
Schon für diese Leistung gebührt dem Politikwissenschafter René Rusch Anerkennung: er hat für seine Diplomarbeit "Der Ausländer-Diskurs der Kronen Zeitung" das gesamte Jahr 2005 lang jede Ausgabe des Kleinformats gelesen. Dass er dabei jede Menge unterschwellige und explizite Rassismen festgestellt hat, ist wenig überraschend, war aber auch nicht das Hauptforschungsziel. Viel mehr ging es darum, ob es einen "Krone"-spezifischen Rassismus gibt und wie dieser funktioniert. Oder wie es der Untertitel formuliert: "Gibt es einen 'kronischen' Rassismus?"
Höchste Zeit
Was aber zunächst verwundert, ist die Tatsache, dass hier erstmals eine systematische Untersuchung zu diesem Thema über ein gesamtes Jahr hinweg gemacht wurde und es nicht schon ein halbes Dutzend umfassende Universitätsstudien dieser Art gibt. Immerhin handelt es sich um die größte Tageszeitung des Landes und ihr Ausländer-Diskurs wird in den Qualitätsmedien seit langem in beharrlicher Regelmäßigkeit kritisiert.
Thema Nr. 1
Bei der politischen Berichterstattung konnte Rusch zunächst klar bestätigen, dass das Thema "Ausländer/Asyl" Priorität für die Redaktion einnimmt. Immerhin wird es offen als "Thema Nr.1" bezeichnet und es gibt dann auch dementsprechend häufig Artikel dazu. Inhaltlich ist offensichtlich, dass permanent die Vermengung der Themen "Asyl" und "Sicherheitspolitik" vorgenommen wird. Asylwerbern wird auf diese Weise indirekt die Nähe zur Kriminalität zugeschrieben. Politisch relevant ist auch das kritiklose Abdrucken von Aussagen der FPÖ, sowie die a priori Diffamierung der Grünen als "Ausländer rein"-Partei.
Neben der inhaltlichen Analyse hat Rusch auch eine quantitative Zählung von Schlüsselbegriffen vorgenommen, um die Ergebnisse abzusichern. So kommt z.B. in Artikeln, in denen "Asyl" vorkommt, im Schnitt auch einmal "Missbrauch" vor und 2,2mal der Bezug zu "Kriminalität".
"Ausländer auf Verdacht"
Die Kriminalitätsberichterstattung ist dementsprechend das fruchtbarste Feld auf dem der "kronische" Rassismus blüht. Hier sind mit Abstand die meisten Hinweise darauf zu finden, dass indirekt, aber dafür systematisch versucht wird, die Begriffe "Ausländer/Asylwerber" und "kriminell" zu verbinden.
Dabei lassen sich einige Muster feststellen, nach denen die Redakteurinnen und Redakteure vorgehen. Die Tatsache, dass Ausländer/Asylwerber mutmaßlich an einer Straftat beteiligt waren, wird hervorgehoben und auch in der Schlagzeile positioniert. Andere Medien nennen zwar auch die Nationalität von Verdächtigen oder deren Status als Asylwerber, bei der "Kronenzeitung" wird dies aber ständig wiederholt. Der Spitzenwert liegt bei zwölf Nennungen bei einem einzigen mutmaßlichen Täter, davon zweimal auf der Titelseite.
Kurioser ist da schon die Praxis, bei unbekannten und flüchtigen Tätern auf puren Verdacht hin zu behaupten, sie könnten Fremde sein. Dass das nicht selten vorkommt, belegen die Beispiele, die René Rusch gefunden hat.
Weiters scheint es auch so zu sein, dass bestimmte Delikte nur dann einen "Nachrichtenwert" bekommen, wenn Fremde beteiligt sind. Am häufigsten fallen in diese Kategorie Schmuggel (47 Meldungen), Ladendiebstahl (33 Meldungen) und Schlepperei (32 Meldungen). Vor allem bei Ladendiebstahl als häufiges Bagatelldelikt ist das auffällig, denn bei Inländern war dieses der Redaktion nur fünf Meldungen wert.
Der "ewige" Ausländer
Symptomatisch ist letztlich auch, dass die Redakteurinnen und Redakteure selbst entscheiden, wen sie nun als "Ausländer" bezeichnen und wen nicht. Selbst der Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft stellt da keinen Hinderungsgrund dar. Entweder es wird nur die Information "gebürtiger Afrikaner/Türke/Ex-Jugoslawe" ohne weitere Erläuterung zur Staatszughörigkeit gebracht, oder die österreichische Staatsbürgerschaft einmal am Anfang erwähnt, dann aber nur mehr die "ursprüngliche" Nationalität.
Die Analyse der Leserbriefseiten als Spielwiese für Inhalte, die zu explizit für den Nachrichtenteil sind, rundet das aufschlussreiche Bild vom "kronischen" Rassismus ab.
Die Wirklichkeit der "Krone"
René Rusch stellt der Untersuchung seine Ansicht voran, dass die Wirklichkeit jedes Mediums, nicht nur die der "Kronenzeitung", eine konstruierte ist. Folgerichtig spart er sich den Vergleich mit anderen Zeitungen und lässt nur die "Kronenzeitung" selbst als Maßstab gelten: "Es drängt sich auf, zu untersuchen, ob die Kronen Zeitung einen Unterschied in ihrer Berichterstattung zwischen 'In-' und 'Ausländern' macht." Somit soll auch für das "Krone"-Publikum die Argumentation prinzipiell zugänglich sein. Was etwas untergeht, ist die Betrachtung aus einem handwerklich-journalistischen Standpunkt, der bei einer Zeitung wesentlich sein sollte. Hier gibt es sehr wohl Maßstäbe und Regeln, die darauf abzielen, Phänomene wie die beschriebenen tendeziösen "Nachrichten" der "Kronenzeitung" zu vermeiden. Damit würden auch mögliche Rechtfertigungsstrategien, wie das "Recht auf eine eigene Meinung/Blattlinie" unschädlich gemacht.
Das (oberflächliche) Lesen der Arbeit sollte auch nicht dazu verleiten, die "Kronenzeitung" als alleinigen Hauptangeklagten hinzustellen. Ihr Inhalt speist sich aus bereits vorhandenen Einstellungen, und ihre Redaktionsmitglieder wurden schließlich auch irgendwo sozialisiert. Andere Meinungsmacher wie politische Parteien und auch das Staatswesen dürfen hier nicht aus der Verantwortung entlassen werden.
Die Diplomarbeit "Der Ausländer-Diskurs der Kronen Zeitung 2005. Gibt es einen 'kronischen' Rassismus?" kann im Volltext nachgelesen werden.
Der Autor
René Rusch (Jg. 1976, Mag.phil) studierte Politikwissenschaft an der
Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Rassismusforschung,
Diskurstheorie, österreichische Vergangenheitspolitik. Er arbeitet als
Regieassistent und Grafiker sowie als Regisseur beim Landesstudio Wien
des ORF ("Wien heute").
Der Rezensent
Thomas Müller (Jg. 1979, Mag.phil) studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien und ist Mitarbeiter beim Verein textfeld.
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derStandard.at/SMS: Nachrichten in Echtzeit auf Ihr Handy! Nun ja, der Standard berichtet halt vom entgegengesetzen Standpunkt aus. Ob ihn das jetzt objektiver macht als die Krone, wage ich zu bezweifeln.
Es ist sowieso bei gesellschaftlichen Fragen, immer ein Ding der Unmöglichkeit, eine objektive Wahrheit festzustellen. Denn jeder der sich mit den Methoden der Gesellschaftswissenschaften beschäftigt hat weiß, dass man in eine Statistik praktisch alles hineininterpretieren kann, was man will.
Brauch ma sich net über die Krone aufregen ...
Hier tummeln sich, mit Sicherheit auch nicht die besseren Lesas!
Man beachte Standard Postings, zum Beispiel zum Fall Arigona Z.
Die Krone treibt die Gesellschaft und ALLE Medien vor sich her. Dazu brauchts keine Diplomarbeit ...
Es reicht ein Jahr lang die Onlineausgabe dieses Blattes zu lesen, um dessen Archillesferse zu erkennen:-)
Soviel zur eigenen Wirklichkeit! Gegenwärtig werden überall Informationen durch eigene Idealismen verfärbt, was dem Wesen des reflektierten Journalismus im grunde widerspricht.
Da macht es keinen wirklich schlanken Fuß auf andere zu zeigen.
Dass die Krone ist was sie ist, war auch vor dieser Diplomarbeit kein wirkliches Geheimnis.
Was mich hier viel mehr interessiert, welche Spuren hinterlässt 3 Jahre konsequentes Krone lesen und macht das nicht den Orthopäden reich? Das ständige Kopfschütteln kann nicht gesund sein!
wie auch über Personen mit Migrationshintergrund berichtet werden. Und genau das ist eben nicht der Fall. Sie unterstellen, man soll nicht über andere Täter als Inländer berichten, das verlangt aber niemand. Schnell die Wahrheit umdrehen und schwups, schon passt das tendenziöse Weltbild wieder.
... wir österreicher sind ein ganz komisches volk. wenn bei uns ausländer oder menschen mit migrationshintergrund ein verbrechen begehen dürfen wir uns nicht aufregen, da wir sonst als ausländerfeindlich gelten. wie bescheuert ist das? wenn wir jemanden die möglichkeit geben bei uns ein angemessenes leben führen zu können, dann soll er sich bitte auch dementsprechend verhalten. was ist an diesem gedanken verkehrt? wenn solche vergehen in den medien erwähnt werden, sehe ich nichts falsches daran. ich bitte um antwort.
die österreichische ausländerfeindlichkeit macht ein vernünftiges zusammenleben leider a priori unmöglich.
jedem rechten ist scheinbar klar wer der herr im haus ist, aber keinem kommt die idee, daß der herr im haus es auch in der hand hat, wie sich ausländer benehmen.
niemand ist patriotischer als ein eingebürgerter ausländer, der sich willkommen und gut behandelt fühlt. aber dummheit und hass machen halt leider blind.
Also ich finde die Aufregung darüber verständlich und sehr gut nachvollziehbar. Sind doch die Österreicher traditionell die ersten Opfer von Straftaten, die von Ausländern, u.a. von Migranten, die die deutsche Staatsbügerschaft unter zweifelhaften Umständen erlangt haben, begangen werden!
traditionell ist das erste opfer des österreichers der ausländer. niemand geht in ein fremdes land mit dem vorsatz, ein beschissenes leben in konflikt mit den einheimischen zu führen.
jedes land hat nicht nur die regierung, die es verdient, sondern auch die ausländer, die es verdient.
Die Zeitung darf es schon melden, aber hier geht es darum, dass Ausländer als im Prinzip Mörder und Diebe zu sein hingestellt werden.
Außerdem interessieren mich diese vielen Meldungen über Ladendiebstahl, usw. nicht. Viel interessanter wäre eine nicht geschönigte Kriminalitätsstatistik.
Das macht kein bisschen Spaß, aber es ist kein Geheimnis, dass (und das gilt wohl schon seid es Menschen gibt) die Mehrheit einer Bevölkerung eher als "dumm" einzustufen ist. (Definiert durch einerseits: Bildungsmanko, andererseits: Das völlige Fehlen der Fähigkeit des "kritischen Denkens" bzw. (soweit als möglich) "objektiven Analysierens")
... nein!
ich halte es eigentlich für sehr traurig, dass es lt ihrer aussage "3 mio volltrottel" in österreich gibt, die dieses blatt regelmässig lesen......
eigentlich muss man sich als österreicher genieren... also als spassig werden das wohl die wenigsten empfinden.
vimes, capt
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