Polen: Rechtskonservative Partei im Kampf gegen Schulpflicht ab sechs Jahren

29. September 2008, 16:19
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Oppositionspartei PiS will mit Widerstand gegen frühere Einschulung punkten und geht gegen unpopulären Regierungsplan auf die Barrikaden

Warschau - Die oppositionelle rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) macht die Bildungspolitik zum Schauplatz ihres Kampfes mit der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO). Die Partei von Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski möchte die Kritik von Eltern gegen Regierungspläne für eine Schulpflicht für Sechsjährige ausnutzen, um ihre Umfragewerte zu verbessern, berichtete die Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Montag. Eine große Mehrheit der Polen lehnt laut Umfragen den Plan zur früheren Einschulung von Kindern ab.

"Überfüllte Klassen"

"Die Schulen sind auf die Einschulung der Sechsjährigen nicht vorbereitet. Die Klassen werden überfüllt sein", sagte der Chef der PiS-Fraktion, Przemyslaw Gosiewski, gegenüber der "Rzeczpospolita". Er betonte, dass seine Partei die Regierungspläne im Parlament ablehnen wird. Die PiS lud zur Sitzung des parlamentarischen Bildungsausschusses am heutigen Montag auch Vertreter der Bürgerinitiative "Ratujmy Maluchy" ("Rette die Kleinsten") ein. Die Konservativen hoffen, dass ihr Parteifreund, Präsident Lech Kaczynski sein Veto gegenüber dem Gesetz einlegen wird, sollte es die Opposition nicht schaffen, die Reform im Parlament zu blockieren.

Am Sonntag gab es vor dem Gebäude des polnischen Bildungsministeriums in Warschau eine Eltern-Demonstration. Die Protestierenden sind der Meinung, dass polnische Volksschulen für die Aufnahme von Kleinkindern nicht vorbereitet sind. Einen entsprechenden Appell an die Regierung, auf die Reform zu verzichten, unterzeichneten 25.000 Menschen im Internet. Das Reformprojekt stößt nicht nur bei Eltern auf Missfallen. Laut einer Umfrage für den Fernsehsender TVP Info sprachen sich 65 Prozent der Polen gegen die Idee aus, sechsjährige Kinder in Volksschulen zu schicken. Die von der rechtsliberalen Regierung geplante Reform des Bildungssystems befürworten überhaupt nur 31 Prozent der Befragten.

Bildungsministerium will Chancengleichheit"

Das Bildungsministerium hält das frühere Einschulalter für die "billigste, einfachste und effektivste Art", Chancengleichheit herbeizuführen. Die jetzigen "Nullklassen" für Sechsjährige, die in Kindergärten und Schulen angeboten werden, hätten kein einheitliches Niveau und würden von Kindern auf dem Land kaum besucht. Bildungsministerin Katarzyna Hall verzichtete zugleich auf ihren ursprünglichen Alternativplan einer Kindergartenpflicht. (APA)

 

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