"Die Banken misstrauen einander"

26. September 2008, 19:57
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Die Nachfrage nach Finanzierungen in CEE steige, die Finanzkrise werde die Volumina aber drücken, meint Bankchef Reinhard Platzer

Die Dexia-Kommunalkredit finanziert öffentliche Projekte in sieben Ländern Ost- und Südosteuropas. Die Nachfrage steige, die Finanzkrise werde die Volumina aber drücken, meint Bankchef Reinhard Platzer.

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Wien - Die Dexia-Kommunalkredit (Dexia-Kom) hat ihr Geschäft in Osteuropa (CEE) in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. In der Slowakei hat die auf öffentliche Finanzierungen spezialisierte Bank (knapp 51 Prozent hält die belgisch-französische Dexia, den Rest die Kommunalkredit Austria AG, die zum Volksbankensektor gehört) einen Marktanteil von 70 Prozent, in Rumänien 40 Prozent, in Bulgarien drei Jahre nach ihrem Einstieg 30 Prozent; in all diesen Ländern ist sie Marktführer.

In Bulgarien wurden bisher Projekte im Volumen von rund 300 Mio. Euro finanziert; der Schwerpunkt liegt bei Finanzierungen in der Energie-, Eisenbahn-, Abfall- und Wasserwirtschaft. In den nächsten zehn Jahren erwartet Dexia-Kom und Kommunalkredit-Chef Reinhard Platzer einen Infrastruktur-Investitionsbedarf von 400 Mrd. Euro in CEE, sagte er bei einem Pressegespräch in Sofia.

Refinanzierung wird teurer

Die Finanzkrise bewirke derzeit, dass "noch mehr Finanzierungswünsche an uns herangetragen werden, weil weniger Banken langfristige Finanzierungen geben" - wobei aber natürlich auch die Refinanzierung für die Banken teurer werde, was wiederum auf die Volumina drücke.

Die "Bereitschaft der Kunden, für langfristige Investitionsprojekte mehr zu bezahlen" habe sich bereits in den Zahlen niedergeschlagen. Im Schnitt "haben sich die Spreads bei uns binnen eines halbes Jahres in der Bilanzsumme auf rund ein Prozent verdoppelt", so Platzer zum STANDARD. Freilich lasse in manchen Bereichen die Investitionslust nach, was vor allem bei Energieunternehmen oder Stadtwerken "stark zu spüren ist, am wenigsten bei den direkten Gemeindefinanzierungen".

Wie die österreichischen Institute auf die Krise reagieren? "Die Banken misstrauen einander, die Liquiditätsaufbringung zwischen den Instituten funktioniert im Moment sehr schlecht; die Notenbanken haben die Versorgung weitgehend übernommen."

"Kreditklemme möglich"

Zwar sei es nicht so, dass die Banken einander gar kein Geld mehr borgten, aber: "Die Langfristigkeit der Mittelzufuhr funktioniert nicht." Die Banken öffnen den Mitbewerbern ihre Geldhähne nur für kurzfristige Kapitalflüsse, "alles, was längerfristig ist, machen die Notenbanken", umschreibt Platzer die Folgen der Vertrauenskrise. Auswirkungen auf die Kredite an Kunden sieht er - noch - nicht: Sollte die Liquiditätssituation auf den Märkten aber "noch einige Monate so bleiben, dann könnte es zu einer Kreditklemme kommen".

Die Ursache der Krise, die aus dem US-Geschäft mit hochverschuldeten Kunden komme, "wo man davon ausgegangen ist, dass die Immobilienpreise ewig so weitersteigen werden", ortet der Kommunalkredit-Chef auch beim Short Selling: "Vor allem die Hedgefonds haben massiv auf fallende Kurse spekuliert, das hat die Probleme noch verschärft." Weswegen Marktteilnehmer wie Hedgefonds "künftig in alle Regulierungen mit einbezogen werden müssen", wie Platzer meint." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.9.2008)

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    Kommunalkredit-Chef R. Platzer setzt weiter auf den Osten.

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