Bunte Zwerge wollen CSU vom Thron stoßen

26. September 2008, 18:57
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Die Kleinparteien wollen ein mögliches CSU-Debakel bei der Bayern-Wahl am Sonntag zur Bildung einer Viererkoalition nutzen

Ein CSU-Debakel bei der Bayern-Wahl am Sonntag wollen die Kleinparteien nutzen. Schaffen Beckstein und Huber die absolute Mehrheit nicht mehr, dann soll eine Viererkoalition unter SPD-Führung die Regierung übernehmen.

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München/Berlin - Trotz der schlechten Umfragewerte, trotz aller Putschgerüchte: Am Freitag gab Günther Beckstein (CSU) seine optimistische Zukunftsplanung bekannt. Noch bis 2013 will er bayerischer Ministerpräsident bleiben: "Wenn alles gut geht, werde ich für die gesamte Legislaturperiode gewählt, und ich werde das Amt auch die gesamte Legislaturperiode ausfüllen." Auch CSU-Chef Erwin Huber zeigte sich vor der Wahl siegessicher: Am Sonntag 52 Prozent zu erreichen sei "realistisch".

Doch Umfragen stützen diese Hoffnung nicht. Gleich vier sehen die CSU nur zwischen 47 und 49 Prozent. Sollte die Linkspartei in den Landtag kommen, wäre die seit 1962 ununterbrochen gehaltene absolute CSU-Mehrheit dahin. Für diesen Fall rüsten sich SPD-Spitzenkandidat Franz Maget und sein Grün-Pendant Sepp Daxenberger. Beide streben eine Viererkoalition an; mit ins Boot sollen noch die FDP und die Freien Wähler, für die auch die ehemalige CSU-Politikerin Gabriele Pauli kandidiert.

Einen solchen Vormarsch der bunten Zwerge hat es in Bayern schon einmal gegeben: 1954, als SPD-Mann Wilhelm Hoegner Bayern mit einer Viererkoalition regierte. Damals schickten SPD, FDP, Bayernpartei und der "Gesamtdeutsche Block / Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" die CSU in die Opposition.

SPD uneins über Zusammenarbeit mit Linkspartei

Für SPD-Spitzenmann Maget ist eines klar: Er will auf keinen Fall mit der Linkspartei zusammenarbeiten. Doch andere in seiner Partei sehen das plötzlich nicht mehr so. Bayerns SPD-Vorsitzender Ludwig Stiegler erklärt: "Ich wünsche mir, wir hätten ein hessisches Wahlergebnis." Dort gibt es ja seit der Landtagswahl im Jänner eine linke Mehrheit aus SPD, Grünen und Linkspartei. Stieglers Stellvertreterin Adelheid Rupp meint: "Über Koalitionen entscheiden wir frühestens am Wahlabend. Ich will nichts einschließen und nichts ausschließen."

Mit großem Interesse verfolgt auch Bundespräsident Horst Köhler die Bayern-Wahl. Sind die CSU-Verluste sehr groß, dann ist auch die knappe absolute Mehrheit von CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung gefährdet. Diese setzt sich aus Vertretern des Bundestages sowie der Länder zusammen und wählt im Mai 2009 den Bundespräsidenten. Köhler stellt sich erneut der Wahl, er wird von Union und FDP unterstützt. Seine Gegenkandidatin Gesine Schwan setzt auf SPD, Grüne und Linke. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.9.2008)

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    Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich selbst, Günther Beckstein und Erwin Huber (re.) vor dem Wahlsonntag Mut zu.

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