Sympathie für Schlächter

28. September 2008, 20:03
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Der Serienkiller "Dexter" kommt am Montag im ORF um 22.40 Uhr auf Besuch - Ein amerikanischer Psychopath mit perfekter Tarnung

Wien - Es wäre so leicht, den TV-Serienkiller Dexter Morgan zu enttarnen, wenn - ja wenn Polizisten nur mehr oder zumindest die richtigen Bücher lesen würden.

"Dr. Patrick Bateman", nennt sich der Forensiker Dexter (Spezialgebiet: Blutspurenanalyse!) in der Datenbank der staatlichen Drogenbehörde. Dort bezieht er die Betäubungsmittel, mit denen er seine Opfer lähmt, bevor er sie tötet. Bateman, so heißt auch Bret Easton Ellis' perverser Yuppie-Killer in "American Psycho" - wohl eine der blutrünstigsten Figuren der Weltliteratur.

Mörder ermorden

Der Name ist Programm: Genau wie Bateman verfügt auch Serientäter Dexter über die perfekte Tarnung. Tagsüber hilft der sympathische Jüngling der Polizei in Miami bei der Verbrechensaufklärung. Er bringt Donuts mit, ist zu jedermann freundlich. Er hat eine Freundin, die an Sex nicht interessiert ist, was Dexter sehr zupass kommt.

Als "reinliches Monster", wie er selbst über sein wahres Ich sagt, kann er andere Körperflüssigkeiten als Blut ganz schlecht vertragen. Und wie bei Bateman braucht es nur Nacht zu werden, und auf einmal kann es gar nicht blutig genug sein.

Es fließt viel Blut

Doch Dexter tötet nicht irgendwen. Es sind die Mörder selbst, die sterben müssen. Sie bluten, denn der smarte Irre hält sich für den Weltenrichter. Und das Schlimme daran: Die Zuseher finden ihn trotzdem sympathisch und begeben sich so geradewegs in Dexters selbstjustizlerische Falle. Gut und Böse sind bald nicht mehr zu unterscheiden. Darin liegt die Qualität der Serie.

Es fließt viel Blut in "Dexter", und der ORF tut gut daran, die unheimlichen Gewaltexzesse von "Dexter" ins Spätprogramm zu verbannen.

Dem US-Kabelsender Showtime verhalf die Serie zu einem der größten Erfolge seiner TV-Geschichte. Unter den Drehbuchautoren scheint James Manos Jr. auf, der "Sopranos"-Folgen schrieb, als Regisseur Robert Lieberman. Der ließ schon Agent Mulder die gruselige "Akte X" durcharbeiten.

Erfahrung mit dem Tod

"Dexter"-Darsteller Michael C. Ball sammelte als schwuler Eigenbrötler in der Bestattungsserie "Six Feet Under" genügend Erfahrungen im Umgang mit Tod und Trauer.

2008 sicherte sich CBS die Ausstrahlungsrechte. Ab Oktober tötet "Dexter" dort bereits in der dritten Saison. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2008)

 

  • Hat Hand und Fuß: Serienkiller "Dexter" lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.
    foto: orf

    Hat Hand und Fuß: Serienkiller "Dexter" lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

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