Wiedergänger Jörg Haider

26. September 2008, 20:47
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Kaum ist Jörg Haider an die Spitze des BZÖ zurückgekehrt, geht es mit den Orangen - zumindest in Wahlumfragen - wieder aufwärts - "Gegen die rot-schwarze Schreckensherrschaft" heißt die Wahlbotschaft

Der politische Gegner, vor allem aber der vormalige Regierungspartner ÖVP hatte Jörg Haider nach der Wahl 2006 bundespolitisch so gut wie abgeschrieben. Nur mit knapper Mühe gelang es Haider damals - vor allem in Kärnten -, das Überleben seines orangen Bündnisses, das er von der FPÖ abgespaltet hatte, im Parlament zu sichern. Heute zeigen alle Umfragen übereinstimmend eine mögliche Verdoppelung des BZÖ auf bis zu acht Prozent an.

Jörg Haider ist als Wiedergänger auf die bundespolitische Bühne zurückgekehrt. Mit dem knappen Slogan "Deinetwegen Österreich" zog er im Wahlkampf unermüdlich wie in alten Zeiten, als er noch erfolgreicher FPÖ-Chef und Oppositionsführer war, gegen die "Schreckenskoalition" von Rot und Schwarz zu Felde, um Enttäuschte und Wohlstandsverlierer zu sammeln, aber auch Leistungsträger und Mittelständler, die Angst vor einem wirtschaftlichen und sozialen Abstieg haben, sowie Nichtwähler und Unentschlossene.

Das Konzept scheint auch aufzugehen, zumal Haider der geborene Wahlkämpfer ist und erst im Wahlkampf zu seiner politischen Höchstform aufläuft. Der freiheitliche Bruderkrieg zwischen Blau und Orange spielt dabei fast keine Rolle und wird lediglich als Urheberstreit zwischen dem Original Jörg Haider und der jüngeren Kopie Heinz-Christian Strache dargestellt. Obwohl Straches FPÖ mit bis zu 18 Umfrageprozenten weit vor dem BZÖ liegt, versucht sich Haider bei den Wählern als bundespolitisches Zünglein an der Waage zu positionieren, ohne das nach der Wahl gar nichts geht. Haiders Wahlbotschaft ist so einfach wie altbekannt: wir orangen Musketiere gegen die da oben, wir Österreich-Patrioten gegen die EU, gegen Wien und vor allem gegen Rot und Schwarz. Großzügig verspricht Haider Benefizien für jedermann: Mütter- und Babygeld, steuerfreie Überstunden, Billigdiesel, Kest-Abschaffung für kleine Sparer, Teuerungsausgleich etc. Doch heute gibt sich Haider nicht mehr als Rabauke und Gottseibeiuns der österreichischen Politiklandschaft, sondern kehrt den gereiften Staatsmann heraus, der sein "mustergültiges" Vorzeigeland Kärnten als Modell für ganz Österreich anpreist. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 27./28. September 2008)

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    Jörg Haider will seine Mini-Partei wieder zum Player der Bundespolitik machen. 

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