Abschwung verschärft sich

29. September 2008, 11:34
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Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria liegt im September auf dem tiefsten Wert seit über sechs Jahren, eine Trendwende wird nicht vor Mitte 2009 erwartet

Wien - Österreich nähert sich mit Riesenschritten dem "Konjunkturtal". Bei Neuaufträgen hat es einen drastischen Einbruch gegeben, die heimische Produktion und die Beschäftigung sinken. "Der Abschwung in der österreichischen Industrie hat sich verstärkt und erweist sich als sehr hartnäckig", so der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, am Montag in einer Aussendung.

Der saisonbereinigte Bank Austria Einkaufsmanagerindex ist von 48,6 im Vormonat auf nur noch 46 Punkte im September gesunken. Der Indikator befindet sich damit bereits den sechsten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und hat den tiefsten Stand seit 80 Monaten erreicht, hieß es.

Abwärtsbewegung auf breiter Ebene

Die Abwärtsbewegung vollziehe sich auf breiter Ebene - alle Teilkomponenten tendieren nach unten. Die negative Entwicklung der Neuaufträge habe den Gesamtindex "besonders stark nach unten gezogen", so der Bank-Austria-Experte. Der Rückgang auf 42,1 Punkten sei sogar der stärkste in der Geschichte des Einkaufsmanagerindex auf den tiefsten Wert seit dem Herbst 2001.

Das negative internationale Geschäftsumfeld wirke sich besonders stark auf die Entwicklung der heimischen Industrieunternehmen aus, denn der Index für neue Exportaufträge sei noch nie so deutlich eingebrochen, wie in diesem September. "Die Exportnachfrage hat unter dem Eindruck der ungünstigen globalen Rahmenbedingungen mittlerweile seine Rolle als Wachstumsträger der österreichischen Industrie und damit als Impulsgeber der Gesamtwirtschaft verloren", meint Bruckbauer.

Trendwende später als erwartet

Der Index für den Auftragsbestand habe aufgrund des Nachfrageeinbruchs den "stärksten Rückgang seiner Geschichte" verzeichnet und sei "auf den tiefsten Wert überhaupt" gesunken. Auf diese dramatische Entwicklung hätten die heimischen Industrieunternehmen mit sofortigen Kapazitätsanpassungen reagiert, hieß es in der Aussendung. "Die Produktion wurde im September noch stärker als in den Vormonaten zurückgefahren und die Anzeichen für ein längeres Anhalten der Schwäche der österreichischen Industrie haben sich verdichtet, daher wird auch weiter Beschäftigung abgebaut", sagte Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Nach Ansicht der Ökonomen sprechen einige weitere Faktoren dafür, dass die Industrie länger mit "härteren Zeiten" rechnen muss und eine Trendwende somit erst später eintreten werde, als ursprünglich erwartet. Das schwierige globale Geschäftsumfeld veranlasste die österreichischen Industrieunternehmen zu erhöhter Vorsicht und verstärktem Kostenbewusstsein, was sich im September in der erstmaligen Schrumpfung der Vormateriallager im laufenden Konjunkturzyklus widergespiegelt habe. Auch der Rückgang der Einkaufsmenge habe sich drastisch beschleunigt.  (APA)

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