Rot will Schwarz "im Tal der Tränen" sehen

26. September 2008, 19:12
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Beim roten Abschlussspektakel neben dem Burgtheater waren sich alle Genossen einig, dass Kanzlerkandidat Werner Faymann am Sonntag den Sieg davontragen wird - dieser wünscht sich die ÖVP in die Grube - mit Video

Für den Nachwuchs der Basis stehen am Nachmittag vor der Parteizentrale in der Löwelstraße Hüpfburg und Poppo, der Clown mit nervenzerreißender Tröte, bereit. Unter die Erwachsenen, denen Lachsbrötchen gereicht werden, mischen sich zum roten Wahlkampffinale am Freitag statt eines Spaßvogels einige SPÖ-Minister. Ein älterer Herr, „seit 37 Jahren Mitglied", steuert auf Claudia Schmied zu: „Sie gefallen mir so gut! Ich kann Sie gar nicht oft genug im Fernsehen sehen."

Die Bildungsministerin bekommt auch gleich viel Lob über ihren feschen Chef Werner Faymann zu hören - bis eine Dame, die wissen will, was Schmied als Erstes tut, wenn das schwarze Finanzministerium demnächst endlich in ihrer Hand ist, resolut dazwischengeht: „Bitte, jetzt geht es doch nicht um die Optik!"Doch in einem sind sich hier alle einig: Er, Werner Faymann, wird am Sonntag den Wahlsieg davontragen. „Weil er sich keine Panne im Wahlkampf erlaubt hat - kein peinliches Upgrading etwa", sagt eine Mutter mit Kind am Arm. „Weil er hilfsbereit ist und immer fragt, was er für uns tun kann", meinen zwei Pensionisten aus Faymanns Heimatbezirk Liesing. „Er ist einfach ein sehr attraktiver Mann", erklärt eine Mittfünfzigerin mit Brille. Um 17 Uhr zieht der Vielgepriesene mit seinem Wahlkampftross sowie den Listenersten - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl, Jugendsprecherin Laura Rudas - ins mittlerweile gefüllte Festzelt beim Burgtheater ein.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl peitscht das begeisterte Publikum als Vorredner ein. Besonders gut kommen seine ÖVP-Verhöhnungen an: „Nicht wir, sondern die ÖVP_wird am Sonntag im Tal der Tränen sein, und da gehört sie auch hin!", ruft Häupl den Zuhörern zu. Alles klatscht, vereinzelte „Jawohl!"-Rufe. Ein letztes Mal bekräftigt Häupl die roten Antikoalitionsaussagen, stellvertretend für Faymann: „Wir wollen keine Koalition mit der FPÖ oder ihrem lächerlichen Ableger, dem BZÖ!"

 

Auf einer Videoleinwand gibt es dann minutenlang schöne Bilder vom SPÖ-Spitzenkandidaten zu bestaunen: Faymann, stets lächelnd und von allen Seiten, auf Wahlkampftour.
Um 18 Uhr tritt der rote Kanzlerkandidat endlich selbst ans Rednerpult. Auch er schießt sich sofort auf die ÖVP ein: „Als Molterer und Schüssel wieder einmal Neuwahlen ausgerufen haben, haben sie eine Grube gegraben und wir sollten hineinfallen!" Doch die SPÖ sei „nicht hineingefallen", also: „Werden wir am 29. noch einmal zur Grube hingehen und schauen, wer dann drin ist!" Gelächter, dazu „Werner! Werner!"-Sprechchöre.

Mit Eigenlob spart der SPÖ-Vorsitzende nicht. Er preist jene Antiteuerungsmaßnahmen, die er noch durchgebracht hat. Mehr für Familien, mehr für Pensionisten, mehr für Pflegebedürftige, freier Zugang zur Bildung. Für seine Rede erntet Faymann Standing Ovations. Der Kanzler-anwärter übt sich schon mal in der Siegerpose mit erhobenen Händen - laut beschallt mit dem 70er-Hit „Don't stop thinking about tomorrow", einst auch Wahlkampfhymne von Bill Clinton. (Nina Weißensteiner, Katharina Weißinger/DER STANDARD-Printausgabe, 27./28. September 2008)

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    Faymann und Häupl geben sich optimistisch.

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