Festnahmen bei Straches Rede

26. September 2008, 18:41
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Etwa 3.500 FPÖ-Sympathisanten trafen auf 300 Gegendemonstranten am Wiener Viktor Adler-Markt - Mehrere Festnahmen - FPÖ sieht Schuld bei den Linken, SPÖ und Grüne machen Strache mitverantwortlich - mit Video

Für die Polizei bot der späte Freitagnachmittag in Favoriten einige Arbeit. Bei der Abschlusskundgebung der FPÖ kam es zu Ausschreitungen vermummter Demonstranten, auch Rechtsextreme provozierten. Die Ordner der FPÖund jene einer offiziell angemeldeten Gegenkundgebung linker Gruppierungen hatten einige Mühe, beide Extremistentruppen zu trennen.
Fast drei Stunden dauerten die Scharmützel zwischen den rund 300 rabiateren Strache-Gegnern und der Exekutive. Zunächst beschränkte sich der Protest auf das Skandieren von Schmähparolen wie "Heimat im Herzen, Scheiße im Hirn" , einige Schaumgummibälle wurden in die Menge geworfen. Als Böller und Rauchgranaten gezündet wurden, rückte die Polizei vor, dabei kam es zu tumultartigen Szenen, bei denen zwei Demonstranten festgenommen wurden.

Der Großteil der Demonstranten wanderte anschließend zur angemeldeten Anti-FPÖ-Kundgebung in der Fußgängerzone am Viktor-Adler-Markt. Hier kam es mehrmals zu Rangeleien mit demonstrativ durch die Menge spazierenden Rechtsextremen, die aufgrund einschlägiger Kleidung und in der Szene bevorzugter Marken leicht erkennbar waren. Nach Ende von Straches Rede sickerten Vermummte in die verwinkelten Gassen zwischen den Marktständen ein. Von der FPÖ-Kundgebung kommende mutmaßliche Rechtsextreme bewarfen diese mit Flaschen und trafen dabei auch Unbeteiligte. Mindestens zwei weitere Festnahmen gab es gegen 19 Uhr, als eine Gruppe der linken Szene zum Kommissariat in der Van-der-Nüll-Gasse marschierte, um für die Freilassung der beiden Festgenommenen zu demonstrieren. Die Polizei kesselte gut 20 Personen ein, ließ sie aber nach Feststellung der Personalien abziehen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen 

SPÖ und Grüne machten FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache für die Zusammenstöße zwischen blauen Sympathisanten und Gegendemonstranten mitverantwortlich, die FPÖ sah die Schuld hingegen bei den Linken.

Der Landesparteisekretär der Wiener SPÖ, Harry Kopietz, meinte, Strache müsse "die Schuld für diese Ausschreitungen auch bei sich selbst suchen. Denn wer Gewalt sät - und sei es auch 'nur' verbale - wird Gewalt ernten". "Wenn einer Menschen gegeneinander aufhetzt, statt konstruktiv an Problemlösungen mitzuarbeiten, und wenn einer nichts dagegen hat, wenn manche seiner Anhänger die Hand zum Hitlergruß erheben, dann darf er sich nicht wundern."

 

"Ausländerfeindliche und hetzerische Politik"

Der Stadtrat der Grünen, David Ellensohn sagte, bei jeder FPÖ-Großveranstaltung komme es zu rechtsradikalen Aufmärschen und Ausschreitungen. "Wer eine solch ausländerfeindliche und hetzerische Politik wie Strache macht, lockt eben dieses Umfeld an. Strache sitzt daher mit diesen gewaltbereiten Rechtsradikalen in einem Boot. Er trägt die Verantwortung für die Eskalationen der Gewalt bei seinen Veranstaltungen."

Der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein sprach hingegen von "sozialistischen Krawallen" und beschuldigte die SPÖ, nach der Methode "Haltet den Dieb" mit dem Finger in Richtung FPÖ zu zeigen. Vertreter der SJ seien neben bekannten Randalierern der sozialistischen Linkspartei und auch vermummten - offensichtlich vom schwarzen Block - gestanden und hätten Zuhörer der FPÖ-Veranstaltung immer wieder verbal und auch handgreiflich attackiert. Aus diesen Reihen seien schwarze Nebelgranaten und immer wieder gefährliche Gegenstände in Richtung der Zuhörer geflogen, sagte Jenewein. (APA/Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 27./28. September 2008)

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    Bei den Ausschreitungen gab es mehrere Festnahmen.

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