Seisenbachers Ehrgeiz, das Glück der Hakoah

26. September 2008, 18:44
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    foto:godany

    Für Peter Seisenbacher geht es im Judo seit zwanzig Jahren darum, "etwas weitergeben zu wollen".

Judo ist ein Parade-Beispiel für das Hakoah-Comeback im Prater. Auf der Matte steht Doppel-Olym­piasieger Peter Seisenba­cher, für den der Leistungssport "nur eine Episode" war

Wien - "Was soll das werden, Aaron?" Aaron weiß nicht so recht. "Du sollst deinen Gegner nicht mit dem Fuß streicheln!" Aaron blickt fragend auf. "Du sollst ihm die Beine wegziehen - so!" Plötzlich fühlt sich der kleine Aaron selbst am Krawattl gepackt, er fühlt, wie ihm ein Haxl gestellt wird, wie ihn große, starke Hände sanft aufs Kreuz legen. Jetzt hat Aaron eine Ahnung davon, was Sache ist.

Ein zweimaliger Judo-Olympiasieger ist es, der da sagt und zeigt, worum es geht. Dem S. C. Hakoah ist mit der Verpflichtung von Peter Seisenbacher, wenn man so will, ein Wurf gelungen, ein großer Wurf. Seisenbacher steht und sitzt seit einem guten halben Jahr, seit das neue Hakoah-Zentrum im Wiener Prater seinen Betrieb aufnahm, auf der Matte. Viele Schüler sind ihm von seiner alten Wirkungsstätte, der Blattgasse im dritten Bezirk, in den zweiten gefolgt, neue Schüler kommen laufend dazu. Das Training verteilt sich auf Montag bis Donnerstag, manche kommen einmal, andere viermal die Woche. Am Nachmittag legen die Anfänger los, die Fortgeschrittenen üben oft bis in den Abend hinein in der großen, auch für Basketball geeigneten Halle, die sich zu Trainingszwecken dritteln lässt.

Die kleinen Kämpfer

Judo ist kein Volkssport. Seisenbachers Goldmedaillen 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul haben daran nichts geändert. "Aber bei Kindern", sagt er, "ist Judo sehr populär." Viele Vereine kooperieren mit Schulen, bieten die Teilnahme an Neigungsgruppen an. Viele Eltern haben die Hoffnung, dass sich der Nachwuchs so richtig austobt und am Abend nicht zum Schlafengehen überredet werden muss. Die Hakoah bietet Judo schon für Kinder im Vorschulalter an. Seisenbacher nennt's die "Judo-Spielwiese". Eine halbe Stunde lang wird geordnet herumgetobt, dann geht's um Koordination, richtiges Rollen, richtiges Fallen. "Gekämpft wird ab der Volksschule."

"Da muss es knallen!" "Ordentlich durchziehen!" "Nicht einschlafen!" Trainer Seisenbacher ist mit Herz und Seele bei der Sache. Was er da tut, tut er mit einer kurzen Unterbrechung, da er Generalsekretär der Sporthilfe war, seit seinem Rücktritt vom Sportlerdasein. Sein Wiener "Budoclub" wurde 1984 bereits gegründet, dieser Klub ist, mit Sitz im Budocenter, nach wie vor ein zweites Standbein Seisenbachers. Woher der 48-Jährige den Ehrgeiz nimmt, sich auch nach zwanzig Jahren um die Judo-Ausbildung von Kindern zu kümmern, wo er doch weiß, dass 99 Prozent dem Sport wieder verlorengehen? Er sagt, der Leistungssport sei "nur eine Episode im Leben eines Judoka", und dass es gelte, "etwas weitergeben zu wollen".

Markus Rogan hin, Mirna Jukic her. Nimmt man die letzten 25 Jahre, so ist Judo der erfolgreichste heimische Sommersport. Neben den zwei Seisenbacher-Goldenen gab's bei Olympia zweimal Silber (Claudia Heill 2004, Ludwig Paischer 2008) und einmal Bronze (Josef Reiter 1984). Was zum Volkssport fehlt? Seisenbacher: "Judo ist nicht Tennis." Erwachsene tun sich schwerer als Kinder damit, ausgehebelt zu werden und auf den Rücken zu fallen. Zudem könne Judo keine breite Masse faszinieren. "Zwei absolute Experten treffen aufeinander. Einer will den anderen überraschen. Und wenn das gelingt, kennen oft nur die zwei Kämpfer den Grund dafür. Und kein einziger Zuseher in der Halle hat etwas gesehen."

Die großen Pläne

Der S. C. Hakoah hat dennoch viel vor, auch im Judo. Im November ist ein Ländervergleich mit Israel geplant. Seisenbacher kann sich vorstellen, eine Truppe zu formen, die in der Nationalliga vorstellig wird und dann in die Bundesliga aufsteigt. Bis dato haben sich Hakoahner als Einzelkämpfer in etlichen Klassen einen Namen gemacht. Ein Klub, der um Vereinstitel streitet, müsste allerdings in allen Gewichtsklassen ordentlich besetzt sein.

Aaron und die anderen stellen sich paarweise auf der großen Matte in der gedrittelten Halle zusammen. Seisenbacher ruft immer wieder "Mate", das ist Japanisch und heißt stopp. Dann lassen die kleinen und größeren Kämpfer voneinander ab, sie bringen ihre Judogi (Judoanzüge) in Ordnung, ziehen ihre Gürtel fest, ehe das Zupacken und Haxlstellen und Werfen weitergeht, immer weiter. Zumindest für Peter Seisenbacher, für den Judo mehr als eine Episode ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 27.9.2008)

Wissen: S. C. Hakoah

1909 gegründet, war der jüdische Sportverein S. C. Hakoah Wien zunächst ein reiner Fußballverein. Er besiegte als erster Kontinentalverein auswärts einen englischen Klub (5:0 bei West Ham United, 1923), war 1925 unter Kapitän Maxl Scheuer (später von den Nazis ermordet) Österreichs erster Meister im Profifußball. Auch die Ringer und Schwimmer waren erfolgreich.

1938 wurde die Hakoah von den Nazis zerschlagen, 1945 reaktiviert, wobei sich der Fußballverein 1950 endgültig auflöste. Im "Vertrag zur Entschädigung der jüdischen Bevölkerung in Österreich" wurde 2003 die teilweise Rückgabe und Renovierung des ehemaligen Hakoah-Geländes in der Krieau festgelegt.

Am 11. Dezember 2006 erfolgte die Grundsteinlegung. Im März 2008 nahm das "S. C. HAKOAH Karl Haber Sport und Freizeitzentrum" den Betrieb auf. Auf 20.000 m² werden u. a. geboten: Mehrzweckhalle, Fit- und Wellness, Solarium, Massage, Physiotherapie, Freibereich mit Swimmingpool, ein Mehrzweckhartplatz, Beachvolleyballplätze, Tennis, koscheres Restaurant, ein Hakoah-Museum (ab 2009).

Hakoah-Sektionen sind: Basketball, Boxen, Judo, Karate, Ringen, Schwimmen, Touristik und Skiclub, Tennis, Tischtennis, Wandern.

2009 feiert die Hakoah ihren 100. Geburtstag. Vereinspräsident ist Univ.-Prof. Dr. Paul Haber, Geschäftsführer Ing. Ronald Gelbard.

Link:

www.hakoah.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Gramurcki
00
15.9.2009, 22:15
darf man da auch

als Atheist mitmachen?

www.sedge.at
20
28.9.2008, 10:39
Judo-Enthusiasmus

Warum ist Seisenbacher so toll? Es gibt sehr viele Trainer im Judo, die stehen 30 und mehr Jahre(!!!!) auf der Matte und machen kein solches Aufsehen um diese Dinge - diese Trainer sind es die aus der Basis Jahr für Jahr erst den Kern für solche Erfolge schaffen!

Auch mein Sensei steht bereits seit 35 Jahren auf der Matte!

Ich selber zwar erst seit ca. 6 Jahren - aber ich glaube das es sich auszahlt - wenn man schaut wie die Kinder heutzutage mit Elan an das Judo herangeht!

Hier in diesem Artikel wird Judo als "Haxlstellen" dargestellt - das macht ein vollkommen falsches Bild von dieser einmaligen, wunderbaren Sportart - die weit mehr als das ist!

Außerirdischer
02
27.9.2008, 17:45
Auch wenn ich Atheist bin: ich find's schön dass es die Hakoa wieder gibt!

rennradkunst
00
28.9.2008, 22:21
danke :-)

joe kagamino
06
27.9.2008, 10:07
ganbatte kudasai, hakoah,...

...was sinngemäß so viel wie "hoppauf" bedeutet. mit einem integren sportsmann wie seisenbacher wird das werk sicher gelingen!

Der Landgraf
02
27.9.2008, 09:45
Tolle Sache! Weiter so und viel Erfolg!

ad Hurrzen...bitte informieren bevor Dummheiten posten.

Warum sollten juedische Spieler nicht in jedem oesterreichischen Sportclub spielen koennen?
Nicht jeder hat rassistischen Hintergrund...
Es gibt ja auch christliche Spieler hab ich gehoert...spielen die an Sonntagen nicht?
Nicht jeder islamische Spieler wirft sich mitten im Spiel auf seinen Gebetsteppich...sie sollten wirklich ihre Vorurteile ueberdenken.

Hurrrrzn!
00
27.9.2008, 13:09
Jüdische Sportler sind natürlich auch in andseren

Vereinen zu finden.

Aber es gibt Menschen, die Feiertage einhalten wollen und eben nicht ihr Turnier am Samstag spielen wollen. Außerdem ist für die Identitätsfindung einer winzigen Gemeinde, die IKG Wien hat weniger als 7000 Mitglieder, ein eigenes Sozialleben auch im spotlichen Bereich fundamental.

Ob christliche oder moslemische Spieler ihre Feiertage halten, ist deren Sache; ich glaube, einige tun es. In einem hristlich geprägten Land wie Österreich ist es u.U. äußerst schwierig die je eigenen ethischen und religiösen Vorstellungen ohne große Widerstände zu leben.

Das scheint Ihnen nicht klar zu sein, obwohl das eine Tatsache und keine Dummheit ist.

heurigenwirt
103
27.9.2008, 00:41

Hat der Seisenbacher als Trainer vor Jahren nicht einmal einem kleinem Bub eine ordenliche Watschn verpasst?

Einmal Raufsport - immer Aggressionen

edi_ka edi_ka
00
28.9.2008, 11:58
zeig

mal auf jemanden anderen.... da wirst du sehen das "die restlichen" finger auf eineml selbst zeigen also...

RobertJerzyNowak
 
00
27.9.2008, 23:09
wahrscheinlich hat er es verdient

Kyaw Ni
04
27.9.2008, 15:50

und hat der heurigenwirt nicht vor jahren einmal im vollrausch...jaja, einmal...immer d*mm.

Erich_1
10
27.9.2008, 14:07

Hauptsache, man findet Fehler bei den anderen.

abendrot
06
26.9.2008, 21:45
Es ist trotzdem schön, dass die Hakoah wieder zurück ist

Das ist auch ein Teil von Wien.

juri chebesta
21
27.9.2008, 11:08

das "auch" in deinem posting ist eigentlich überflüssig...(ned bös gemeint)

re-aktionär
02
26.9.2008, 19:53
Die Judo Juden kommen!

Wundervoll! Hoffentlich gibts auch wieder jüdischen Fußball in Wien!

RobertJerzyNowak
 
00
27.9.2008, 23:09
es gibt ja die austria wien

Hubertos
514
26.9.2008, 21:23
Ich hoff eher auf ein Ende

von katholischen,islamischen,jüdischen oder anderen religiösen Sportvereinen.Beim Sports solls um Sport und nicht um Religion gehen!

Pefo
20
27.9.2008, 16:31

Also, Hubertos,

beim Sport soll es nicht um Religion gehen, gut, dann soll es auch nicht um Nationalität gehen, oder dürfen denn im österreichischen Team Ausländer spielen?

Solange aber eine Partei mit ihrer "christlichen Gesinnung" wirbt, um ins Parliament zu kommen um die Zukunft Österreichs mitzubestimmen, solange es Politiker gibt, die erklären, daß 'Ariel' nicht sauber sei, solange es 'Schlagende Verbindungen' gibt, deren Mitglieder arisch sein müssen, solange es Pfadfinder und die Jungschar gibt, die nur Katholiken aufnehmen, solange Minderheiten (bspw. in Kärnten) nicht ihre Rechte erhalten, solange Sie, Hubertos, dies nicht kritisieren und es abschafft wird, solange müssen Sie allen Minoritäten zugestehen, eigene Vereine zu haben.

a grünes stricherl
 
00
27.9.2008, 15:38
dieses ende könnte aber nur kommen wenns keine vorurteile gegen minderheiten mehr gibt

ergo nie ...

Roman Wiedl
00
27.9.2008, 10:45
seh ich auch so

Hurrrrzn!
73
27.9.2008, 00:55
Eine liebenswerte, aber naive Antwort

Fußball für Juden bei einem durchschnittliche Wr. Verein? Ehrlich, das klappt noch nicht.

Außerdem wollen manche eben nicht am Shabbat, manche nicht am Sonntag usw. sporteln. Auch dafür muß es eine Hakoah geben.

Ko Prolyt
11
27.9.2008, 12:58
ansichtssache...

wenn man sich ewig selbst ausgrenzt wird es auch für immer so bleiben.

als jugendliche haben wir thai-geboxt... und da waren moslems, christen, orthodoxe, usw. wir haben uns deswegen auch nicht in die haare gekriegt.

manchmal frag ich mich WER da eigentlich die ewig gestrigen sind?

theEdge
 
21
27.9.2008, 09:52

Sag ich ja; Religion beschränkt.

Austro-Spanier0
17
27.9.2008, 00:05

Sie scheinen leider nicht begreifen zu wollen, dass das Judentum eben viel mehr ist als nur eine Religion und von Tradition scheinen sie auch nicht sehr viel zu halte, denn dann müssten sie eigentlich wissen, dass die Hakoah der grösste jüdische Sportklub Europas bevor ihn die Nazis zerschlugen. Umso erfreulicher ist die erneute Existenz dieses wunderbaren Sportklubs.

Ko Prolyt
12
27.9.2008, 13:01
auch ansichtssache...

das gleiche behaupten die moslems auch vom islam.

teilt euch nur alle selber in gruppen ein. wer sich selbst ausgrenzt bleibt das auch.

ich frag mich immer öfter WER sind eigentlich die ewig gestrigen?

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