Historisches Debakel für Großparteien - Triumph für FPÖ und BZÖ

28. September 2008 17:21

SPÖ klar vor ÖVP - Grüne nur auf Platz fünf hinter BZÖ, LIF und Liste Dinkhauser schaffen Einzug nicht

Wien - Wien - Die Große Koalition ist bei der vorgezogenen Nationalratswahl 2008 abgestraft worden, profitiert haben davon FPÖ und BZÖ. Stärkste Partei ist laut vorläufigem amtlichen Endergebnis die SPÖ, die mit 29,7 Prozent zwar deutlich einbüßte, aber klar vor der ÖVP blieb, die nur 25,6 Prozent der Wähler überzeugte. Auf Platz drei zurückgekehrt ist die FPÖ, die sieben Prozentpunkte gewann und 18 Prozent einfuhr. In gleicher Höhe legte das BZÖ zu und schaffte mit elf Prozent einen Überraschungserfolg.

Die Grünen verloren leicht auf 9,8 Prozent und fielen von Rang drei auf Platz fünf zurück. Klar den Einzug in den Nationalrat verpasst haben die Kleinparteien wie Liberales Forum und Liste Dinkhauser. Das offizielle amtliche Endergebnis inklusive Wahlkarten wird erst in acht Tagen feststehen.

Großparteien: Schlechtestes Ergebnis der Zweiten Republik

Die Große Koalition hat bei der Nationalratswahl gestern, Sonntag, den größten Verlust der Zweiten Republik erlitten. Gemeinsam büßten SPÖ und ÖVP - laut dem vorläufigen Endergebnis ohne Briefwahl - 14,35 Prozentpunkte Stimmenanteil ein. Noch größer war die Absage an die schwarz-rote Koalition bei der Tiroler Landtagswahl im heurigen Juni: Da verloren ÖVP und SPÖ gemeinsam 19,78 Prozentpunkte und setzten ihre gemeinsame Regierung dennoch fort. Bei der NR-Wahl landeten die beiden - eigentlich ehemaligen - Großparteien auf ihrem historischen Tiefststand. Annähernd große Verluste für die Große Koalition hat es nur im Jahr 1949 gegeben, als die FPÖ-Vorgängerpartei "Wahlpartei der Unabhängigen" erstmals antrat - und im Jahr 1994, als die FPÖ damals unter Jörg Haider auf Erfolgskurs segelte. Den größeren Anteil am Minus für die Große Koalition hat die ÖVP mit 8,72 Prozentpunkten, die im Juli des Jahres die Regierungszusammenarbeit aufkündigte und die Neuwahlen ausrief. Beim bisher größten Minus im Jahr 1994 war es die SPÖ, die damals 7,86 Prozentpunkte bei gemeinsam 12,26 verlor.

Faymann: Kein Rot-Blau

Trotz ihrer Verluste und des schlechtesten Wahlergebnisses der Zweiten Republik stellte die SPÖ den Kanzleranspruch. Partei-Chef Faymann nannte in einer ersten Stellungnahme die ÖVP als ersten Ansprechpartner, er schloss aber auch eine Minderheitsregierung nicht aus. Eine Koalition mit FPÖ oder BZÖ komme für ihn nicht in Frage, hielt Faymann fest. Die hätten in der Regierung nichts verloren.

Molterer: Schmerzhaft

ÖVP-Chef Molterer sprach von einer schmerzlichen Niederlage. Ob er selbst dem ÖVP-Vorstand am Montag seinen Rücktritt anbieten werde, ließ der Vizekanzler am Wahlabend offen. Als Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei nannte er, die Bilanz der Großen Koalition.
Umweltminister Pröll bezeichnete das Abschneiden seiner Partei als "bittere desaströse Niederlage". Seitens der jungen ÖVP gab es Rücktrittsaufrufe Richtung Parteiobmann Molterer.

FPÖ und BZÖ: "Ein Traum"

Die Freiheitlichen zeigten sich mit ihren starken Zugewinnen hochzufrieden, Parteichef Strache stellte umgehend den Kanzleranspruch. Er glaube, dass SPÖ und ÖVP "nicht mehr wirklich den Führungsanspruch stellen können". Dennoch schloss Strache eine Koalition mit der SPÖ nicht aus. Regierungsbereit zeigte sich auch das BZÖ, dessen Spitzenkandidat Jörg Haider sich als eigentlicher Sieger sieht. "Für uns ist das ein Traum", erklärte der Landeshauptmann Kärntens, wo das BZÖ auch klar stärkste Partei wurde.

Enttäuschte Grüne

Ratlosigkeit herrschte bei den Grünen. Bundessprecher Van der Bellen fand das Ergebnis der Seinen zwar anständig, aber doch ein wenig enttäuschend. Parteivize Vassilakou meinte, man müsse nun die Weichen für die kommenden zwei Jahre stellen, wie man die eigenen Themen prononcierter verkaufen könne. Fix weg ist der Posten der Dritten Nationalratspräsidentin, der nun der FPÖ zufällt. Das Liberale Forum verpasste den Einzug in den Nationalrat ebenso klar wie die Liste Dinkhauser und sämtliche andere Kleinparteien. Für die Grünen ist auch das Thema Direktmandate vorerst Geschichte; sie verloren in Wien die beiden 2006 - österreichweit erstmals - eroberten Wahlkreismandate.

Fischer für Sorgfalt

Bundespräsident Fischer sprach sich dafür aus, dass die "Regierungsbildung mit großer Sorgfalt und großem Verantwortungsbewusstsein über die Bühne gehen" sollte. Es gehe nicht um die Frage, entweder schnell oder stabil eine Regierung zu bilden, sagte das Staatsoberhaupt in der "ZiB" des ORF. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 2623
Onkel Hans D.
05.10.2008 22:19


knapp 2 Jahre SPÖ-Bundeskanzler und Haider ist wieder dick da...

K R
29.09.2008 23:49
30% Nazis im österreichischen NR - ein Graus!


aber so ist eben die Wählerschaft

Onkel Hans D.
05.10.2008 22:06


sie verharmlosen den nationalsozialismus...

K R
06.10.2008 20:53
sicher nicht, der hatte auch nicht anders angefangen

Herr Lulli Pulli
 
29.09.2008 18:13
Die Früchte des erbärmlichen Verhaltens

der ÖVP seit der letzten Wahl.

Schüssel, schleich di!

Onkel Hans D.
05.10.2008 22:07


der aktuelle Bundeskanzel heißt Gusenbauer und ist ein SPÖ-Genosse

Evolution 23
29.09.2008 16:39
Umberto Eco. Faschismus.

Grundzüge: Die Negation eines Wissensfortschritts, Irrationalismus, Misstrauen gegenüber der Kultur, die eine kritische Haltung hervorbringen könnte. Jede Opposition gegenüber dem Hegemon gilt als Landesverrat. Angst vor Differenz und ein Rassismus, der aus individueller und sozialer Frustration entsteht. Xenophobie, das Leben als permanenter Krieg, aristokratischer Elitismus, individuelles Opfer zum Wohle der Sache, Machismus, ein durch Fernsehen verbreiteter Populismus, "Neu-Sprach" (kleiner Wortschatz, primitive Syntax). - Der erneuerte Faschismus erscheint nicht immer mit kahlgeschorenem Kopf und tätowiertem Körper auf der globalisierten Mega-Leinwand. Und trotzdem hört er nicht auf, Teil einer unheilvollen Rechten zu sein.

proteus
29.09.2008 17:20

Sie sprechen von der EU?

ghostworld
29.09.2008 17:48

Faschistische Tendenzen sind auch schon außerhalb von Österreich bzw. anderen EU-Staaten beobachtet worden. Die Grundzüge sind immer die gleichen.

Weil der Mensch zahlt.
29.09.2008 15:26
Und jetzt raus aus der EU!

Damit es endlich wieder Essensmarken gibt.

proteus
29.09.2008 17:22

In der Schweiz müssen sich die Menschen bereits von Grasbüscheln ernähren!

Drizzle
 
29.09.2008 18:28

die schweiz ist defacto mitglied der eu, allerdings ohne jegliches mitspracherecht.

His Floness
 
29.09.2008 14:57
Gedanken zur gestrigen Wahl

Das Erschütternde am gestrigen Ergebnis ist, dass der einzige positive Aspekt die Niederlage der ÖVP ist. Cordoba lässt grüßen.
"Wir hams zwar auch nicht geschafft, aber der Favorit steht noch blöder da."

Der Treppenwitz der Wahl ist ein anderer:
Haider sichert der SPÖ, welche sich so vor Haider (ge)fürchtet (hat), den Wahlsieg.

Und setzt somit die strategischen Überlegungen Kreiskys, neben der ÖVP eine zweite Mitte-Rechts-Partei zu etablieren, in die Tat um.
(1970 Minderheitsregierung durch FPÖ vs. minderheitenfreundliche Wahlrechtsreform, 1983
SPÖ-FPÖ Koalition)

Die Koalition wurde 1986 beendet wurde. Wegen, erraten, Haider.

Dass Haider so nebenbei späte Rache an Drachentöter Schüssel nahm, setzt dem Ganzen die "Krone" auf

Bitte Bitte
29.09.2008 15:28
Welcher Favorit bitte?

Zum Treppenwitz: Haider sicherte nicht der SPÖ den Wahlsieg, sondern es gibt selbst im verzopftesten Lager der VP Leute, die nicht mehr mir W&W wollen.

Und Schüssel ist kein Drachentöter, sondern maximal ein Hagen von Tronje, der seine Nibelungen in den Abgrund geführt hat. Pater Willi wird aus dem Boot gestossen und eine Krimhild wird sich auch noch finden.

Lernen sie Geschichte: Das Wehklagen war groß.

His Floness
 
29.09.2008 16:21

1.: Ich schrieb nicht Drachentöter, sondern "Drachentöter". Feiner Unterschied.

2.: Die ÖVP war nach Beendigung der Koalition sehr wohl DER große Favorit.

3.: Die Wählerstromanalyse zeigt deutlich, dass es sehr starke Wählerverschiebungen von der ÖVP zum BZÖ gab.

Lernen SIE Geschichte!

Lorenz Genua
29.09.2008 14:41

Spö und Övp sollten sich unter schwarz-roter Flagge vereinigen.

Annie K.
29.09.2008 14:56

rot-schwarz, wenn schon

Wittgenstein
29.09.2008 14:52
Schwarz-rot?

Vielleicht noch ein "Weiß" dazwischen?

ghostworld
29.09.2008 15:36

oder ein "gold" unten dran

Gerhard Schwarz
 
29.09.2008 14:36
Wenn die SPÖ voll bescheuert ist,

rennt sie den von den Blauorangen Geköderten nach, statt den Roten, die angfressen sind, aber niemals auf die Schnapsidee kämen, deshalb rechts zu wählen.

Gerhard Schwarz
 
06.10.2008 08:25

Die Umsetzung der Voves-Schnapsidee wär das Ende der SPÖ.

Onkel Hans D.
05.10.2008 22:08
Wenn die SPÖ voll bescheuert ist, dann

strebt sie wieder eine sp-vp-Koalition an, und das wollen die Menschen in diesem Land NICHT, minus 14 Prozent!!!!

Wittgenstein
29.09.2008 14:35
Sympromatisch waren zwei Wahlplakate:

1. Das Dümmste (ÖVP): "Wir halten Wort" (ja, über was denn? - Und außerdem weiß man, dass sie es sowieso nicht tun.)
2. Das Zügigste: die variierte Monroe-Doktrin (BZÖ).

grad ischach
29.09.2008 14:34
Die Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte,

für die die beiden (ehemaligen) Großparteien Verantwortung tragen, zeigt Früchte im Wahlverhalten der Wähler.

Carla F
29.09.2008 14:33
Bürgerliche Mehrheit?

Was ist an einer Partei, deren Stimmenzuwachs zu einem Großteil von enttäuschten SPÖ-Proleten herkommt, bitte bürgerlich?

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