Mit Fingerspitzengefühl: iPhone-Spiele im Test

27. September 2008, 10:05
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Mikroben fressen, Rennen fahren - das Prinzip gab es schon immer, aber nun gibt es die fulminante digitale Fortführung

 Das Prinzip gab es schon immer. Etwa in Form von Labyrinthen, die man vorsichtig neigen muss, damit eine Metallkugel ihren Weg finden kann, ohne in ein Loch zu fallen. Schwerkraft begegnet Fingerspitzengefühl. Mit dem Beschleunigungssensor von iPhone und dem mp3-Bruder iPod Touch hat solche elementare Spielerei ihre fulminante digitale Fortführung gefunden.

Ein Schnippchen

Gemeinsam mit dem Touch-Display schlagen die daraus resultierenden Möglichkeiten natürlich auch beim "Mobile Gaming" den konventionellen Tasten, Rädern und Mini-Joysticks anderer Geräte ein Schnippchen. Oder sorgen zumindest für Überraschungs-, Aha- und sonstige Effekte beim Erstkontakt. Die Leute, die das iPhone für das Spielzeug einer Lifestylegesellschaft halten, haben also nicht so unrecht - zumindest mit dem Spielzeug. Denn in dieser Hinsicht wird jetzt wirklich ernst gemacht: Die Produktion professioneller Games für die gehypten Minicomputer kommt gerade erst ins Laufen. Und sie geht weit über das vielbestaunte virtuelle Biertrinken (das Display "füllt" sich wie ein Glas, in das Bier eingeschenkt wird, und "entleert" sich beim Drehen in die durstige Kehle) oder den virtuellen Würfelpoker (Handy schütteln, um zu würfeln) hinaus.

Wider DS und PSP

Apple will den etablierten Mobilkonsolen Sony PSP und Nintendo DS den Rang ablaufen. Da ist zum Beispiel Spore Origin, der Ableger des vielbeachteten PC-Titels, stark vereinfacht als Version für iPhone und iPod Touch (EA, 7,99 Euro über iTunes). Wie beim guten alten Holzlabyrinth sitzt man also da und schwenkt das Teil sachte. Statt der Kugel hat man einen hungrigen, selbstdesignten Mikroorganismus vor sich. Das Labyrinth ist das Meer, in dem man größeren Tierchen ausweichen und kleinere fressen muss. Einfaches, altes Konzept. Weil insgesamt dabei ja nicht gerade sonderlich viel passiert, wurde Wert auf Stimmung gelegt: Nette Lounge-Musik, bunte Farben - eher ein Entspannungsprogramm für Freunde der Psychedelik auf Stresspause. Konventionelle Action bietet ein derzeitiger Verkaufshit: Das Autoraserspiel Asphalt 4 (Gameloft, 7,99 Euro) zeigt, dass iPhone-Spiele nicht besonders innovativ und originell sein müssen, um bei Konsumenten anzukommen.

Fingerspitzengefühl

Auch die Eingabe - man tippt auf den linken und rechten Bildrand, um zu "driften" - ist keine Jahrhundertidee. Immerhin braucht man einiges an Fingerspitzengefühl, um sich richtig in die Kurven zu legen. Online-Ranglisten lassen den iPhone-Besitzer erkennen, wie er beim Fingerspitzengefühl im Vergleich zu anderen abschneidet.

Angespielt

 

Line Rider iRide Erinnert ein bisschen an die Zeichentrickserie "La Linea": Der User malt vielleicht einen Hügel mit Sprungschanze oder einfach irgendwas mit einfachen Linien aufs Display. Dann kommt ein Junge mit einer Rodel und fährt die Linien entlang. Simpel und lustig. (iPhone/iPod Touch, inXile, 2,39 Euro)

Labyrinth Eine originalgetreue Umsetzung des alten Holzlabyrinths, durch das man eine Stahlkugel steuern muss, gibt es natürlich auch: 500 Levels warten. Das Programm scheint ein paar Leute an ihre Kindheit zu erinnern: Es wurde über zwei Millionen Mal heruntergeladen. (iPhone/iPod Touch, Codify AB, Vollversion 5,49 Euro).(Alois Pumhösel/DER STANDARD, Printausgabe vom 27.09.2008)

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