Wünschen hilft nicht

26. September 2008, 19:08
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Da in diesen Tagen viel über die Rechtschreibkünste in der Volkspartei und Standart die Rede ist ...

Lassen wir einmal die Gedanken fliegen: Wir spießen an dieser Stelle einen Fehler auf, oder wir reden intern einfach darüber, und damit ist die Sache für alle Zeit erledigt – das wäre schön! In der brutalen Wirklichkeit sind die Dinge anders. Nämlich: Am 4. September tauchte im RONDO die Knödel auf. Es war nicht die Mehrzahl von das oder der Knödel gemeint, es hieß ausdrücklich die, in der Einzahlform gebraucht. Darüber haben wir natürlich gesprochen und mit einem weinenden und einem lachenden Auge zum Schluss gefunden: Hätten wir bloß Kloß geschrieben!

Dann kam die Ausgabe vom 19. September: „‚Wie ein Klos‘ steckten ihm die Versäumnisse der ÖVP ,im Hals‘, sagte Van der Bellen“, las man da. Womit bewiesen ist: Wir scheitern nicht nur beim Knödel, sondern auch beim Kloß.

In der vergangenen Woche war an dieser Stelle auch von einer unfreiwilligen doppelten Verneinung die Rede, ein nicht zu viel stellte die Aussicht auf den Verzicht einer Fahrpreiserhöhung seitens der ÖBB auf den Kopf. Dieses nicht fehlte in ebendieser Ausgabe an anderer Stelle: „Wir hätten längst nicht diese Wachstumsraten, wären unsere Unternehmen dort so erfolgreich“, stand in einer Kolumne. Der Fehler wurde bemerkt und bald – für einige Leser leider zu spät – hieß es: „Wir hätten längst nicht diese Wachstumsraten, wären unsere Unternehmen dort nicht so erfolgreich.“

Man kann sich vor solchen Fehlern schützen, etwa indem man Gastautoren schreiben lässt. In der Wissenschaftsserie „Wissen macht Worte“ tun wir das. Am 17. September kam die Mikrobiologin Heidelinde Fiegl zu Wort. Ganz ohne unser Zutun geht es selbstverständlich nicht, irgendjemand muss den Text ja endfertig machen. Wir haben nicht gezögert zuzugreifen – und zum falschen Foto gegriffen. Das gedruckte Bild zeigte Regina Kratzer, Fiegl kommt heute zu Ehren. Wir bedauern. Da der Standard eine große Zahl wissenschaftlich gebildeter Menschen in seiner Leserschaft hat, bleiben auch die kleinsten Unschärfen nicht unentdeckt. Unter dem Titel „Neuer Schock: Gift in normaler Milch“ berichteten wir am vergangenen Samstag davon, dass Milch in China 0,8 bis 8,4 Milligramm Melamin pro Liter beigemischt waren. Es muss wohl Gramm heißen. Der Proteingehalt von Milch betrage 3,5 Prozent, das sind 35 Gramm pro Liter, wurden wir aufgeklärt. Proteine haben einen Stickstoffgehalt von 16 Prozent, Melamin hat einen 4,2-mal so hohen. Die Division 35:4,2 hat Gramm zum Ergebnis.

Und da in diesen Tagen viel über die Rechtschreibkünste in der Volkspartei und Standart die Rede ist: Schon am 15. September teilten wir in einem mit „Kopfwäsche für die Schwänzer“ überschriebenen Parlamentsbericht mit, „nicht alle schwarzen Abgeordneten erhöhrten den Ruf ihres Chefs“. Diesen Fehler hat man definitiv nicht in der Lichtenfelsgasse gemacht. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. September 2008)

Sie erreichen Otto Ranftl, den Leserbeauftragten des STANDARD, unter otto.ranftl@derStandard.at oder Leserbriefe@derStandard.at

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