Trotzdem heuer wieder: Es wird ein Wein sein

26. September 2008, 20:07
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Ein schwieriges und äußerst arbeitsreiches Jahr liegt hinter der österreichischen Winzerschaft. Die Lese ist zu einem Drittel erledigt

Mit Erwartungen an Qualität und Menge muss man heuer noch vorsichtiger sein.

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Wien - Dass die Natur beim Weinmachen eine gewichtige Rolle spielt, wurde heuer so deutlich wie schon lange nicht. Die Feuchtigkeit ließ Blattwerk der Rebstöcke und Begrünung zwischen den Rebzeilen ungewöhnlich stark wachsen. Durch das feucht-warme Wetter während der Vegetationszeit von März bis September traten auch Pilzerkrankungen häufiger auf: vor allem Falscher Mehltau (Peronspora), durch den Beeren ledrig werden und abfallen.

Mit deutlich mehr Personal als in "normalen" Jahren waren mehr Arbeitsdurchgänge bei Pflanzenschutz und Laubarbeit durchzuführen, um das Laubwerk luftig zu halten. Dadurch konnte auch der Pilzdruck vermindert werden.

Problem Kupfer

Besonders intensiv war 2008 für biologisch arbeitende Weingüter, die stark auf Handarbeit setzen und in der Auswahl ihrer Pflanzenschutzmittel beschränkt sind. Bei der Verwendung von Kupfer, einem Schwermetall, das in Verbindung mit anderen Stoffen sowohl im konventionellen als auch im Bio-Weinbau eingesetzt werden darf, ging man heuer bis an die Grenzwerte. Kupfer ist umstritten, da es sich als Schwermetall im Boden anreichert, aber gleichzeitig auch einzig wirksames Mittel gegen den Falschen Mehltau ist, für das es noch keinen Ersatz gibt.

Hagel war das zweite große Problem dieses Jahres. Alle Weinbaugebiete, vor allem aber das Burgenland im Neusiedler-See-Hügelland an der Westseite des Sees und das Mittelburgenland, waren ungewöhnlich oft betroffen. Erschwerend kommt noch dazu, dass es gerade dann hagelte, als die Körner besonders große Schäden anrichten konnten: zuletzt Mitte August, als die Beeren weich genug waren, um aufgeschlagen zu werden. Das Folgeproblem: Bakterien finden noch leichter und noch rascher direkten Zugang in die Beere.

Ist nur ein kleiner Streifen eines Weingartens betroffen, kann noch rettend eingegriffen werden, indem beschädigte Beeren oder Trauben (in Handarbeit) entfernt werden. Bei großflächigen Schäden wie zum Beispiel in St. Georgen bei Eisenstadt, deckt die Österreichische Hagelversicherung die Ausfälle ab - sofern Versicherungsschutz besteht.

Trockenes Herbstwetter gewünscht

Etwa 70 Prozent der Weingärten österreichweit sind gegen Hagel versichert. 2008 beläuft sich die Schadenssumme insgesamt auf 12,2 Millionen Euro. Rund 3000 Schadensmeldungen gingen bis Anfang September ein, während es in "normalen" Jahren etwas über 1000 sind.

Ausfälle, egal welcher Natur, finden selten flächendeckend statt. Je stärker die Qualitätsorientierung eines Betriebes, desto mehr Arbeit muss hineingesteckt werden und desto höher wird auch der Selektionsaufwand bei der Ernte.

Der Jahrgang ist noch nicht "ausgefochten". Es gibt Gegenden, die vom Falschen Mehltau relativ wenig betroffen sind, wie das nördliche Weinviertel. Die Trauben dort sind weitgehend gesund, wenn auch derzeit etwas Zuckerreife fehlt. Dafür wären einige Tage, besser Wochen, Sonne und trockenes, warmes Herbstwetter notwendig. Sind die Trauben einigermaßen gesund, kann auch mit der Lese noch zugewartet werden. Kälte und Regen behindern zwar die Reife, aber auch das Einsetzen von Fäulnis.

Mengen unsicher

Eine große Unwägbarkeit derzeit sind die Erntemengen. Bei Regen nehmen die Beeren je nach Rebsorte Wasser auf, wodurch zwar die Quantität steigt, die Konzentration der Inhaltsstoffe (Säuren, Zucker, Aroma- und Farbstoffe) aber geringer wird. Durch den Regen während des Jahres ging man ursprünglich von einer überdurchschnittlichen Menge von insgesamt drei Millionen Hektoliter aus, revidierte aber aufgrund der Ausfälle auf 2,5 Mio. Hektoliter derzeit, was dem langjährigen Schnitt entspricht.

Bei der Preisentwicklung scheint sich eine Schere zwischen flaschenfüllenden Betrieben mit Qualitätsausrichtung und reinen Traubenherstellern aufzutun, die für einfachste Fassweine vor allem auf Menge produzieren. Der Qualitätsweinanteil (mit Prüfnummer) liegt hierzulande aber im Schnitt relativ hoch bei etwa 60 Prozent einer Jahresproduktionsmenge.

Keine Preissprünge

Die Arbeitskosten des heurigen Jahres werden an den Preisen der Ab-Hof- und Direktvermarkter nicht viel ändern: Da Konsumenten "Bocksprünge" nicht akzeptieren, sind Umstände wie 2008 Risiko des Winzers. Die Weinpreise in der Billigschiene sind aber stark von der vorhandenen Menge beeinflusst. Und die wird aufgrund der Flüssigkeitsmenge in den Beeren und des dichten Behangs groß ausfallen. Außerdem erwartet auch Rest-Europa große Ernten.

Josef Glatt, Geschäftsführer des Österreichischen Weinbauverbands, ist trotz aller Probleme im Vegetationsjahr optimistisch: "Es hat geregnet, war aber kalt. Wenn es auftrocknen kann, bevor ein Altweibersommer einsetzt, ist noch viel drinnen." Vor allem bei Sorten, die später reifen, wie zum Beispiel Veltliner, Blaufränkischer oder Riesling. (Luzia Schrampf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.9.2008)

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    Sehr viel Selektionsarbeit wartet heuer auf die Lesehelfer, speziell wenn der Betrieb Wert auf hohe Weinqualität legt.

     

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