Brennpunkt Europa: Hier wirkt sich der Wandel besonders stark aus

29. September 2008, 14:20
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Europäische Umweltagentur veröffentlicht Klimareport - unser Kontinent erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt

Kopenhagen - Die Temperatur steigt in Europa schneller als im weltweiten Durchschnitt. Die Alpengletscher schmelzen rasch, und viele Mittelmeerregionen haben jetzt schon 20 Prozent weniger Regen als vor einem Jahrhundert. Zugleich hat die Zahl der Flutkatastrophen drastisch zugenommen. Das sind nur einige der alarmierenden Aussagen des Klimareports, den die Europäischen Umweltagentur (EEA) in Kopenhagen am Sonntag veröffentlicht hat.

Es sei dringend nötig, die weltweite Temperatur nicht höher als zwei Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau steigen zu lassen. Nur so könnten irreversible Schäden für Mensch und Umwelt vermieden werden, heißt es in dem Report, an dem auch das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation für Europa und das Forschungszentrum der Europäischen Kommission beteiligt waren.

Die Kernaussagen des Reports:

TEMPERATUR - Die Temperatur in Europa ist seit der Industrialisierung im Durchschnitt um 1,0 Grad Celsius gestiegen, weltweit dagegen nur um 0,8 Grad. Auch für die Zukunft sagt der Report für Europa einen Anstieg von 1 bis 5,5 Grad voraus, der höher ist als der weltweite Schnitt.

GESUNDHEIT - Der Klimawandel hat große Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Allein der Hitzesommer 2003 führte in zwölf europäischen Ländern zu insgesamt 70.000 Todesfällen. Solche Hitzewellen wird es dem Report zufolge künftig häufiger geben - die Zahl der Opfer wird entsprechend steigen. Auf der anderen Seite gibt Hinweise darauf, dass im Winter immer weniger Menschen sterben. Aber das könnte auch andere Gründe als das Klima haben, etwa eine bessere Vorbeugung gegen Krankheiten. Insgesamt muss sich nach Ansicht der Experten das Gesundheitssystem an die Hitzewellen anpassen und vor allem für ältere Menschen sorgen.

FLUTKATASTROPHEN - Die Zahl der Überflutungen ist stark gestiegen. Seit 1990 zählt der Report 259 große Fluss-Überschwemmungen, davon allein 165 seit dem Jahr 2000. In den nächsten Jahrzehnten soll sich dieser Trend fortsetzen.

NATUR - Einige Fischarten sind in den vergangenen 40 Jahren um etwa 1.000 Kilometer nordwärts gezogen. Von den 120 europäischen Säugetierarten sind in diesem Jahrhundert bis zu neun Prozent bedroht - wenn sie nicht auswandern. Pflanzen steigen aufgrund des Klimawandels in immer höhere Bergregionen. Zum Ende des Jahrhunderts könnten daher bis zu 60 Prozent der Pflanzen in den Bergen vom Aussterben bedroht sein.

GLETSCHER UND SCHNEE - "Die europäischen Gletscher schmelzen rasch", schreiben die Experten. Die Alpengletscher haben seit 1850 bereits zwei Drittel ihres Volumens verloren. Besonders schnell ist die Abnahme seit 1980. Die Schneedecke hat in den vergangenen 40 Jahren bereits um 1,3 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen.

LANDWIRTSCHAFT - Die Agrarsaison ist in Nordeuropa länger, in einigen südlichen Regionen dagegen kürzer geworden. Zugleich befürchten die Experten mehr Unwetter und damit auch mehr Schäden. Viele Pflanzen blühen und reifen laut Report zwei bis drei Wochen früher, was das Risiko von Frostschäden erhöht.

WÄLDER - Die Wälder wachsen schneller als vor 100 Jahren, weil sie mehr Stickstoff sowie Kohlendioxid erhalten und die Temperatur höher ist. Der Klimawandel wird, so der Bericht, einige Arten bevorzugen und andere benachteiligen. Insgesamt werden sich durch die höheren Temperaturen aber mehr Baumschädlinge verbreiten, zudem steigt das Risiko von Waldbränden, wie die Experten schreiben.

WIRTSCHAFT - Etwa 90 Prozent der Naturkatastrophen in Europa seit 1980 sind direkt oder indirekt auf Wetter und Klima zurückzuführen - keinesfalls alle jedoch auf den Klimawandel. Die wirtschaftlichen Schäden durch solche Katastrophen sind nach Angaben der Forscher von 7,2 Milliarden Euro im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 1989 auf jährlich 13,7 Milliarden Euro von 1998 bis 2007 gestiegen. (APA/red)

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    Sommer 2008 in Mazedonien: Der Wasserpegel im Fluss Vardar erreicht einen noch nie dagewesenen Tiefststand.

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