Sevilla strotzt vor Selbstvertrauen

29. September 2008, 15:08
65 Postings

1:0 gegen Atletico in der Meisterschaft, Coach Jimenez nach Generalprobe für das Salzburg-Match: "Können in jedem Stadion gewinnen" - Densivmann Barry Opdam ist Realist: "Klar hat Sevilla mehr Qualität als Mattersburg"

Sevilla - Ein 1:0-Auswärtssieg beim Champions-League-Teilnehmer Atletico Madrid war Kraftfutter für das Selbstvertrauen der Fußballer des FC Sevilla vor dem Rückspiel in der ersten Runde des UEFA-Cups am Donnerstag (20.30 Uhr/live ORF 1) gegen Red Bull Salzburg. "Dieser Sieg lässt uns daran denken, dass wir in jedem Stadion gewinnen können", frohlockte Sevilla-Coach Manolo Jimenez.

Also auch im Salzburger EM-Stadion Wals-Siezenheim, wobei dies durch den 2:0-Polster aus dem Hinspiel für den Aufstieg in die Gruppenphase gar nicht nötig wäre.

"Sevilla ist ein Fels"

Sevilla überzeugte durch eine solide Mannschaftsleistung. Auch die Sportzeitung "As" war von der Kompaktheit der Andalusier angetan: "Sevilla ist ein Fels und Atletico weit davon entfernt, ein Hammer zu sein. Die Burschen von Jimenez nahmen die Punkte mit, ohne etwas von einem anderen Stern zu zeigen. Ein Geistesblitz reichte, um einem direkten Rivalen in der Liga den Kinnhaken zu versetzen."

Auch das zweite große Sportblatt Spaniens, "Marca", konzedierte Sevilla vor allem eine starke Defensivleistung. Nach dem frühen Siegestreffer von Luis Fabiano (21.) verlegte sich Sevilla nämlich darauf, das Spiel zu kontrollieren. Während zuerst noch Aldo Duscher, Christian Romaric und Enzo Maresca hinter Stürmer Fabiano für Druck sorgen sollten, wurde im Lauf des Spiels zunehmend das Mittelfeld verstärkt, um den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. "Es war ein Beispiel purer Professionalität, in das sich niemand verlieben konnte", ätzte "As", "aber das war auch nicht das Ziel gewesen."

"Wir müssen einfach mit dem Ball leben"

Jimenez war zufrieden: "Hätten wir uns zurückdrängen lassen, wäre es uns schlecht ergangen. Wenn wir dem Gegner die Initiative überlassen, leiden wir immer schrecklich. Wenn wir es schaffen, den Ball zu halten, haben wir schon viel gewonnen. Wir müssen einfach mit dem Ball leben."

Personalmäßig macht Trainer Jimenez vor dem Salzburg-Spiel noch Aquivaldo Mosquera Sorgen. Der Verteidiger aus Kolumbien laboriert an einer Knöchelverletzung, die ihn noch mindestens zwei Wochen außer Gefecht setzt. Im Match gegen Atletico fehlte auch der Mali-Internationale Frederic Kanoute.

Salzburg hofft auf kleines Wunder

Red Bull Salzburg braucht am Donnerstag indes eine Europacup-Sternstunde. "Wir hoffen auf das kleine Wunder gegen Sevilla", meinte Stürmer Alexander Zickler, der mit seinen Kollegen am Samstag in Mattersburg den ersten Liga-Auswärtssieg seit 30. März eingefahren hat.

Das 2:1 im Burgenland war eine Moralinjektion zur rechten Zeit. "Das war ein positives Erlebnis, auf das wir so lange gewartet haben. Das hat uns noch einmal mehr motiviert, das wollen wir jetzt ins Match gegen Sevilla mitnehmen", erklärte Zickler, der nach wie vor seine Form sucht und noch ohne Saisontreffer ist. "Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass die Mannschaft trifft", stellt sich der Liga-Schützenkönig 2007 und 2008 ganz in den Dienst der Mannschaft.

"Intelligente Einkaufspolitik von Red Bull"

Mehr Glück beim Abschluss hat derzeit Robin Nelisse, der ablösefreie Neuzugang aus den Niederlanden sorgte in Mattersburg als Joker für das Entscheidungstor. "Das war nicht das erste Mal, dass Robin uns geholfen hat. Das war eine gute und intelligente Einkaufspolitik von Red Bull", meinte Trainer Co Adriaanse über seinen Landsmann. Auch Johan Vonlanthen hat sich wieder stark zurückgemeldet, doch der Schweizer steht nicht auf der Salzburger UEFA-Liste und ist damit nicht fürs Sevilla-Match spielberechtigt.

Barry Opdam, der gegen Sevilla die Defensive der Salzburger zusammenhalten soll, ist fürs Retourmatch gegen die Andalusier zuversichtlich: "Klar hat Sevilla mehr Qualität als Mattersburg. Aber wir haben Selbstvertrauen getankt. Wir müssen mindestens zwei Tore schießen, ich hoffe aber auf drei."

Erinnerungen an Austria Salzburg

Das Kunststück, einen Zweitorerückstand wettzumachen, ist in Salzburg bereits einmal gelungen, allerdings einem anderen Verein, der nunmehr unterklassigen Austria Salzburg. In der Saison 1993/94 wurde im UEFA-Cup-Achtelfinale Sporting Lissabon nach einer 0:2-Auswärtsniederlage daheim noch mit 3:0 nach Verlängerung aus dem Bewerb geschossen.

Im Hinspiel in Portugal waren die Salzburger klar unterlegen gewesen und mit dem 0:2 noch sehr gut bedient gewesen. Zwei Wochen später war dann die große Wende geglückt, die Treffer im alten Stadion Lehen hatten Leo Lainer (48.), Adi Hütter (91./jetzt Trainer des Red Bull Juniors Salzburg) und Martin Amerhauser (113./jetzt GAK-Spieler in der Regionalliga Mitte) erzielt. Nach dem Aufstieg gegen Sporting hatte die Euphoriewelle die Salzburger über Eintracht Frankfurt und den Karlsruher SC hinweg bis ins UEFA-Cup-Endspiel getragen, dort musste sich die Truppe von Trainer Otto Baric und Präsident Rudolf Quehenberger dann Inter Mailand zweimal 0:1 geschlagen geben.(APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein 1:0 gegen Atletico als Moralinjektion.

Share if you care.