Helle Begeisterung im Dunkeln

29. September 2008, 12:40
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Lob für die F1-Premiere unter Flutlicht - Lauda: "Das Beste, was ich je gesehen habe" - Ecclestone: "Die Zukunft"

Singapur - Singapur hat die Formel 1 verändert! Nach dem gelungenen ersten Flutlicht-Nachtrennen der Geschichte herrschte fast einhellige Begeisterung über die unter Millionen Lichtern inszenierte Show auf dem Stadtkurs in der asiatischen Metropole am Äquator. Selbst der abgebrühte Niki Lauda gab sich beeindruckt. "Das Beste, das ich je gesehen habe", urteilte der dreifache Weltmeister in Singapur.

"Wie die funkelnde Halskette einer schönen Frau"

Auch im Stadtstaat selbst gab man sich am Tag nach dem überraschend von Fernando Alonso gewonnenen Rennen begeistert. "Historisches Nachtrennen verblüfft die Welt. Der Sieger heißt Singapur", titelte etwa die "Straits Times" und schrieb weiters: "In dieser Nacht wurde Geschichte gemacht." Beeindruckt zeigten sich die internationalen Medien vor allem von den einmaligen TV-Bildern. "Singapur lässt den glamourösesten Sport in tausend Lichtern erstrahlen. Wie die funkelnde Halskette einer schönen Frau... ", hatte zuvor selbst die konservative Londoner "Times" gemeint.

Kein Wunder also, dass sich der 77-jährige Bernie Ecclestone angesichts seines gelungenen Coups freute wie ein kleines Kind. "Beeindruckend, was Singapur in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat. Das ist die Zukunft", urteilte der Showmaster und Promoter der Formel 1, der für seine Idee eines Flutlichtrennens lange belächelt worden war.

Auch wenn die Geburtswehen beim Spektakel unter den Wolkenratzern der tropischen Finanzmetropole unübersehbar waren - Taxifahrer und Einwohner klagten über die tagelang blockierten Straßen, die Betreiber der innerhalb der Rennstrecke liegenden Shopping-Malls über fehlende Käufer, die Streckenposten waren zum Teil noch überfordert - dürfte sich also der Mut von Singapur gelohnt haben. Das Wetter spielte auch mit, denn erst am Montag kam der große Regen.

"Singapur ist nun in aller Munde"

75 Mio. Euro hatte man aufgewendet, um die Show für fünf Jahre veranstalten zu können. Rund 40 Mio. muss man allein an Lizenzgebühr an Ecclestone hinblättern. "Es ist es aber wert. Singapur ist nun in aller Munde", sagte Premierminister Lee Hsien Loong mit Blick auf den Imagegewinn bei geschätzten 500 Mio. TV-Zusehern weltweit.

Ob nun aber auch andere Veranstalter aufspringen, bleibt abzuwarten. Das praktisch in der gleichen Zeitzone wie Singapur liegende Malaysia hat ein Nachtrennen in Sepang wegen der exorbitanten Kosten bereits abgelehnt, und auch Australien wehrt sich nach wie vor heftig gegen entsprechende Ecclestone-Pläne. Der will bekanntlich zwei Fliegen auf einen Schlag erledigen und Flutlicht-Rennen mit günstigeren TV-Zeiten in Europa verknüpfen.

"Australien wird sich angesichts der Bilder aus Singapur in den Hintern beißen. Das hier schlug alles, was Ecclestone bisher gemacht hat", ist aber Ex-Weltmeister Keke Rosberg überzeugt, und Norbert Haug von Mercedes stimmte ein. "Das Rennen hier war jeden Dollar wert. Das waren die besten Formel-1-Bilder, die die Welt jemals gesehen hat." Gerhard Berger von Toro Rosso war ebenfalls angetan, sah aber verschmitzt auch auf die kommerziellen Interessen Ecclestones. "Es scheint, als ob Bernie wieder einmal alles richtig gemacht hat."(APA)

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    Kimi Raikkonen, noch nicht in der Mauer.

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