Der Ernst des Lebens beginnt

29. September 2008, 17:19
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Bayerns Freie Wähler haben nicht einmal ein Programm

Berlin/München - Der CSU brachte die Bayern-Wahl Riesenverluste. Für Hubert Aiwanger hingegen ging es im gleichen Tempo aufwärts. Am Wahlsonntag versorgte der Landesvorsitzende der Freien Wähler (FW) zuerst noch seine Schweine, dann erst widmete er sich der Politik. Diese wird künftig im Leben des 37-Jährigen eine größere Rolle spielen.

Denn beim dritten Anlauf hat es geklappt: Die FW ziehen als drittstärkste Kraft in den bayerischen Landtag ein, und Aiwanger feiert somit einen persönlichen Triumph. Er bewirtschaftet im niederbayerischen Rahstorf den elterlichen Hof mit 20 Kühen und 50 Zuchtsauen. Der CSU verdankt er nicht nur den politischen Erfolg, sondern auch die persönliche Karriere: Es war ein Stipendium der CSU-nahen Hans-Seidl-Stiftung, das dem Landwirt ein Studium zum Diplomingenieur der Landwirtschaft an einer Fachhochschule ermöglichte.

Seit 2006 ist er Vorsitzender der Freien Wähler, die im Freistaat 37.000 Mitglieder haben und rund 600 Bürgermeister stellt. Mit dem Sprung in den Landtag beginnt für die Freien Wähler nun der "Ernst des Lebens" . Bisher waren sie nur auf kommunalpolitischer Ebene aktiv, es gibt nicht einmal ein Parteiprogramm, nur eine lose Punktation von Forderungen. Dabei orientieren sich die Freien an ihren Erfahrungen in den Kommunen. Sie fordern kleinere Klassengrößen, mehr Lehrer, kostenlose Kinderbetreuung und eine Stärkung des ländlichen Raums - etwa durch bessere Versorgung mit Breitband-Internet.

Die Freien Wähler, die sich nicht als klassische Partei, aber als "Konservative" sehen wollen, haben im Wahlkampf, für den nur 200.000 Euro zur Verfügung standen, gezielt frustrierte CSU-Wähler angesprochen. Der CSU warfen sie mangelnde Bürgernähe vor. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2008)

 

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