. Während sich die meisten Jugendlichen in Österreich, Tschechien, der Slowakei und besonders Ungarn hauptsächlich über ihren Heimatort definieren, fühlen sich junge Slowenen mehrheitlich als Bürger ihres Landes.

Hauptidentifikationsmerkmal aller Befragten war die gemeinsame Sprache, Religion spielte eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Die Mehrheit aller Jugendlichen bezeichnete sich als "eher glücklich" - ein Drittel der österreichischen Jugendlichen sogar als "sehr glücklich". Mehr als die Hälfte der jungen Slowaken geht davon aus, dass es ihnen in Zukunft besser gehen wird als ihren Eltern.

Den Beitritt zur Europäischen Union halten die Jugendlichen aller Länder mehrheitlich für eine richtige Entscheidung, auch wenn die Zustimmung der österreichischen Jugendlichen im Durchschnitt verhaltener ausfällt. Ein Viertel der Befragten meinte sogar, dass der EU-Beitritt Österreichs eine Fehlentscheidung gewesen sei. Dieser Wert deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen des österreichischen Länderberichts aus der aktuellen Eurobarometerumfrage, die sich auf die Gesamtbevölkerung über 15 Jahren bezieht. Anders bei den Zustimmungswerten: Während 56 Prozent der österreichischen Jugendlichen die Mitgliedschaft für eine gute Sache halten, sehen das laut Eurobarometer lediglich 36 Prozent aller Österreicher so.

An eine positive Auswirkung der EU-Mitgliedschaft auf die persönliche Lebenssituation glauben beinahe zwei Drittel der Jugendlichen aus Ungarn und der Slowakei. In Österreich sind es hingegen nur 48 Prozent. Der Großteil der Jugendlichen meint jedoch nicht, persönlich von den Ereignissen um 1989 betroffen zu sein. Jeder zweite Jugendliche in Österreich, Ungarn und Slowenien fühlt sich zudem nicht ausreichend über die Europäische Union und ihre Institutionen informiert.

Ungarn, das im Eurobarometer-Vergleich als zweitpessimistischstes Land innerhalb der EU gilt, hat jedoch eine optimistische Jugend: 45 Prozent schätzen ihre Chance auf einen Arbeitsplatz im Ausland als gut ein. Einzig die Jugendlichen aus der Slowakei äußerten sich zu diesem Thema skeptischer.

Während die EU in Österreich vorwiegend als gemeinsamer Wirtschaftsraum gesehen wird, tendieren die Jugendlichen in den Nachbarländern stärker zu einer Definition Europas als "ein Lebensmodell, eine Kultur, eine Zivilisation", so die Studie. (Marion Gollner/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zwei Drittel der Jugendlichen aus Ungarn und der Slowakei glauben an eine positive Auswirkung der EU-Mitgliedschaft auf die persönliche Lebenssituation.

Share if you care.