Belgien sucht sicheren Hafen für Fortis

28. September 2008, 18:13
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Dem belgisch-niederländischem Bank- und Versicherungskonzern blüht die Filetierung

Amsterdam / Den Haag - Auch in Belgien jagte am Wochenende eine Krisensitzung die andere. Der Grund: der angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis, bei dem fast jeder zweite belgische Haushalt ein Konto hat. Fortis könnte sich sogar selbst zum Verkauf stellen. Die Gruppe erwäge auch die Aufgabe der erst im Vorjahr für 24 Milliarden Euro erworbenen Bankensparte des ehemaligen Rivalen ABN Amro, berichtete die niederländische Zeitung Financieele Dagblad auf ihrer Internetseite unter Berufung auf nicht näher benannte Kreise.

BNP Paribas sei ein potenzieller Käufer für das gesamte Unternehmen oder auch nur für ABN, während die niederländischen Rivalen ING und die Rabobank das Privatkundengeschäft von Fortis ins Auge gefasst hätten.

Die belgische Zeitung De Standaard berichtete (ebenfalls im Internet), BNP und ING seien die Favoriten für eine Übernahme und hätten bereits Banken zur Beratung beauftragt. Fortis hatte im Juni Kapitalmaßnahmen im Gesamtvolumen von acht Milliarden Euro angekündigt, um seine durch die Finanzkrise und Zukäufe angeschlagene Kapitalbasis aufzubessern. Zudem kämpft es wegen hoher Abschreibungen infolge der Finanzkrise mit Gewinnrückgängen.

Größter privater Arbeitgeber

Die fieberhafte Suche hat gute Gründe, für Belgien steht viel auf dem Spiel: Fortis ist der größte private Arbeitgeber und Hausbank hunderttausender Belgier. Seit Freitag suchte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme die Gemüter zu beruhigen: Kein Sparer werde auf der Strecke bleiben, man lasse niemandem im Regen stehen.

An der Börse war Fortis zunehmend unter Beschuss geraten, der Konzern verlor ein Drittel seines Marktwerts. Am Freitag stürzte die Aktie gar über 20 Prozent ab. Das Geldhaus suchte Marktspekulationen über einen Liquiditätsengpass zu entkräften und kündigte an, mit Vermögensverkäufen bis zu zehn Mrd. Euro einnehmen zu wollen. Fortis-Chef Herman Verwilst trat zurück, ihn ersetzt Filip Dierckx.

Auch die Regierungen der Niederlande und Belgiens, die Regulierungsbehörden und die Zentralbanken berieten fieberhaft darüber, wie das Vertrauen in das Institut wiederhergestellt werden könnte. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf involvierte Kreise, dass die Finanzbehörden eine Reihe von Institutionen kontaktiert hätten, eine bevorzugte Lösung sich aber noch nicht herauskristallisiert habe. Die belgische Finanzbehörde CBFA teilte mit, eine Entscheidung werde vermutlich noch am Sonntag bekanntgegeben. Auch auf niederländischer Seite werde an einer Lösung gearbeitet.  (DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2008)

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