Ein ziemlich rechtes Land

28. September 2008, 20:06

Nein, die Haider/Strache-Wähler sind nicht alle selbst extrem rechts. Sie protestieren halt

30 Prozent für Leute, die den Nationalsozialismus verharmlosten (Haider), mit Neo-Nazi-Freunden beim "Wehrsport" im Wald herumkrochen (Strache), von Skinheads umgeben sind (Strache), gegen "Ausländer" hetzen (Haider, Strache), mit europäischen Rechtsextremen gemeinsame Sachen machen (Haider, Strache), mit dem Antisemitismus spielten (Haider), gegen Muslime hetzen (Haider, Strache ganz besonders) und Kontakte mit der Serbischen Radikalen Partei aufbauen, deren Gründer Vojislav Šešelj vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal steht (Strache).

Macht nix. 30 Prozent wählen zwei extrem rechte Parteien, die durch Spaltung aus einer extrem rechten Partei hervorgegangen sind. Österreich ist wieder Spitze in Europa.

Nein, die Haider/Strache-Wähler sind nicht alle selbst extrem rechts. Sie protestieren halt. Gegen die Ausländer im Gemeindebau, gegen die Zumutung, nicht mit 57 in Pension gehen zu dürfen, und gegen die Unfähigkeit von SPÖ und ÖVP, Zukunftsängste zu nehmen.

Aber das Drittel, das Haider und Strache gewählt hat, stört die extrem rechte Ausprägung nicht. Autoritäres, fremdenfeindliches, antiliberales bis extrem rechtes Gedankengut gehört in Österreich zum Mainstream. Es hat sich gebessert - blanken Antisemitismus wie vor 20 Jahren gibt es nicht mehr. Aber insgesamt ist Österreich (aus sozio-historischen Gründen) in seiner Mentalität "rechter" als etliche andere europäische Länder. Die Grundeinstellung sehr vieler Österreicher ist "sozial" (der "kleine Mann" muss gefördert werden) und national (soziale Leistungen nur für "echte Österreicher"). Wer glaubt, dass das nicht passiert, wendet sich nicht nach links/grün/liberal, sondern nach ganz rechts.

Ein Drittel wählte extrem rechts, allerdings verteilt auf zwei Parteien (Schüssel hat angeblich der Hydra ein Haupt abgeschlagen, es sind ihr zwei nachgewachsen). Haider und Strache haben ihren Endkampf noch auszutragen. Das rechte Potenzial kann aber auch wieder zu einer der "Großparteien" zurückfließen.

Zu befürchten ist freilich, dass ÖVP wie SPÖ sich jetzt (noch) rechter als bisher geben werden. Oder gar eine Kooperation/Koalition mit rechts versuchen. Aber die nichtrechten Parteien müssten im Gegenteil endlich die rechten beinhart konfrontieren, gerade auf den angstbesetzten Feldern der Wähler: Ausländer, EU, soziale Sicherheit. Der rechtsanfällige Wähler will Kompetenz und Überzeugungskraft sehen, nicht Herumgerede hören. SPÖ und ÖVP faseln von "strengen Gesetzen", aber die Türkenbuben ohne gescheite Ausbildung und Job schrecken trotzdem die Pensionisten im Park. Eine mutige, kraftvolle Politik bestünde darin zu sagen: "Diese Zuwanderer werden nie mehr weggehen, aber das ist unser Programm, um sie wirklich zu integrieren. Leute, das ist die Realität, und so werden wir sie bewältigen."

Werden der freundliche Faymann und/oder der lustige Josef Pröll dazu den Mumm und das Format haben?

Ja, wir leben in einem ziemlich rechten Land. Bisher hat man darauf weich, mutlos, verlogen, dummschlau, falsch reagiert. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2008)

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Drago Mlanovic 
30.09.2008 11:57

dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Roger Vailland
29.09.2008 23:03
Es ist schoen zu wissen,

dass es wenigsten noch eine LINKE PRESSE in diesem RECHTEN LAND gibt ! Weiter so im Widerstand !

In einem anderen rechten Land (Frankreich) gab es nach der Wahl derartige Stellungsnahmen in der "linken" Presse NICHT, die gibt es nach ueber einem Jahr NS nicht mehr ...

ricko
30.09.2008 14:07
der standard ist NICHT links!

sondern per def MITTE.
Bitte vorher ausreichend erkundigen!

F F
01.10.2008 12:17

Der Standard ist ÖVP-Nahe daher rechts

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30.09.2008 08:44
vous fumez quoi, exactement?...

kopfsalat
29.09.2008 19:45
gruppenpsychologie

haider und strache schaffen es meiner meinung nach leute durch maennliches fuehrungsverhalten zu ueberzeugen.
molterer und faymann sind dagegen einfach unmaennlich.
der eine ist ein nervender verlierertyp, und der andere ein geschminkter schleimer.
der vdb ist mehr wie so ein weiser, halb zurueckgezogener alter.

ob das bei einer wahl im 21. jahrhundert wesentlich sein sollte, ist eine andere frage, aber ich denke es laesst sich nicht ignorieren.

eh´wurscht
29.09.2008 19:14
Das gäbe Grund zur Hoffnung:

"Diese Zuwanderer werden nie mehr weggehen, aber das ist unser Programm, um sie wirklich zu integrieren. Leute, das ist die Realität, und so werden wir sie bewältigen."
Aber solang das Gegenteil zum Vorteil von Provinzchargen gereicht, wirds so bleiben. Und vermeintliche Politiker weiter Zulauf haben.

Piotr Vesdantaleric
29.09.2008 18:19
Die Konsequenz

Allen jenen, die aus Protest Orange oder Blau gewählt haben, wünsche ich zutiefst einen Westenthaler als Innenminister, einen Petzner als Wirtschaftsminister, eine Rosenkranz als Familienministerin und an Strache als Aussenminister an den Hals.
Denn Dummheit kann man nicht vernünftig wegdiskutieren, Dummheit muss fühlen...

Titus Petronius
29.09.2008 18:16
Armer Herr Rauscher

Die Roten, die von 70% der Bevölkerung abgelehnt wurden, stellen immerhin wahrscheinlich den Bundeskanzler. Die fast 60% der Leute, die rechts der Mitte gewählt haben, weil sie genau das nicht wollen, sind wohl eher die bedauernswerten.

Markus Pirchner
29.09.2008 17:28
Die Rolle

der Medien bei der Verharmlosung der Rechten wäre ein lohnender Untersuchungsgegenstand. Meiner Meinung nach trägt sie einen Teil der Schuld, dass das Protestpotenzial in die rechte Richtung kanalisiert wird.

Mucosaprolaps
29.09.2008 18:16

Vor allem - die Krone.

Karl Bergerle
29.09.2008 17:09
Nein, die Haider/Strache-Wähler sind nicht alle selbst extrem rechts. Sie protestieren halt.

aber man könnte seinen Protest auch bei anderen Parteien austoben, also da gab es LIF, DIE CHRISTEN, KPÖ, Fritz Dinkhauser, DIE LINKEN, Die Tierschutz-Partei - warum mußten soviele ihr Kreuzerl bei den extrem-rechten machen, wenn es doch auch genau so viel andere Parteien gab?

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30.09.2008 20:06
nein, sie protestieren nicht...

...sie sind xenophob, rassistisch und rechtsextrem.

ihre letzte frage ist bereits in sich ihre eigene antwort.

Khun Khuat
29.09.2008 17:27
"..insgesamt ist Österreich (aus sozio-historischen Gründen) in seiner Mentalität "rechter" als etliche andere europäische Länder.."

So ein UNSINN!
Welche sollen das sein??
Entweder kennt der liebe mann die anderen europaeischen Laender nicht oder er is einfach dumm.
Ja, es gibt sie hier, die "echten" Rechten, die Unverbesserlichen, Unbelehrbaren..
aber es ist NICHT schlimmer als in den anderen Laendern!
Die einzigen Ausnahmen sind einige der noerdlichen laender. aber ansonsten gibt es ausnahmslos ueberall mehr Antisemitismus, Auslaenderhass, Diskriminierungen, Hetzparolen der "Politiker" usw.
Und ausgerechnet DIE laender mit riesigen Problemen in diesem Bereich (Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Ungarn usw.) sind diejenigen, die sich bemuessigt fuehlen auf das kleine "Naziland" einzupruegeln!!
Es is traurig, das es auf rechter seite nur verlogene Populisten wie

ein mensch
30.09.2008 16:56
Jedenfalls klar ist, dass berührungsängste mit rechten sprücheklopfern und extrempolitikern

bei den wählern von fpö-bzö nicht besonders ausgeprägt sind.
Und das ist sicherlich im zusammenhang mit der opferrolle nach dem fall des 3. reiches zu sehen.

Ich folgere daraus, dass überzeugung und gesinnung auch bei dieser wahl für viele wähler kein besonderer wahlgrund gewesen sind.

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30.09.2008 08:56
ich kenne andere europaeische laender sehr gut...

...und kann sie versichern, dass in sachen rechtsextremismus, xenophobie, rassismus und antisemitismus (und vor allem deren strafrechtlicher verfolgung) die laender frankreich, grossbritannien und deutschland menschenrechtlich eindeutig besser dastehen als oesterreich.

was angesichts der tatsache, dass die probleme dort tatsaechlich welche sind einiges an respekt abnoetigt.

und eben das berechtigt diese laender sich in schen rechtsextremismus in oesterreich fragen zu stellen und diese auch oesterreich zu stellen.

immerhin zb jenes land, in dem der hausdichter des kleinstformatigen, dennoch meistgelesenen mistblattls des landes zu hitlers geburtstag jubeloden ersinnt.

g'schamster...

F F
30.09.2008 17:56

Meinen sie mit besser dastehen die gewaltbereite Rechte in Deutschland?

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01.10.2008 10:44
sie meinen die, die von hc finanziell...

...und organisatorisch unterstuetzt wird/wurde?

mir ist zb unbekannt, dass die fpoe oder das bzoe vom verfassungsdienst observiert wuerden.

ja: die dt. sind da besser drauf.

robinsons freitag
29.09.2008 16:55
Was unsere Situation so einzigartig macht, ist


dass 99% aller hier im Land lebenden, im Weltmaßstab gut leben, von Links bis Rechts.

Künstlersubventionen fließen, Flüchtlinge bleiben letztlich dennoch, geschimpft und lamentiert (und publiziert) wird nach Herzenslust und wer sich zu Tode schämt, lebt besonders lang.
Die Globalisierungsängstler und Türkennachbarnfürchter schimpfen um dann ins soziale Netz zu fallen.
Wer Arbeit hat oder Unternehmer ist, kann es sehr weit bringen und Staat und Bürokratie sind vergleichsweise effizient.

Wären nicht gestern Wahlen gewesen, würden auch unsere lieben Kritiker im Ausland alles wunderbar finden, obwohl vorgestern alles genau so war wie heute und morgen.

Fürchten müssen wir uns alle nur vor wirtschaftlichem Niedergang, denn da wird’s ernst!

alleswasmansagtistwahr
29.09.2008 16:29
Viel zu oberflächlich. Dass die Wähler lediglich Veränderung wählen, ist der oberflächlichste Quatsch überhaupt, der jetzt verbreitet wird. Ganz im Gegenteil.


Die Wähler sind (struktur)konservativer denn je. Gesamtschule? Alles nur das nicht! Grundeinkommen? Um Gottes willen! Vielfalt? Ein Graus!

Nachdem in den letzten 130 Jahren die Arbeiterbewegung den untersten Schichten ein halbwegs erträgliches Auskommen (Krankenkassen, Pensionen...) erkämpft hat, sind diese konservativ geworden. "Mein, mein, nur mir - und ja niemand auf die gleiche Ebene kommen lassen!"

Und genau darauf beruht der Fremdenhass: Der Immigrant ist ja auch der einzige, der sozial unter dem Prekariat steht. Es geht um Status, nicht um Einkommen. Nix Homo Oeconomicus!

Dieser ekelhafte Backlash hat eben erst begonnen - und wird vermutlich so lange dauern, bis es wieder genügend Arme gibt, um eine linke Bewegung zu tragen.

der gerüchterstatter 
29.09.2008 18:03

naja - bzö ist für die gesamtschule, fpö dagegen

alles nicht so einfach, wie man es gerne hätte

alleswasmansagtistwahr
29.09.2008 18:11
Ich meine das nicht rein parteipolitisch.

Tatsache ist, dass die Gesamtschule in der Bevölkerung mehrheitlich auf Ablehnung stößt - obwohl alle Bildungsstudien dafür sprechen.

Warum? Weil diejenigen, die selbst in einer AHS waren oder ihre Kinder in einer unterbringen konnten ihren Vorteil sich abheben zu können nicht missen wollen.

GOTT (himself)   
29.09.2008 15:09
Sehr geehrter Herr Rauscher! Ihre Präpotenz, glauben zu wissen, was die FPÖ/BZÖ-Wähler denken/glauben in allen Ehren - es wird dadurch nicht richtiger.


Fakt ist: 30% der Wähler gehen lieber zum Schmied als zum Schmiedl.
Die ÖVP ist in ihrem Wahlkampf und sonstigen rhetorischen Repertoire nur Nuancen weniger rechts als Haider & Co.
Und die SPÖ lässt sich seit vielen Jahren genussvoll auf "rechte" Themen ein.

Die Stärke von BZÖ/FPÖ ist ein reiner Mangel an Alternativen.
SPÖ/ÖVP vertreten schon lange nicht mehr das Volk und sind daher zurecht für einen großen Teil der Bevölkerung unwählbar.
Die Grünen haben sich derart an die ÖVP angebiedert, dass sie als Protestpartei ausschieden.

Und dann? Da bleibt nichts mehr!
Wer FPÖ/BZÖ wählte will in erster Linie Veränderung.
Aber Leute wie sie oder die Parteisekretäre werden das nie verstehen, weshalb diese Parteien noch viel Erfolg haben werden!

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30.09.2008 13:09
woraufhin nehmen sie eigentlich an...

...dass die waehler des dumpfen rechtsextremismus ueberhaupt denken?

Außerirdischer
29.09.2008 15:37
Sie kennen aber schon die Theorie, wonach einen das am anderen am meisten ärgert, was man selber ist?

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