Meinungsumfragen machen Meinung: Relativ gut? Relativ schlecht?

28. September 2008, 20:00
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Als Stimmungsbarometer haben Umfragen also durchaus ihren Wert - Was aber wirklich zählt, sind Wahlergebnisse - Von Conrad Seidl

Es hätte viel schlimmer kommen können für Werner Faymann und seine SPÖ: Im Frühsommer hatte es Umfragen gegeben, die die damals noch von Alfred Gusenbauer geführten Sozialdemokraten nur knapp über 20 Prozent gesehen haben - verglichen damit ist das Wahlergebnis tatsächlich das Ergebnis einer Aufholjagd. Faymann hat sich also relativ gut geschlagen.
Das gilt aber nur, wenn man das Ergebnis in Relation zu den älteren Meinungsumfragen betrachtet.
Umfragen sind allerdings - wie Meinungsforscher selber immer wieder betonen - nur Stimmungsbilder. Sie können recht gut abbilden, wie es um die einzelnen Parteien in einer bestimmten Situation steht. In Wahlkampfzeiten können sie auch recht gut - also auf ein, zwei Prozentpunkte genau - das Wahlergebnis vorhersagen. Und vor allem können sie erklären, welche Motive die Anhänger einzelner Parteien haben und welche Botschaften der Politiker mehr oder weniger Resonanz finden.
Als Stimmungsbarometer haben Umfragen also durchaus ihren Wert. Was aber wirklich zählt, sind Wahlergebnisse.

Wahlergebnisse dürfen seriöserweise nur mit vorherigen Wahlergebnissen und nicht mit Umfrageergebnissen verglichen werden. Misst man also Werner Faymanns Wahlerfolg nicht an Gusenbauers Umfragewerten, sondern an den Wahlergebnissen, die Gusenbauer erreicht hat, dann muss man von einem relativ schlechten Abschneiden sprechen. Das muss man in den nächsten Tagen im Hinterkopf behalten: Gemessen an den Wahlen 2006 haben nur BZÖ und FPÖ dazugewonnen. Alle anderen haben verloren. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2008)

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